Putin im Interview mit Le Figaro: NATO, Macron, "russische Bedrohung" und Hacker

Putin im Interview mit Le Figaro: NATO, Macron, "russische Bedrohung" und Hacker
Wladimir Putin bei seinem Frankreich-Besuch mit dem neuen französischen Präsidenten Macron
Wladimir Putin hat während seines Frankreich-Besuchs der französischen Tageszeitung Le Figaro ein Interview gegeben. RT Deutsch hat die interessantesten Aussagen ausgewählt und übersetzt.

Über die NATO:

Was meine Aufmerksamkeit erregt hat, ist, dass die Staatsoberhäupter der NATO bei ihrem Gipfel über den Wunsch zur Verbesserung der Beziehungen zu Russland sprachen. Warum erhöhen sie dann aber ihre Militärausgaben? Gegen wen planen sie zu kämpfen? Ich sehe einen inneren Widerspruch hier, obwohl das nicht unsere Angelegenheit ist. Lassen wir die NATO entscheiden, wer bezahlen wird und wie viel. Wir haben unsere eigenen Verteidigungsaufgaben, um die wir uns kümmern, und wir arbeiten daran, diese verlässlich sicherzustellen mit einem Blick auf die Zukunft. Wir sind zuversichtlich.

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Über Emmanuel Macron:

Bei jedem Treffen, bei jedem Kontakt, bei allen Veranstaltungen auf dieser Ebene, besonders wenn es der erste Kontakt ist, gibt es immer Erwartungen. Wenn es keine Erwartungen gibt, ist es sinnlos, Veranstaltungen dieser Art abzuhalten. Ich hatte definitiv Erwartungen dieses Mal.

Jetzt wo der neu gewählte Präsident sein Amt antritt, hat er sicherlich seinen eigenen Blick auf die Dinge, auf bilaterale Beziehungen, auf die internationale Politik. Insgesamt, würde ich sagen, ist es ein sehr pragmatischer Blick. Wir haben sicherlich Punkte, die zur Annäherung geeignet sind, für eine Zusammenarbeit in Schlüsselbereichen.

Über die Lösung der Ukraine-Krise:

Wir glauben, dass die wichtigste Bedingung der Abzug der Streitkräfte von der Frontlinie ist. Das ist das Erste, was getan werden muss. Der Abzug wurde in zwei Gebieten vollzogen, aber im dritten Gebiet wurde dieses Ziel nicht erreicht. Die ukrainischen Behörden sagen, dies könne nicht erfolgen wegen des Beschusses dort. Aber der Beschuss wird nicht aufhören, es sei denn, die Truppen und die schweren Waffen werden abgezogen. Die schweren Waffen müssen abgezogen werden.

Fortschritt im Lösen eines jeden Konflikts, auch in dem Konflikt im Südosten der Ukraine, wird zuallererst von den Konfliktparteien erreicht. Dieser Konflikt ist binnenländisch - in erster Linie ein ukrainischer Konflikt. Er entstand nach einer verfassungswidrigen, gewaltsamen Machtergreifung in Kiew im Jahre 2014. Zuvörderst bin ich zuversichtlich, dass, wie man sagt, der Ball im Feld der offiziellen Kiewer Behörden liegt. Zuallererst müssen diese sich um die Implementierung des Minsker Abkommens kümmern.

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Über die amerikanisch-russischen Beziehungen:

Während seiner Wahlkampagne sprach Präsident Trump von seinem Vorhaben, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren und dass diese nicht schlimmer sein könnten. Wir erinnern uns daran. Jedoch sehen und realisieren wir auch, dass die politische Situation in den USA von denen beeinflusst wird, die die Wahl verloren haben, aber sich weigern, ihre Niederlage anzuerkennen. Sie werden weiterhin die Anti-Russland-Karte sowie verschiedene Vorwürfe sehr aktiv in politischen Grabenkämpfen benutzen.

Über die US-Politik:

Ich habe bereits mit drei US-Präsidenten gesprochen. Sie kommen und gehen, aber die Politik bleibt immer gleich. Wissen Sie warum? Wegen der mächtigen Bürokratie.

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Über die "russische Bedrohung":

Was ist das große Sicherheitsproblem heutzutage? Terrorismus. Es gibt Bombenanschläge in Europa, in Paris, in Russland, in Belgien. Es gibt einen Krieg im Nahen Osten. Das ist die Hauptsorge. Aber nein, lassen Sie uns weiter über eine Bedrohung aus Russland spekulieren.

Über "russische Hacker":

Es gab eine Frage zu diesem Thema von einem Ihrer Kollegen heute. Er hat es sehr vorsichtig auf der Pressekonferenz ausgedrückt, indem er sagte, "es gebe Vorwürfe, dass russische Hacker..." Wer erhebt diese Vorwürfe? Basierend worauf? Falls dies nur Vorwürfe sind, dann könnten diese Hacker von überall her sein und nicht notwendigerweise aus Russland. Russland beschäftigt sich nie mit Tätigkeiten dieser Art, und wir brauchen es nicht. Es ergibt keinen Sinn für uns, diese Dinge zu tun. Wozu?

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