Iran verspottet saudische Liebes-Erklärung des US-Präsidenten und erinnert an 9/11

Iran verspottet saudische Liebes-Erklärung des US-Präsidenten und erinnert an 9/11
Bei seinem Staatsbesuch in Saudi-Arabien schwingt US-Präsident Trump das Tanzbein mit dem saudischen König Salman bin Abdulaziz Al Saud (3 von links).
Nach der Unterzeichnung des größten Waffendeals in der US-Geschichte hielt US-Präsident Donald Trump eine mit Spannung erwartete Rede im Königreich Saudi-Arabien. Dabei attackierte der US-Präsident vor allem die Republik Iran. Die sarkastische Reaktion aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten. Der iranische Außenminister verwies auch auf die Hintergründe von 9/11.

Während der am Sonntag einberufenen „arabisch-muslimisch-amerikanischen Konferenz“ beschwor der US-Präsident die Muslime weltweit, gegen den religiös verbrämten internationalen Terrorismus zu kämpfen:

Unser Ziel ist eine Allianz von Staaten die die Absicht teilen, Extremismus auszumerzen und unseren Kindern eine hoffnungsvolle Zukunft zu sichern, die Gott ehrt, so Trump auf dem Podium in Riad.

Trump und König Salman eröffnen Anti-Radikalisierungszentrum

Vor dutzenden Staatsoberhäuptern der muslimischen Hemisphäre kündigte Trump ein Abkommen mit den Golfstaaten an. Angeblich sei es das Ziel, die Finanzierungsquellen der Terroristen zu kappen. Saudi-Arabien und die Golfstaaten exportieren seit Jahrzehnten extremistische religiöse Anschauungen und finanzieren dschihadistische Gruppen weltweit.

Dabei, so Trump, bringe er eine Botschaft „der Freundschaft, der Hoffnung und der Liebe“. Er legte Wert darauf, folgendes zu betonen:

Wir sind nicht hier, um den Menschen zu erzählen, wie sie leben, was sie tun, wer sie zu sein oder wie sie ihren Glauben auszuüben haben.

Zudem sei es nun für muslimischen Staatenlenker an der Zeit zu gewährleisten, „dass Terroristen keinen sicheren Ort auf ihrem Staatsgebiet finden“.

Mit einer gehörigen Portion Pathos appellierte er dabei an die anwesenden Staatsoberhäupter:

Eine bessere Zukunft ist nur möglich, wenn eure Nationen die Terroristen und Extremisten verjagen. Aus euren Gebetsorten, verjagt sie aus euren Gemeinden, verjagt sie aus eurem Heiligen Land! Verjagt sie von dieser Erde!

Doch damit nicht genug. Der US-Staatschef betonte darüber hinaus, dass die Verantwortlichen der Region, sich „ehrlich der Krise des islamistischen Terrorismus stellen“ zu stellen hätten.

Während des Wahlkampfs und zu Beginn seiner Amtszeit, hatte Trump den Islam und die Muslime noch unter Kollektivverdacht gestellt und einen US-Einreisebann für Bewohner aus muslimischen Staaten initiiert. Während seiner Rede ließ der Friedensbotschafter und neue Freund der Muslime allerdings kein gutes Haar an der Außenpolitik der Republik Iran. Dies deckt sich mit Behauptungen aus Riad. Die Golfmonarchie stellt ihre aggressive Außenpolitik als eine Reaktion auf angebliche Bedrohungen durch den Iran dar.

Die Tinte unter dem größten Waffendeal der US-Geschichte mit dem autokratischen Regime auf der arabischen Halbinsel war noch nicht trocken, da holte Trump zum verbalen Rundumschlag gegen die Führung in Teheran aus. Der Milliardär warf ausgerechnet der iranischen Regierung vor, für die wachsende Instabilität im Nahen Osten verantwortlich zu sein und den Terrorismus zu fördern.

Der Iran, so meinen Trump und das saudische Königshaus, finanziere Waffen und trainiere Terroristen, Milizen und andere extremistische Gruppen, die Zerstörung und Chaos verbreiteten. Die iranische Führung schwadronierte Trump, spreche offen über Massenmord, den Tod für Amerika und die Vernichtung Israels.

Zudem forderte der politische Neuling im Weißen Haus, dass der Iran "von der internationalen Gemeinschaft isoliert" werden müsse. Ganz zupackender Staatsmann, zeigte sich Trump überzeugt, dass der internationale Kampf gegen den Extremismus nur gelingen könne, wenn man die Verantwortlichen beim Namen nenne:

Terroristen sichere Zuflucht, finanzielle Unterstützung und die gesellschaftliche Anerkennung bietet, die notwendig ist, um neue Terroristen zu rekrutieren. Es ist ein Regime, das für viel Instabilität in dieser Region verantwortlich ist. Ich spreche natürlich vom Iran.

Nach der Feststellung, dass er mit diesen Worten nicht etwa seine Gastgeber, das saudische Königshaus gemeint hat, erläuterte der US-Präsidenten, dass Teheran „seit Jahrzehnten das Feuer konfessionsgebundener Konflikte“ fördere.

Kritik an der Außenpolitik des saudischen Regimes erklang nicht während Trumps Ausführungen über Frieden, Terrorismus und Liebe. Im Gegenteil fand Trump nur überschwängliches Lob für seine Gastgeber:

Worte werden der Erhabenheit dieses Landes gar nicht gerecht.

Dies war sicherlich einer der Höhepunkte bei Trumps Versuchen, sich der pathetischen und blumigen Sprache aus "Tausend und einer Nacht" zu bedienen. 

König Salman pflichtete dem US-Präsidenten in seiner eindimensionalen politischen Analyse natürlich bei und behauptete, dass sein Königreich fest entschlossen sei, den „islamischen Staat“ zu zerschlagen. Dabei bezeichnete das saudische Staatsoberhaupt seinen schiitischen Erzrivalen aus Teheran als:

Speerspitze des globalen Terrorismus

Die Reaktion aus Teheran bestand entsprechend aus Spott und bissiger Kritik. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte:

Gerade in der Bastion der Demokratie und moderater Politik (Saudi-Arabien) attackiert der US-Präsident den Iran kurz nach einer demokratischen Wahl.

Dem wiedergewählten und als moderater Hoffnungsträger im Iran geltenden Präsidenten Rouhani reichte Trump nicht etwa die Hand, sondern nutzte die Gelegenheit, um diesem offen den Kampf anzusagen.

Zudem verwies Zarif darauf, dass Trump selbst, den saudischen Königshof als Drahtzieher hinter den Anschlägen des 11. September des Jahres 2001 ausgemacht hatte. Mit spitzer Ironie erklärte Zarif:

Er muss in Dialog mit ihnen (den Saudis) treten, um Wege zu diskutieren, wie Terroristen daran gehindert werden können, weiter Feuer in der Region zu verbreiten und Dinge wie den 11. September mit ihren westlichen Sponsoren zu verhindern. Es gibt streng geheime Unterlagen darüber, wer tatsächlich den Einsturz des World Trade Centers zu verantworten hat. Sie werden rausfinden, dass es sich dabei um die Saudis handelt.

Auch über den gigantischen Waffendeal zwischen Washington und Riad verlor Zarif einige bissige Worte. So zeigte sich der iranische Top-Diplomat davon überzeugt, dass Trump die Saudis schlicht „gemolken“ habe.

Nur Spott hatte Zarif für den saudischen König Salman übrig:

Wir holen uns unsere Stabilität nicht über (internationale) Koalitionen, sondern über Wahlen.

Dabei verwies der iranische Chefdiplomat darauf, dass dies „in vielen Ländern“ - wie etwa Saudi Arabien - ja nicht der Fall sei.

Dass US-Präsident Trumps Verständnis für außenpolitische Zusammenhänge und deren Komplexität eher schlichter Natur ist, mag zwischenzeitlich bekannt sein. Dennoch mögen sich Beobachter über Trumps saudische Märchenstunde gewundert haben.

Es gehört mittlerweile zum geopolitischen Allgemeinwissen, dass die absolutistische Monarchie die strengste Auslegung des Islam, den Wahhabismus in alle Welt exportiert und damit den ideologischen Nährboden für extremistische Terrororganisationen wie etwa al-Kaida und auch den sogenannten Islamischen Staat bereitet.

Zuletzt wurde bekannt, dass Saudi-Arabien dabei auch den Kosovo ins Visier genommen hat. Auch im syrischen Stellvertreterkrieg helfen die Saudis an der Seite „moderater Rebellen“ durch Waffen, Ausbildung und Finanzierung seit Beginn der Kampfhandlungen mit. Bekanntlich kämpften tausende saudische Freiwillige in den Reihen extremistischer Terrororganisationen. Ganz zu schweigen von der humanitären Katastrophe die sich aktuell, vorrangig aufgrund saudischer Militäroperationen, im Jemen abspielt.

All das blieb vom Trump-Tänzer unerwähnt, der nach seiner Ankunft mit dem saudischen König das Tanzbein geschwungen hatte.

Mit dem Emir von Katar, Scheich Bin Hamad Al-Thani, wolle er über den Kauf von, wie wohl nur Trump es zu formulieren vermag, „wunderschöner Militärausrüstung“ sprechen. Nur die USA seien in der Lage militärische Ausrüstung wie diese herzustellen, so der wie ein Lobbyist der US-amerikanischen Waffenindustrie anmutende US-Präsident. Auch das Golf-Emirat Katar ist international nicht als Streiter für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit bekannt.

Warme und schmeichelhafte Worte fand der US-Milliardär auch für den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi. Denn der habe „fantastische Arbeit unter schwierigen Umständen“ geleistet. Daher nahm Trump auch dessen Einladung nach Ägypten an.

Ein weiterer Rechtsstaat nach US-Definition ist offensichtlich Bahrain, wo Trump wissen ließ, dass es trotz früherer Herausforderungen „mit dieser Regierung keine Spannungen geben“ werde.

Irans Außenminister weist Trumps Kritik zurück: Die USA wollten Saudi-Arabien

Nur wenige Stimmen warnten die 50 anwesenden Staatsgäste davor, zu naiv gegenüber Trump zu sein. Dazu zählte der Fawaz Gerges, Professor für internationale Beziehungen an der London School of Economics:

Ich kann nur hoffen, dass die arabischen Führer nicht alle ihre Eier in dieses Nest legen. Denn das Nest von Donald Trump ist voller Löcher.

Während Trumps Aufenthalt zu Hofe vereinbarten die Vereinigten Staaten und zahlreiche Golfstaaten ein Abkommen, dass die Austrocknung der Terrorfinanzierung zum Ziel haben soll. Es soll sich dabei um den Golfkooperationsrat bestehend aus Bahrain, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinten Arabischen Emirate handeln.

Bei seinen Gesprächen am Samstag mit König Salman kam es zur Unterzeichnung des größten Waffengeschäfts in der US-Geschichte. Dabei wurden Verträge in Höhe von insgesamt 340 Milliarden Euro unterzeichnet. Nach Angaben der saudischen Nachrichtenagentur Sana soll es sich dabei um 34 Abkommen in Bereichen wie Öl. Rüstung und Luftfahrt handeln. Am heutigen Montag traf Trump in Israel ein.

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