Hadi im Streit mit den VAE: Spaltung in der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen

Hadi im Streit mit den VAE: Spaltung in der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen
Der Streit um die Kontrolle des Flughafens in Aden weist bereits seit einiger Zeit auf Zerwürfnisse in der von Saudi-Arabien geführten Koalition hin, die seit mehr als zwei Jahren im Jemen kämpft. Am Donnerstag gab es Proteste in Aden gegen die Entlassung des Gouverneurs.

Bei einem Treffen zwischen Muhammad bin Zayid Al Nahyan und dem jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi in den VAE hatte es starke Auseinandersetzungen gegeben, wie David Hearst vom Middle East Eye berichtet. Muhammad bin Zayid Al Nahyan ist stellvertretender Kommandant der Streitkräfte der VAE, Kronprinz von Abu Dhabi und führt seit dem Schlaganfall seines Bruders Scheich Khalifa bin Zayed El Nahyan im Jahr 2014 faktisch die Amtsgeschäfte der Emirate.

Es hatte bereits seit einiger Zeit Differenzen um den Flughafen in Aden gegeben, der eine Hauptversorgungsroute sowohl für die Koalition als auch für Hadi darstellt. Das eher kurze Treffen im Februar endete in Wutausbrüchen und in gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Als Antwort auf Muhammads Hinweis, wie sehr sich die VAE für die Befreiung des Jemen einsetze, warf Hadi ihm vor, dass die Emirate sich eher wie Besatzungsmacht aufführten statt wie Unterstützer zur Befreiung, was Muhammad noch stärker aufbrachte.

Die saudische Seite hatte bereits zuvor mehrere Versuche unternommen zwischen den beiden Seiten zu vermitteln, doch am 27. April entließ Hadi per Präsidialdekret den Gouverneur von Aden, Aidarus al-Zoubaidi sowie Hani Ali bin Braik und andere Minister, die den VAE loyal gegenüberstanden. Die Entlassung des Staatsministers Hani Ali bin Braiks war die erste ihrer Art und erfolgte Aufgrund von angeblicher „politischer Rebellion“ gegen Hadis Autorität. Am Donnerstag protestierten tausende Jemeniten im Süden des Landes, wo Hadi bisher Unterstützung in seinem Kampf gegen Huthis rekrutiert hatte. Er befürchtet, dass sezessionistische Bestrebungen des Südens durch die VAE gefördert würden

EU stellt Jemen 116 Millionen Euro humanitäre Hilfe bereit

Streitpunkt Flughafen in Aden

Bereits seit Monaten gibt es Spannungen in der Frage um die Kontrolle des Flughafens in der für die Versorgung und Transport bedeutenden Stadt Aden. Anfang Februar war Hadi selbst keine Landeerlaubnis erteilt worden, woraufhin er den Leiter des Flughafens feuerte und den Flughafen durch Brigadegeneral Muhran Quabati, den Kommandanten der Vierten Brigade, die Leibwächter des Präsidenten, belagern ließ.  

Ein von den Saudis einberufenes Treffen zwischen Hadi, dem saudischen Verteidigungsminister Mohammed bin Salman und Bin Zayed in Riad sollte zur Beilegung des Streits dienen, kam aber noch zwei Wochen vor dem konfliktreichen Treffen zwischen Bin Zayed und Hadi. Hadi drohte mit weiteren Entlassungen; die Saudis beschwichtigten.

Doch in der vergangenen Woche hatte es einen Eklat am Flughafen gegeben zwischen Quabati und den Emiratis, die den Flughafen kontrollierten und ihn daran hinderten den Flughafen zu verlassen. Wieder schalteten sich Saudis ein und brachten Quabati nach Riad.

VAE unterhalten Spezialkräfte im Jemen, die Emirate weiten ihre Kontrolle im Süden aus, indem sie loyale Gruppen finanzieren, eine davon mit einer Stärke von 15.000 Mann. Der Außenminister der VAE, Anwar Gargash, kritisierte Hadis Entlassungen und verkündete über Twitter, dass die Politik verlange, dass man Vertrauen zu seinen Verbündeten aufbaue, ihnen nicht in den Rücken falle, man seine Entscheidungen im Rahmen seiner Kapazitäten fälle und persönliche Interessen hinter das öffentlich stellen müsse. Aus Dubai folgten Stimmen die sich dafür aussprachen, Hadi abzusetzen.

Öffentlich hatte Hadi bisher volle Unterstützung aus Riad, daher ist unklar, was die VAE nun machen werden.

Die Koalition und ihre Ziele

Erklärtes Ziel der im März 2015 begonnenen Militäroffensive im Jemen war es, die Regierung unter Hadi vor Übernahme durch die Huthi-Bewegung zu bewahren. Diese war aus der Defensive gegenüber zunehmender sunnitischer Missionierung und angesichts der chaotischen Lage im Land auf Regierungsstellungen vorgerückt. Hadi begab sich, nach der kurzfristigen Flucht nach Aden, faktisch entmachtet, ins Exil nach Saudi–Arabien. In der Koalition kämpften außer Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, Jordanien, Marokko, Sudan und Senegal, mit „logistischer“ Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Frankreich. Das offizielle Ziel der westlichen Beteiligten, AQAP und andere terroristische Gruppen zu bekämpfen, wird durch den Krieg eher erschwert, da AQAP mit Gewinnen aus dem über zweijährigen Einsatz hervorgehen.