Studie: Bewaffnete Konflikte verlagern sich in Städte - Gewaltniveau fast so hoch wie im Vorjahr

Studie: Bewaffnete Konflikte verlagern sich in Städte - Gewaltniveau fast so hoch wie im Vorjahr
Israelische Soldaten aus der "Nahal Infantry Brigade" stehen an einem Tunnel in einem Trainingsgelände für Urbane Kriegsführung , Arad, 8. Februar 2017.
Immer mehr bewaffnete Auseinandersetzungen werden in Städten ausgetragen - mit verheerenden Folgen für die Einwohner. Auch Flüchtlinge suchen häufiger Schutz in urbanen Zentren. Der Nahe und Mittlere Osten ist weiter die gewalttätigste Region der Erde.

Städte sind immer häufiger Schauplatz bewaffneter Konflikte. Dies ergab eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. Auch Flüchtlinge ziehen zunehmend in Städte, wie IISS-Generaldirektor John Chipman berichtete. In knapp der Hälfte der 36 Konflikte, die in der Studie erwähnt werden, spielen Städte eine bedeutende Rolle. 

"Wenn der typische Aufständische früher in Bergen, Wäldern oder im Dschungel kämpfte, ist er oder sie inzwischen genauso häufig in einer städtischen Umgebung anzutreffen", so Chipman.

Im Wahlkampf hatte US-Präsident Donald Trump noch angekündigt, dem radikalen islamischen Terrorismus und dessen Förderern den Garaus zu machen. Nun scheint das Feindbild Iran diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die Leidtragenden seien oft Zivilisten. Gleichzeitig nehme die Brutalität zu, die von immer stärker zersplitterten und miteinander konkurrierenden Terrororganisationen ausgehe. Auch Flüchtlinge suchen immer häufiger Schutz in Städten statt in ausgewiesenen Flüchtlingslagern oder in Grenzgebieten. Zum Beispiel ließen sich rund 90 Prozent der syrischen Flüchtlinge nach Angaben des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen in städtischen und teilweise urbanen Gebieten der Nachbarländer Syriens nieder. 

Die Verlagerung der Konflikte in die Städte stelle Regierungstruppen vor große Herausforderungen. Auch Hilfsorganisationen stünden vor Schwierigkeiten, Flüchtlinge in Städten ausfindig zu machen und zu unterstützen. Viele Zivilisten sind umgeben von gewaltbereiten Gruppen und in Städten eingeschlossen. Ein bekanntes Beispiel ist die irakische Stadt Mossul, in der sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) festsetzte. Der Organisation Siege Watch zufolge waren Ende Oktober 2016 weltweit rund 1,3 Millionen Menschen in 39 umkämpften Gebieten eingeschlossen.

Insgesamt blieb die Zahl der Kriegstoten nach Zählung des ISS fast auf dem gleichen Niveau wie im äußerst gewalttätigen Vorjahr. Im Jahr 2016 starben demnach 157.000 Menschen in bewaffneten Konflikten. Das sind nur 10.000 Menschen weniger als im Jahr davor. Die Hälfte der Kriegstoten ist weiterhin im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika zu beklagen. In diesen Regionen haben die USA und EU-Staaten in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Kriege begonnen, oder aufständische Milizen unterstützt, um ihre politischen Interessen durchzusetzen.

Die Studie des IISS ergab außerdem, dass der Krieg in Syrien mit etwa 50.000 Todesopfern im fünften Jahr in Folge der gewalttätigste Konflikt weltweit ist. Dahinter rangiert der Kampf Mexikos mit den dort tätigen Drogenkartellen, der bereits 23.000 Menschenleben gefordert habe. Es folgen der Irak, Afghanistan und der Jemen.

Auch die Auseinandersetzung zwischen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der türkischen Regierung spiele sich immer öfter in Städten ab, hieß es in dem Bericht. Mit 3.000 Toten kamen in diesem Konflikt im vergangenen Jahr so viele Menschen ums Leben wie seit 1997 nicht mehr. (dpa / rt deutsch)

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