YPG-Nähe: Türkei fordert eine Absetzung des führenden US-Diplomaten der Anti-IS-Koalition

YPG-Nähe: Türkei fordert eine Absetzung des führenden US-Diplomaten der Anti-IS-Koalition
Kurdische Frauen in Kamischli protestieren gegen türkische Luftangriffe auf den Hauptsitz der YPG; Syrien, 26. April 2017.
Die Türkei forderte am Donnerstag die Absetzung des US-Beauftragten für die internationale Koordination gegen den IS im Irak und Syrien. Ankara missfällt seine Nähe zu den YPG. Die Forderung folgte kurz nach einer ersten Begegnung zwischen Erdogan und Trump.

Diese Woche kam es zu einer ersten Begegnung zwischen dem türkischen Staatsoberhaupt und dem US-Präsidenten im Weißen Haus. Die Rede war von einer weitreichenden historischen Verbindung zwischen den Ländern und ruhmreichen türkischen Soldaten. Recep Tayyip Erdogan zeigte sich vorsichtig, aber dennoch sprach er die Punkte an, bei denen Uneinigkeit herrscht. Insbesondere die Unterstützung der syrisch-kurdischen Volksverteidigungskräfte (YPG) in Syrien ist der Türkei ein Dorn im Auge. Für die Türken ist die YPG eine kurdische Terrormiliz, die unter der Leitung der verbotenen PKK steht.

In Nordsyrien kontrollieren die YPG Gebiete, die an die Südosttürkei grenzen. Die Türkei fürchtet infolge der Bewaffnung der YPG durch die Amerikaner, dass diese Waffen an PKK-Kämpfer weiterreichen könnte. Für die USA sind die hoch motivierten und kampfstarken YPG die beste Waffe gegen den Islamischen Staat in Al-Rakka.

Die Türkei hingegen betrachtet die YPG als Teil der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), einer separatistischen Gruppe, die seit dem Jahr 1984 bewaffnete Angriffe ausgeführt hat und in mehreren Ländern als terroristisch eingestuft wird. Für die Vereinigten Staaten ist jedoch nur die PKK eine terroristische Gruppe, nicht aber die YPG. Der stellvertretende türkische Regierungschef Nurettin Canikli sagte dem Fernsehsender A Haber, Waffenlieferungen an die kurdischen Volksverteidigungseinheiten seien "inakzeptabel". Diese Politik nütze niemandem.

Wir können nicht die Anwesenheit terroristischer Organisationen akzeptieren, die die Zukunft des türkischen Staates bedrohen würden.

Recep Tayyip Erdogan (Links) mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus  in Washington, USA, 16. Mai 2017.

Am Donnerstag, forderten die Türken die Absetzung von Brett McGurk, der die PKK (Kurdische Arbeiterpartei) und die YPG unterstütze. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu erklärte gegenüber dem Fernsehsender NTV:

Brett McGurk unterstützt eindeutig die PKK und YPG. Es wäre sehr hilfreich, wenn diese Person ersetzt werden würde.

Im vergangenen Jahr besuchte McGurk Mitglieder der YPG, die die syrische Stadt Kobani kontrollieren. Er zeichnete diese für ihre Verdienste im Kampf gegen den Islamischen Staat aus. Für Erdogan sollte Washington zwischen Ankara und den angeblichen Terroristen wählen. Erdogan äußerte sich auch hoffnungsvoll in der Pressekonferenz über einen Neubeginn nach Obama. Die gesamte Region habe viel Hoffnung aus der Wahl Trumps geschöpft.

Für die USA sind die YPG die effektivste Waffe am Boden gegen den IS. Neben einer Änderung der amerikanischen Ausrichtung in Syrien war es Erdogan ein Anliegen, eine Auslieferung des in den USA lebenden, umstrittenen Predigers Fethullah Gülen zu erwirken. Laut Erdogan soll dieser für den Putschversuch in der Türkei verantwortlich sein.

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