Weißhelme äußern sich zu jüngsten Hinrichtungsvorwürfen

Weißhelme äußern sich zu jüngsten Hinrichtungsvorwürfen
Symbolbild: Die als Ersthelfer bekannten syrische Weißhelme posieren für ein Foto
Im Netz sind Amateuraufnahmen einer Hinrichtung in der syrischen Rebellenhochburg Jasim aufgetaucht. Im Anschluss darauf ist zu sehen, wie die Weißhelme auf den Platz stürmen, um die Leiche fortzutragen. Jetzt haben die Oscar-prämierten Helden ein Statement dazu veröffentlicht.

Die Weißhelme dienen den westlichen Medien gerne als Kronzeuge, wenn es darum geht gegen die syrische Regierung erhobene Vorwürfe zu bekräftigen. Die Rolle der selbstlosen Retter von Aleppo hat ihnen internationale Hochachtung, den alternativen Friedensnobelpreis und 2017 sogar einen Oscar für den besten Dokumentarfilm eingespielt. Kritiker werfen ihnen allerdings immer wieder mangelnde Neutralität und Nähe zu terroristischen Organisationen vor. Zuletzt hatte Abu Jaber, der Chef des syrischen al-Kaida-Ablegers Haiʾat Tahrir asch-Scham, die Aktivisten als "verborgene Soldaten der Revolution" gelobt.

Am Mittwoch sind Aufnahmen in den sozialen Medien aufgetaucht, die demonstrieren, wie eng sogenannte gemäßigte Rebellen und Weißhelme in der Rebellenhochburg Jasim zusammenarbeiten: Kurz nachdem der unbewaffnete Mann vor laufender Kamera und versammelter Menschenmenge erschossen wurde, laufen die Mitglieder der berühmten Weißhelme ins Bild, um die Leiche zu beseitigen. Auf den grausamen Szenen ist deutlich zu sehen, wie das Blut aus dem Kopf des erschossenen Mannes tropft.

Von Al-Kaida gelobt und im Westen mit Preisen überhäuft: Weißhelm-Chef Raed al-Saleh bei der Entgegennahme des Right Livelihood Awards in Stockholm.

Die Gruppe ist als Ersthelfer bekannt, welche Menschen aus den Trümmern rettet. Die Weißhelme operieren ausschließlich in Rebellengebieten. 

Zum aktuellen Vorwurf heben die Weißhelme bereits eine Stellungnahme veröffentlicht. Sie rekunstruieren den Tathergang und betonen, Verstöße gegen ihre Statute sehr ernst zu nehmen. In der Stellungnahme heißt es, dass das in Dara'a ansässige Weißhelmteam am Dienstag, den 16. Mai 2017, eine Bitte von dem gewählten, zivilen Jasimer Stammesrat erhalten hätte, die Leiche eines zu Tode verurteilten Mörders menschenwürdig zu entsorgen.

Die Weißhelme seien angewiesen worden, die Leiche sofort nach der Hinrichtung zu beseitigen, um weiterer Gewalt zwischen den rivalisierenden Stämmen vorzubeugen und den Leichnam unversehrt in die Obhut religöser Würdenträger zu übergeben. 

In der Stellungnahme heißt es weiter, dass eine unabhängige interne Untersuchung der Ereignisse vom 16. Mai ergab, dass der lokale Weißhelmchef unautorisiert gehandelt hätte und deshalb inzwischen entlassen wurde. Außerdem habe das zu beobachtende Fehlverhalten von zwei Weißhelmen dazu geführt, dass beide Männer für einen Zeitraum von drei Monaten suspendiert wurden.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 wird den Weißhelmen immer wieder vorgeworfen, eine Mitschuld an der Verdeckung von Kriegsverbrechen zu tragen. Die Ersthelfer bleiben während Hinrichtungen untätig, assistieren dafür Sekunden später bei der Leichenbeseitigung. Ein Video einer ähnlichen Szene kursiert bereits länger im Netz.