Analyse nach Lawrow-Treffen mit Trump: Es wird noch um Aktiva verhandelt

Analyse nach Lawrow-Treffen mit Trump: Es wird noch um Aktiva verhandelt
Der US-Amerikanische Präsident Donald Trump und der russische Außenminister Sergej Lawrow am 10. Mai 2017 im Weißen Haus in Washington.
Langsam baut sich ein produktiver Verhandlungsprozess zwischen Moskau und Washington auf. Der Kreml geht mit vorsichtigem Optimismus in eine weitere Verhandlungsrunde mit den USA. Analytiker neigen dazu, die Resultate in Business-Sprache zu analysieren.

Es ist noch kein Tauwetter, aber die Witterungsverhältnisse gestalten sich allmählich wärmer. So könnte man den verhaltenen Optimismus des Kremls nach dem gestrigen Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit dem US-Präsidenten Donald Trump bildlich darstellen.

Es steht noch sehr viel Arbeit bevor, aber die Tatsache, dass das Gespräch auf der höchsten Ebene weitergeführt wird, ist positiv", sagte der Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber der Presse.  

Sendeten Zeichen der Annäherung: Sergei Lawrow und Donald Trump.

Es geht vorerst darum, das angekündigte Treffen des russischen Präsidenten mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen am Rande des G-20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Deutschland nicht scheitern zu lassen. Alle Seiten verstehen, dass die Erwartungen an die direkten Verhandlungen zwischen zwei Nuklearmächten, die auf vielen Hauptschauplätzen der Weltpolitik nahezu diametral entgegengesetzte Positionen vertreten, sehr hoch sind. Der Lawrow-Besuch ist eine wichtige Etappe bei deren Vorbereitungen.

Wir und die USA brauchen das Treffen nicht, um einen äußeren Effekt, eine Sensation zu erzielen. Russland und die USA sind davon überzeugt, dass es, wenn sich die Anführer treffen, nicht nur fürs Händedrücken, sondern für das Verständnis wichtig ist, wer in welcher Weise über die gegenseitigen Beziehungen und die internationalen Probleme denkt", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow im Vorfeld des Treffens.

Wichtiger Durchbruch in Astana

Nach dem Treffen bestätigte Sergej Lawrow, dass der Dialog mit der heutigen US-Regierung nicht mehr ideologisiert sei, wie es zurzeit von Barack Obama der Fall war. Vielmehr kann man mit dem nunmehrigen Präsidenten wie mit einem "Mann der Tat" konkrete Probleme lösen.

Geschäftssinn statt Ideologie

Solche Kommentare ermutigen manche russischen Analysten, die Verhandlungen mit dem Immobilien-Milliardär Donald Trump in der Sprache des Business zu beschreiben. So sprach der Experte von RIA Nowosti, Geworg Mirsojan, von Aktivposten, die Trump Russland teuerstmöglich verkaufen will. Das Ablassen von der Unterstützung der Regierung in Kiew könnte sich Moskau bei den USA durch Zugeständnisse mit Blick auf den Iran und China erkaufen, spekuliert der Experte. Die russische Regierung dementiert regelmäßig, mit der US-Führung "Deals" machen zu wollen.

Dennoch werden Experten den Eindruck nicht los, dass seit der Amtseinführung Trumps in den Beziehungen mit Russland eine Art Handel betrieben wird. Andererseits ist es nicht mehr so wichtig, auf welche Weise Frieden und Stabilität zustandekommen, solange diese am Ende nur erreicht werden. Anzeichen dafür, dass dies zunächst hinsichtlich der Verhandlungen zu Syrien gelingen kann, gibt es, seitdem die USA die Initiative zu den vier Deeskalationszonen in Syrien unterstützt hat.

Dabei geht es USA offenbar darum, die Kontrolle über die südliche Zone in Syrien zu behalten und dafür Sorge zu tragen, dass die Interessen seiner engen Verbündeten Israel und Jordanien berücksichtigt werden. Durch Einwirkung vonseiten Washingtons und Moskaus auf ihre jeweiligen Verbündeten im Syrienkonflikt könnte dort erstmalig eine Balance erreicht werden. Das meinte Lawrow, als er von einer "aktiven Rolle" der USA sprach.

Welchen Einfluss haben die USA auf ihre radikalen Partner?

Demnach sollen die USA insbesondere bei folgenden Partnern ihre Autorität in die Waagschale werfen: Saudi-Arabien, das offensichtlich keinen Frieden in Syrien will, die durch US-amerikanische Geheimdienste kontrollierbaren militanten Gruppen sowie die Türkei und Kurden, die sich im Syrien-Konflikt sehr unberechenbar verhalten.

Sergej Lawrow

Ob die USA diese Parteien überhaupt im Zaun halten wollen und können, ist immer noch sehr fraglich. Der russische Außenminister konnte jedoch einen ersten Erfolg der russischen Bemühungen zur Beendigung des Syrien-Konflikts nach dem Treffen mit dem US-Präsidenten verbuchen:

Russland und USA haben ein gemeinsames Verständnis dafür, dass solche Zonen [gemeint sind die vier Zonen der Deeskalation] der erste Schritt zur Beendigung der Gewalt im ganzen Land sein müssen. Dies kann helfen, die humanitären Probleme zu lösen und die Grundlage für eine politische Regelung zu schaffen", sagte Lawrow nach dem Treffen.