Laut Studie: Allianz-Versicherung investiert in Produzenten von Streubomben

Laut Studie: Allianz-Versicherung investiert in Produzenten von Streubomben
Gegenwärtig ist Streumunition eine der am meisten eingesetzten Luftabwurfwaffen und verdrängte damit die zuvor bei Massenabwürfen übliche Splitterbombe oder den Einsatz von Napalm. Das erste Land, welches Streumunition militärisch einsetzte, war Deutschland während des zweiten Weltkriegs.
Nach wie vor halten sich Investoren nicht an die internationale Ächtung von Streumunition. Das geht aus dem jährlichen Bericht der Friedensorganisation Pax hervor. In dem Bericht werden Finanzinstitute aufgelistet, die weiterhin in Hersteller von Streubomben investieren.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Focus“, das sich auf den Bericht von Pax bezieht, investierten allein Tochterfirmen der Allianz seit 2013 mindestens 72 Millionen US-Dollar in Hersteller von Streumunition.

Kein anderes deutsches Finanzinstitut investiert so hohe Summen in die Hersteller dieser menschenverachtenden Waffen,

sagt Eva Maria Fischer, Leiterin Advocacy von Handicap International in Deutschland.

Wir fordern die Allianz auf, von solch ethisch untragbaren Investitionen Abstand zu nehmen und entsprechende Richtlinien auf alle Tochterfirmen und Finanzprodukte anzuwenden.

Die Allianz ist eines von weltweit 166 Finanzinstituten, die laut dem Pax-Bericht im Zeitraum zwischen 2013 und 2017 insgesamt 31 Milliarden Dollar Kredite und Dienstleistungen an sechs Hersteller von Streumunition gewährt hätten. Dies ist umso kritikwürdiger, da die Allianz auf ihrer Homepage unter dem Punkt „Nachhaltigkeit“ folgendes schreibt:

Die Allianz weiß um die Verantwortung als einer der weltgrößten Investoren. Wir suchen stets nachhaltige Anlagemöglichkeiten und nutzen unser Verständnis für ESG Themen, um das Risiko in unseren Investment Portfolios zu reduzieren.

ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff ist international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und der unternehmerischen Praxis sowie bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet beziehungsweise bewertet werden.

Im Jahr 2010 war die Oslo-Konvention über ein Verbot von Streumunition in Kraft getreten. Inzwischen sind 100 Staaten der Anti-Streubomben-Konvention beigetreten. Streubomben dürfen laut der Konvention weder produziert, gelagert noch eingesetzt oder exportiert werden. Das gilt zumindest für alle Staaten, die das Abkommen ratifiziert haben. In anderen Staaten wird Streumunition jedoch noch weiterhin produziert. Eva Maria Fischer kritisiert jedoch, das in dem Verbot Investitionen nicht explizit erwähnt werden:

Anders als viele Länder hat die deutsche Regierung solchen Investitionen noch keine Absage erteilt, weder durch ein Gesetz, noch durch eine entsprechende Interpretation des Verbotsvertrags.

Laut Handicap International sollen jedoch alle deutschen Streubomben bereits im Jahr 2015 vernichtet worden sein. Eine vergleichbare Waffenart, SMArt 155 der Firma Diehl aus Überlingen am Bodensee, wurde allerdings auf Betreiben der Bundesregierung vom Verbot in der Osloer Konvention ausgenommen. Zudem bleibt die indirekte Förderung der Waffen durch Investitionen deutscher Banken und Unternehmen weiterhin erlaubt.

ForumVostok