Schwedische Anwältin: "Assanges Freispruch ist ein Skandal"

Schwedische Anwältin: "Assanges Freispruch ist ein Skandal"
Die Generalstaatsanwältin Marianne Ny in Stockholm; Schweden, 16. Juli 2014.
Schweden stellte am Freitag die Ermittlungen wegen Vergewaltigung gegen Julian Assange ein. Für die Anwältin der beiden Frauen, die er vergewaltigt haben soll, ein Skandal. Assange muss dennoch eine Verhaftung im Fall des Verlassens der Botschaft befürchten.

Im Jahr 2010 stellte Schweden einen Antrag auf Auslieferung Assanges, da zwei Frauen ihn beschuldigten, sie sexuell missbraucht zu haben. Assange wies jede Schuld von sich und hielt die Vorwürfe für einen Vorwand, um seine Auslieferung in die USA zu erwirken.

Zwei Jahre später beantragte er Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London, wo er sich seither aufhält. Die Anwältin Elisabeth Massi Fritz, die die Frauen vertritt, die Assange der Vergewaltigung bezichtigen, nennt die Entscheidung der schwedischen Justiz einen Skandal.

"Meine Klientin ist schockiert", schrieb sie in einer E-Mail an das schwedische Nachrichtenportal Dagensnyheter:

Es ist ein Skandal, dass ein mutmaßlicher Vergewaltiger der Rechtsprechung entkommen kann und einer Verurteilung vor Gericht entgeht. Meine Klientin ist schockiert und keine endgültige Entscheidung kann sie davon abbringen, dass Assange sie vergewaltigt hat.

Massi kritisierte, dass sich Assange bewusst einem Prozess entzogen habe. Als Grund für ihre Entscheidung nannte die oberste Staatsanwältin Marianne Ny, dass es aufgrund des Aufhenthalts Julian Assanges in der ecuadorianischen Botschaft Assanges nicht möglich sei, den Fall weiterzuverfolgen.  

Assange muss dennoch eine Verhaftung und Auslieferung fürchten. Dagensnyheter schrieb weiter, dass es nie im Interesse der schwedischen Justiz gelegen hätte, über eine Auslieferung Assanges zu entscheiden. Die Regierung Ecuadors hat Großbritannien nun dazu aufgerufen, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange in das südamerikanische Land ausreisen zu lassen. Der Appell folgte einer Erklärung der britischen Premierministerin Theresa May, dass es eine "operative Entscheidung" der Polizei sei, über eine Verhaftung von Assange zu entscheiden.

Der schwedische Anwalt Assanges, Per E. Samuelsson, sagte über das Urteil, dieses sei ein "totaler Segen". Assange habe ihn nun gebeten, den schwedischen Staat zu verklagen. Es gehe ihm nicht um Geld, aber um eine Form der Entschädigung. 

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