Ausbruch der Cholera im Jemen - WHO warnt vor Massenseuche

Ausbruch der Cholera im Jemen - WHO warnt vor Massenseuche
Müllberge in den Straßen Sanaa´s; Jemen, 8. Mai 2017.
Nach Warnungen einer Hungerkatastrophe, nun die Cholera. Ärzte ohne Grenzen und die WHO befürchten eine Massenseuche im Jemen, denn es fehlt an einer Infrastruktur, die eine Katastrophe des kriegsgebeutelten Landes Einhalt gebieten könnte. Eine Lösung im Konflikt gibt es bisher nicht.

Den Vereinten Nationen nach, ist das kriegsgebeutelte Jemen das ärmste Land in der arabischen Region. Der Bürgerkrieg und die Bombardierungen einer saudisch geführten Allianz haben das Land buchstäblich "ausbluten" lassen. Im dritten Jahr des Konflikts fehlt es mittlerweile an der notwendigen Infrastruktur. Nur 45 Prozent der Gesundheitszentren im Jemen können genutzt werden. Es fehlt an Personal, Medizin und Ausrüstung. 

Ein Offizieller der Weltgesundheitsorganisation gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: 

Es gab 34 Cholera Todesfälle und 2.022 Fälle akuter Diarrhö in neun Bezirken, während des Zeitraums zwischen dem 27. April und 7. Mai, Sanaa mit eingeschlossen. 

Die siebenjährige Jamila Ali Abdu in einem Krankenhaus in Hudaida - sie starb vor Tagen an den Folgen ihrer Unterernährung.

Cholera, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, in der vornehmlich der Dünndarm betroffen ist. Verursacht wird die Krankheit durch das Bakterium "Vibrio" über verschmutztes Trinkwasser oder infizierte Nahrung. Bei einer Nichtbehandlung führt sie mit einer bis zu 70 Prozentigen Wahrscheinlichkeit zum Tod. Die letzte Choleraepidemie in Deutschland gab es 1892 in Hamburg. In Deutschland und auch Österreich ist die Krankheit meldepflichtig.

Besonders in Entwicklungsländern, wo das Trinkwasser nicht richtig vom Schmutzwasser getrennt wird, kann sich die Vibro-Bakterie bilden. Die Inkubationszeit liegt bei bis zu drei Tagen. Es werden drei Stadien im Krankheitsverlauf unterschieden. Ein Brechdurchfall mit Wasserstuhl führt zu akutem Flüssigkeitsverlust. Im letzten Stadium führt die Krankheit von Benommenheit bis hin zum Koma. Krankheiten, wie Lungenentzündung und Sepsis können auftreten. 

Allein in Sanaa wurden 310 Fälle von Cholera registriert. In der Hauptstadt sind die Straßen, durch den Streik der Müllabfuhr, voll von Müll. Durch Starkregen floss Abwasser in die Straßen, die Abwässerkanäle sind verstopft. Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnten, dass sich die Epidemie in anderen Provinzen ausbreiten könnte. Bereits in Amran, Hajjah, Al Dahle`und Ibb wurden Fälle gemeldet.

MSF-Teams haben seit dem 30. März mehr als 780 Patienten. Seit Oktober 2016 gab es 23.506 Fälle von Cholera. Schätzungen der WHO zu Folge leben 7,6 Millionen Menschen in einem Risikogebiet für Choleraausbrüche. Dem Konflikt sind bisher mehr als 10.200 Menschen zum Opfer gefallen, mehr als drei Millionen Jemeniten sind auf der Flucht.

Über 60 Prozent der Einwohner sind auf humanitäre Leistungen angewiesen. Die Kritik der EU auf die Bombardierungen des Jemen durch Saudi-Arabien waren bisher verhalten. Saudi-Arabien und die USA werfen dem Iran vor hier einen Stellvertreterkrieg zu führen. 

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