Club der Reichen ohne Daseinsberechtigung. G7-Gipfel stößt auf Kritik bei Hilfsorganisationen

Club der Reichen ohne Daseinsberechtigung. G7-Gipfel stößt auf Kritik bei Hilfsorganisationen
Ein somalischer Junge spielt mit dem selbstgebastelten Auto-Spielzeug. Er stammt aus einer Familie der Binnenflüchtlinge. Somalia, April 2017.
Entwicklungshelfer zeigen sich entsetzt über die Ergebnisse des G7-Gipfels auf Sizilien. Das Treffen sei demnach "ein Desaster für die hungernden Kinder in Afrika und Arabien" gewesen. Vor allem Donald Trump wird dafür verantwortlich gemacht.

Der Streit der sieben großen Industrienationen auf ihrem ersten G7-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump ist auf scharfe Kritik gestoßen. Entwicklungsorganisationen warfen den Staats- und Regierungschefs nach dem Treffen in Taormina auf Sizilien Versagen vor. Die drängenden Probleme der Welt seien nicht angegangen worden.

Der G20-Gipfel muss nun dort einspringen, wo der G7 gescheitert ist, sagte Friederike Röder von der Entwicklungsorganisation ONE.

Sichtlich ungehalten: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde, Italien, 27. Mai 2017.

Trump habe eine "feindliche Verhandlungshaltung" gezeigt, sagte Röder. Die Aktivistin forderte andere G7-Führer zugleich auf, nicht alles mit sich machen zu lassen.

Auch viele andere Umweltschützer und Hilfsorganisationen zeigten sich enttäuscht. 

Die G7 verlassen den Gipfel, ohne einige der drängendsten Aufgaben unserer Zeit auch nur im Entferntesten angegangen zu sein", sagte Jörn Kalinski von Oxfam.

"Vor allem Trump gefällt sich in der Rolle des Spielverderbers vom Dienst." Er habe Lösungen für Millionen der ärmsten Menschen weltweit blockiert. Es stelle sich die Frage, "ob dieser Club der Reichen so noch eine Daseinsberechtigung hat".

Protestaktion gegen den G-7-Gipfel auf den Stränden Siziliens, 27. Mai 2017.

Wegen der Überlegungen der neuen US-Regierung, vielleicht aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, forderten Umweltschützer die anderen Staaten auf, jetzt noch mehr Druck zu machen. Trump will nächste Woche über einen Verbleib entscheiden. Er hält das Abkommen für unfair und schädlich für die Wirtschaftsentwicklung der USA.

U2-Frontmann Bono auf der Münchner Sicherheitskonferenz

Hilfsorganisationen bemängelten auch, dass die reichen G7 keine neuen Finanzzusagen für den Kampf gegen Hungersnöte in Afrika gemacht hatten. Die Gipfelteilnehmer hätten es versäumt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Menschen in Jemen, Somalia, Südsudan und Nigeria zu helfen. 20 Millionen Menschen sind dort von Hungersnöten bedroht.

Für den UN-Hilfsappell von 6,9 Milliarden US-Dollar (6,1 Nrd Euro) liegen erst Zusagen über 30 Prozent vor. "Dieser G7-Gipfel ist ein Desaster für die hungernden Kinder in Afrika und Arabien", sagte Marwin Meier von Worldvision.

Hilfsprojekte für Länder der Dritten Welt werden auch im Westen oft als "Bemitleidungsindustrie" gebrandmarkt. Viele Kritiker sehen diese als Persilschein für die Ausbeutung vieler rohstoffreicher Länder und die Sicherung des eigenen Einflusses in Ländern der Dritten Welt. Dass diese Länder jedoch Hilfe brauchen, ist weniger umstritten.

(dpa/rt deutsch)

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