Die Spur der Waffenhändler: Waffenlieferungen aus Bulgarien an Dschihadisten in Syrien verdoppelt

Die Spur der Waffenhändler: Waffenlieferungen aus Bulgarien an Dschihadisten in Syrien verdoppelt
Die Waffenlieferungen aus Bulgarien nach Saudi-Arabien haben sich verdoppelt. Von dort gelangen sie in die Hände von Aufständischen, die aus den USA und den Golfstaaten unterstützt werden. Das Portal EurAsia Daily verfolgte die Waffenlieferungen und entdeckte sogar Schützenpanzer.

Seit dem Jahr 2012 fluten die Golfstaaten und die US-Geheimdienste Syrien mit Waffen. Im Rahmen von Programmen wie "Timber Sycamore" kaufen dubiose Firmen massenhaft Waffen ein, unter anderem in Kroatien und Bulgarien. Dieser Waffenfluss aus Bulgarien über Saudi-Arabien nach Syrien hat sich verdoppelt, wie das Internetportal EurAsia Daily mitteilt.

Zumindest fahren aktuell zwei Schiffe der dänischen Firma H. ​​Folmer & Co auf der Strecke Burgas-Dschidda. RT berichtete bereits im März darüber, dass der Frachter Marianne Danica bulgarische Waffen nach Saudi-Arabien lieferte.

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Vor drei Tagen wurde der Frachter mit einer Kapazität von 1,4 Tausend Tonnen erneut in Saudis Dschidda entladen und befindet sich nun auf dem Weg zum Suezkanal. Das Schiff startete am 5. Mai im bulgarischen Burgas. Somit brauchte die Waffenlieferung aus Bulgarien nach Saudi-Arabien dauert zwei Wochen in Anspruch.

Zur selben Zeit bewegt sich der Marianne Danica ein weiteres dänisches Schiff, die Hanne Danica, entgegen. Gemäß der spezialisierten Webseite Marinetraffic überquerte es am 23. Mai den Bosporus.

Den türkischen Bloggern Yörük Isik und Alper Böler, die sich in der Verfolgung von Schiffen spezialisiert haben, gelang es, die Hanne Danica zu fotografieren, als sie Istanbul durchquerte vorbei und veröffentlichten die Bilder auf Twitter.

Nun sind da keine Zweifel mehr darüber, was die dänischen Schiffe transportieren. Zuvor transportierten sie ihre Lieferungen in geschlossenen Containern, daher konnte der Inhalt der Lieferungen nur durch die Klasse der Ladungserklärung Hazard A klassifiziert werden. Unter dieser Kategorie wird der Transport von hochexplosiven Produkten, wie zum Beispiel Artillerieraketen charakterisiert.

Darüber hinaus war die Marianne Danica bereits in Skandale mit Waffenlieferungen im Nahen Osten verwickelt. Zum Beispiel in Ägypten. Dabei ist der Kunde immer der gleiche - die US-amerikanische Firma Chemring. Sie tritt als offizieller Aufkäufer von Waffen und Militärgerät auf, die nicht dem NATO-Standard entsprechen und im Rahmen eines Programms der US-Regierung an verbündete Milizen im Nahen Osten geliefert werden.

Zu den Zielländern gehören der Jemen und Syrien. In Bulgarien ist Chemring einer der wichtigsten Kunden des Wazowski Maschinenbauwerk (VMZ), das Pistolen- und Maschinengewehrpatronen sowie Antipanzergranatenwerfer und Raketen produziert. Die Munition von VMZ wurde nicht nur in den Händen von Dschihadisten der sogenannten "gemäßigten Opposition", sondern auch bei der syrischen Al-Kaida und des Islamischen Staates festgestellt.

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Im Fall von Hanne Danica lassen sich an Bord des Schiffes mit bloßem Auge sogar zwei Schützenpanzer erkennen. Dies ist das erste Mal, das auf der Route Burgas-Dschidda schweres militärisches Gerät gesichtet wird.

Der Blogger Alper Böler nimmt an, dass eines der Fahrzeuge ein Schützenpanzer OT-64 SKOT ist, und untermauert seine Annahme mit Fotos auf Twitter. Diese Panzer wurden in der Tschechischen Republik und Polen in den 1960er Jahren entwickelt. Dieses Modell wird zurzeit in Tschechien von der Firma Tatra Defense Industrial Ltd. produziert.

Das zwölf Tonnen schwere gepanzerte Fahrzeug hat acht Räder und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 95 Kilometern pro Stunde an Land und bis neun Kilometer pro Stunde im Wasser. Es ist mit schweren Maschinengewehren ausgerüstet. Außerdem können zusätzlich zur Mannschaft 18 weitere Soldaten in voller Montur Platz finden. Der zweite Schützenpanzer an Bord der Hanne Danica weist keinen Turm auf.

Die dubiose Firma Alguns Ltd. beliefert syrische Rebellen mit Waffen, die von US-Militärberatern ausgebildet werden. (Symbolbild)

Die Annahme, dass die Liefermenge von Waffen an die syrischen Dschihadisten radikal steigt, kann durch anhand der finanziellen Erhöhung für das erwähnte US-Regierungsprogramm untermauert werden. So erteilte Ende Januar die US-amerikanische Firma Orbital ATK, die auch ein wichtiger Kunde des bulgarischen VMZ ist, dem bulgarischen Rüstungsunternehmen einen neuen Auftrag in Höhe von 50 Millionen US-Dollar.

Zu erwähnen wäre auch, dass auf der offiziellen Website des Unternehmens angegeben ist, dass es im vergangenen Jahr Aufträge der US-Regierung im Rahmen dieses staatlichen Programms einen Betrag von mehr als 200 Millionen US-Dollar erhielt.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Liefermenge an Waffen für die sogenannte gemäßigte Opposition in Syrien gesteigert wird. Militärexperte Juri Ljamin denkt, dass die USA und die Saudis eine Offensive der von ihnen unterstützen militanten Gruppen von Süden nach Nordwesten Syriens vorbereiten.

Gemessen an den jüngsten Ereignissen, im Osten und Südosten von Syrien sowie der Schwächung des IS wird der Kampf um die Kontrolle der Wüste an der Grenze Syriens mit dem Irak zwischen den Regierungstruppen und den bewaffneten Oppositionskämpfern immer stärker", sagt der Experte in einem Interview mit EurAsia Daily.

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Ljamin unterstrich, dass es für die Regierung Damaskus eines der wichtigsten strategischen Ziele im Rahmen der eigenen Offensive gegen den IS sei, die Kontrolle über die Straßen zum Irak zurückzuerlangen, um die ländliche Versorgungsroute aus dem Iran und dem Irak wieder herzustellen.

Der Nahost-Experte Timur Achmetow, der unter anderem von al Monitor, Rudaw oder ARA News zitiert wird, gab RT Deutsch ein Interview in dem er auf die Anwesenweit osteuropäischer Waffen im Nahen Osten genauer einging:

Bulgarische Hersteller markieren ihre Waffen mit einem doppelten Kreis, in dem die Kennziffer 10 steht.

Sei dem Jahr 2012 gab es mehrere Berichte darüber, dass Saudi-Arabien und die Golf-Monarchien Waffen aus den osteuropäischen Ländern kaufen, um sie weiter in die syrische Opposition zu leiten. Praktischerweise sind die sowjetisch entworfenen Waffen in Syrien, dem ehemaligen Satelliten der Sowjetunion, einfach einzusetzen.

Die Art von Waffen, die von Assads Truppen verwendet werden, konvergieren leicht mit den Waffen aus Osteuropa. Es ist schwer zu sagen, ob Bulgarien mit den USA in deren Bemühungen zusammenarbeitet, die bewaffnete Opposition in Syrien zu verstärken, aber einer Reaktion der russischen Diplomaten nach zu urteilen, beschäftigt sich Moskau sehr intensiv mit dieser Frage.

Das Hauptziel der Bemühungen der USA ist es, Damaskus davon abzuhalten die syrisch-irakische Grenze zu kontrollieren und die Kontrolle über den strategisch-wichtigen Weg nach Bagdad zu erlangen. Das ist eine Rettungsleine, die die Verhandlungspositionen von Assad verbessern könnte. Ein weiterer Punkt ist der iranische Plan, diese Grenze zu sichern, um eine Verbindungslinie vom Iran über den Irak, Syrien und den Libanon zum Mittelmeer zu ziehen.