Philippinen: Bald vier Monate Knast für Rauchen in der Öffentlichkeit

Philippinen: Bald vier Monate Knast für Rauchen in der Öffentlichkeit
Ein Mann in Paranaque City auf den Philippinen bläst seinem Kampfhahn Zigarettenrauch ins Gesicht, um ihn für den Kampf aggressiv zu machen.
Der philippinische Präsident hat eines der strengsten Anti-Raucher-Gesetze in Asien beschlossen. Zudem will er seinen Kampf gegen Drogenkriminelle noch weiter verschärfen. Er werde Gegnern seines Anti-Drogen-Feldzugs „die Köpfe abschneiden.“

Schluss mit dem blauen Dunst: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat ein Dekret unterzeichnet, das Rauchen in der Öffentlichkeit verbietet. Damit bekommt das zweitgrößte Land in Südostasien eines der strengsten Anti-Tabak-Gesetze der Region. Bei Verstoß gegen das Gesetz drohen eine Höchststrafe von vier Monaten Gefängnis und eine Geldstrafe von 5.000 Philippinischen Pesos (ungefähr 90 Euro). Das Rauchverbot betrifft sowohl das Rauchen in Räumen als auch auf der Straße, sagte Präsidentschaftssprecher Ernesto Abella am Donnerstag.

Es bestätigt auch bestehende Verbote für Tabakwerbung, Promotions oder Sponsoring. Hier drohen Geldbußen von bis zu 400.000 Philippinischen Pesos (ungefähr 7.200 Euro) sowie Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren und der Entzug von Betriebsgenehmigungen. Der philippinische Präsident bestätigt mit diesem Gesetzesvorstoß das altbekannte Vorurteil, dass ehemalige Raucher die strengsten Nichtraucher sind.

Denn Duterte selbst war lange ein schwerer Raucher, hörte aber mit dem Rauchen auf, als bei ihm ein Buerger-Syndrom diagnostiziert wurde. Das Buerger-Syndrom (Endangiitis obliterans) ist eine segmentale Gefäßentzündung kleiner und mittelgroßer Arterien und Venen. 

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Das neue Gesetz nehme eine Verordnung Dutertes von 2012 auf, die er damals in seiner südlichen Heimatstadt Davao City erlies, sagte Abella. Duterte gewann die Wahlen zur Präsidentschaft, unter anderem mit den Wahlversprechen, hart gegen Kriminelle, Korruption und Drogen-Dealer vorzugehen. Zudem sagte er „Lastern wie Rauchen und illegales Glücksspiel.“ Auch ein Verbot von Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit und von Karaoke-Singen sollen die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten. Das philippinische Tobacco-Institut, eine Lobby-Organisation der acht philippinischen Tabakkonzerne, äußerte sich noch nicht zu dem neuen Gesetzesvorhaben der Regierung.

Das Rauchen auf den Philippinen wird jedoch nicht komplett verboten: Ausgewiesene Raucherbereiche für Erwachsene, die nicht größer als zehn Quadratmeter sind, werden eingerichtet und müssen mindestens zehn Meter von Gebäudeeingängen oder -ausgängen entfernt sein. Es soll eine spezielle Anti-Raucher-Taskforce der Polizei gebildet werden, die den Städten patroulliert. Das Rauchverbot umfasst zudem auch die E-Zigarette. Das gilt auch für die Verwendung in in Casinos, einschließlich Spielhallen und Bars, sowie in allen Flughafengebäuden. 

Philippinische Gesundheitsorganisationen, die schon seit Jahren gegen die Tabak-Lobby kämpfen, begrüßten das neue Gesetz. Laut einem Bericht von 2014 der Südostasiatischen Tabak Control Alliance gibt es auf den Philippinen ungefähr 17 Millionen Raucher, das sind knapp ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Fast die Hälfte aller philippinischen Männer und 9% der Frauen rauchen. Nach Berechnungen von Gesundheitsexperten kostet Rauchen die philippinische Wirtschaft fast vier Milliarden US-Dollar pro Jahr durch die Kosten im Gesundheitswesen und Produktivitätsverluste. 

Der internationale Tabakmulti Philip Morris International, der durch Joint Ventures auf den Philippinen mehr als 70% des Markts dominiert, dürfte von allen Tabakkonzernen am stärksten betroffen sein. Laut Wirtschaftsanalysten machen die Verkäufe auf den Philippinen ungefähr zwei Prozent des Gesamtgewinns von Philip Morris aus. Auch bei seinem Feldzug gegen die Drogenkriminalität will Duterte unnachgiebig bleiben. Um sein Ziel einer drogenfreien Gesellschaft zu erreichen, werde er noch weit mehr Menschen als bisher töten, hatte Duterte angekündigt.

Lass es 50'000 werden. Ich werde sie alle erledigen,

sagte der Staatschef. Zuvor war bekannt geworden, dass Manila wegen der europäischen Kritik auf Hilfsdarlehen aus der EU verzichten will. Duterte führt seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 einen aggressiven Kampf gegen Drogenkriminelle. Tausende Menschen wurden seither getötet, darunter mehr als 2.700 von der Polizei. Organisationen wie Amnesty International werfen den Sicherheitskräften Menschenrechtsverletzungen vor, Kritik kommt aber auch aus den USA und der EU.

Duterte sagte während einer Brückeneinweihung im Süden des Landes, er lasse sich nicht einschüchtern. „Selbst wenn ich zur Hölle gehe, im Gefängnis verrotte, das ist mir egal. Ich bin alt“, fügte der 72-Jährige hinzu. Er werde Gegnern seines Anti-Drogen-Feldzugs „die Köpfe abschneiden.“