Friedens-Konferenz in Kabul: Wenn das Chaos jegliche Bemühungen untergräbt

Friedens-Konferenz in Kabul: Wenn das Chaos jegliche Bemühungen untergräbt
Proteste gegen die Anschläge in Afghanistan; Peschawar, Pakistan, 3. Juni 2017.
Unter dem Titel "The Kabul Process" nehmen 20 Nationen an einer Konferenz teil, um über den Frieden in Afghanistan zu beraten. Afghanistan macht Pakistan für Terrorexport verantwortlich. China fürchtet, auf Frieden in Afghanistan werde Terror in China folgen.

Die Zahl der Menschen, die bei den Anschlägen im Kabuler Botschaftsviertel vergangene Woche ums Leben kamen, ist auf 90 angestiegen. Laut Behördenangaben haben Terroristen 1.500 Kilogramm Sprengstoff verwendet, um die Anschläge zu verüben.

Die Regierung hat die Menschen dazu aufgerufen, für die rund 400 Verletzten Blut zu spenden. Bei blutigen Protesten hatten die Bürger in den Tagen nach dem Attentat den Präsidenten für die verfehlten Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich gemacht und seinen Rücktritt gefordert. Die deutsche und die iranische Botschaft wurden bei dem Anschlag schwer geschädigt. 

An der nunmehrigen Konferenz nehmen 20 Nationen teil, darunter auch China, die USA und Saudi-Arabien. Es ist die erste ihrer Art in Afghanistan. Das Konzeptpapier beginnt mit einer Erklärung, dass der Friedensprozess im Land die höchste Priorität der Regierung ist. In dick gedruckten Buchstaben ist zu lesen: 

Wir brauchen ein stabiles Afghanistan, für eine stabile Region. 

Dem Kampf gegen die Taliban fielen 2016 allein bis Oktober 15.000 afghanische Soldaten zum Opfer. 

Ghani macht Pakistan für den Terror-Export in sein Land verantwortlich. Auch Saudi-Arabien, einst eng verbunden mit Islamabad, hat sich von dem Land distanziert. Chinas Interesse an der Stabilität an Afghanistan ist unterdessen geteilt. Das Land fürchtet, es könnte nach einem Frieden in Afghanistan einen vermehrten Terrorexport in die muslimischen Regionen Chinas geben. 

Ein Uigure in Kashgar; China, 20. März 2017.

Die chinesische Provinz Xinjiang ist bereits jetzt immer wieder Schauplatz von terroristischen Anschlägen. Der von den USA unterstützte Aufstand radikal-islamischer Gruppen in Afghanistan gegen die Sowjetunion war für eine Reihe Gleichgesinnter eine Inspiration, um Ähnliches auch in der stark muslimisch geprägten Region Chinas zu erproben. Seit 1989 schaukeln sich terroristische Anschläge und Repressionen vonseiten der Staatsmacht wechselseitig hoch.

Den Auftakt der Konferenz bildete eine Schweigeminute in Gedenken der Opfer des Terrors von Kabul. 

Das Motto der Konferenz unter dem Hashtag #KabulProcess ist, dass ein stabiles Afghanistan für Stabilität in der Region sorgt. 

Vor dem Anschlag von Kabul waren bei der Deutschen Botschaft Drohungen eingegangen. Ähnliche Drohungen hatten aber auch andere Botschaften erhalten. Die Zukunft des deutschen Botschaftsstandorts bleibt ungewiss. Der Anschlag ereignete sich in einer Sicherheitszone, einem Ort, der in Kabul als sicherer gegenüber dem Rest des Landes gilt. 

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