Ehemaliger Geheimdienstchef aus Frankreich: Die russische Bedrohung ist eine Erfindung der Nato

Ehemaliger Geheimdienstchef aus Frankreich: Die russische Bedrohung ist eine Erfindung der Nato
Kann die NATO nur mit einem Feindbild Russland existieren?
Dem ehemaligen Chef der französischen Spionageabwehr (DST), Yves Bonnet, zufolge wurde die NATO mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion obsolet. Doch um die eigene Existenz zu rechtfertigen, pflege das Bündnis die Legende von Russland als Sicherheitsbedrohung.

Bonnet ergänzte in einem Gespräch mit RT, dass die Russen

nicht mehr 'Schurken' sind, die sowjetische Bedrohung ist verschwunden – vor allem weil die UdSSR nicht mehr existiert.

Die Behauptungen von Vertretern des von den USA angeführten Bündnisses, wonach Moskau ein aggressives Verhalten an den Tag lege, seien "übertrieben." Bonnet fügte gegenüber RT hinzu:

Ich glaube, dass die NATO absichtlich die Wahrnehmung von Russland als Bedrohung fördert. [...] Wie jede Organisation will die Nordatlantische Allianz bestehen bleiben und der einzige Grund, ihre Existenz zu verlängern, sind Sie, die Russen.

Russland als eine internationale Bedrohung darzustellen

Die Verteidigungsministerin von der Leyen in Berlin; Deutschland, 26. April 2017.

funktioniert nicht mehr. Ich kann Ihnen versichern, dass die Franzosen glücklicherweise nicht mehr daran glauben",  

erläuterte Bonnet. Der ehemalige Geheimdienstchef sagte gegenüber der französischsprachigen Ausgabe von RT, er sei 

sehr traurig, dass Frankreich wieder der NATO beigetreten ist. 

Die Franzosen hatten sich 1966 aus der NATO zurückgezogen. Bei den Wahlen im Dezember 1965 war in Frankreich zuvor Präsident Charles de Gaulle in seinem Amt bestätigt worden und begann mit einer Änderung seiner Verteidigungspolitik. Mit der ersten französischen Atomexplosion am 13. Februar 1960 in Reggane in Algerien war das Land in den Kreis der Nuklearmächte getreten und baute mit der so genannten Force de frappe seine eigene Atomstreitkraft auf.

De Gaulle pochte auf Souveränität

Auch hatte Frankreich nicht die zum Teil demütigende Behandlung durch die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs vergessen. De Gaulle lehnte eine dauernde Dominanz der USA in der NATO ab und verlangte die Unterstellung der in Frankreich stationierten US-amerikanischen und kanadischen Einheiten unter französisches Kommando. Nachdem die USA dazu ihre Zustimmung verweigert hatten, forderte der französische Präsident im Februar 1966 den Abzug der alliierten Truppen und der NATO-Hauptquartiere mit der Begründung:

Frankreich strebt jetzt die volle Ausübung seiner Souveränität an, die durch die Stationierung fremder Streitkräfte auf seinem Boden nicht gewährleistet ist.

De Gaulle erklärte gleichzeitig den Rückzug seiner Truppen aus der militärischen Integration in der NATO. Erst 30 Jahre später trat man dem Bündnis wieder bei. In der gegenwärtigen Zeit sei die NATO "keine nützliche Organisation, sondern eine gefährliche", sagte Bonnet und fügte hinzu, dass

die Nordatlantische Allianz ganz aufgelöst werden sollte.

 Er ergänzte: 

Ich habe gesehen, was die NATO in Jugoslawien getan hat, einen Krieg dort ohne ein internationales Mandat zu führen. [...] Jetzt fällt die NATO in Afghanistan ein, obwohl dieses Land nicht am Nord-Atlantik liegt. 

Zusammenarbeit gegen Extremismus sinnvoller als Ausnahmezustand

Bonnet verurteilte die Politik des Bündnisses gegenüber Russland und sagte: 

Es macht keinen Sinn, den Russen Sorgen zu bereiten. Es ist völlig sinnlos, [die Russen] nervös zu machen. Necken Sie den 'russischen Bären' nicht.

Er wies auch die Verdächtigungen im Hinblick auf eine angebliche russische Einmischung bei den französischen Präsidentschaftswahlen zurück.  

Ich denke, das Gegenteil ist richtig. Die Russen haben sich nicht in die französische Wahl eingemischt. Aber es gab eine offene Einflussnahme auf die Präsidentschaftskampagne aus zahlreichen finanziellen Interessen, sowohl französischen als auch internationalen, insbesondere durch Israel, die Emmanuel Macron und seine Wahlkampagne unterstützten, 

sagte Bonnet. Er bedauert, dass Paris "aus politischen Gründen" die Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten Russlands, Syriens und anderen Ländern vernachlässige, die "direkt gegen den Terrorismus kämpfen".

Eine solche internationale Zusammenarbeit wäre bei der Bekämpfung des Extremismus in Frankreich wirksamer als das Notstandsgesetz und andere Maßnahmen, die derzeit von den Behörden des Landes verhängt wurden, ergänzte der ehemalige Geheimdienstchef.