Giftgasvorfall in Syrien: Moskau widerspricht Bericht von Human Rights Watch

Giftgasvorfall in Syrien: Moskau widerspricht Bericht von Human Rights Watch
Einschlagkrater des Geschosses, das am 4. April in Chan Scheichun Giftgas freigesetzt haben soll.
Das russische Verteidigungsministerium widerspricht der Analyse von Human Rights Watch, wonach eine Bombe sowjetischer Bauart bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun verwendet wurde. Bei dem Vorfall starben Anfang April über 80 Menschen.

Der Westen machte unmittelbar die syrische Armee für die Attacke verantwortlich. US-Präsident Donald Trump erteilte daraufhin seinem Militär den Befehl zum Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee, von dem aus der Giftgasangriff erfolgt sein soll.   

In einem am Montag veröffentlichten Bericht spricht Human Rights Watch (HRW) von vermeintlichen neuen Beweisen für einen Einsatz des Nervengases Sarin durch die syrische Armee. Laut der US-Menschenrechtsorganisation wurde bei dem Angriff auf Chan Scheichun eine Bombe sowjetischer Bauart des Typs KhAB-250 verwendet.

Bei dem Zwischenfall am 4. April in Chan Chaichun, Syrien, kamen 86 Menschen um. Weitere wurden verletzt.

Das habe eine Analyse der Bilder des Einschlagkraters ergeben, in dem sich Überreste des angeblich bei der Attacke verwendeten Geschosses befinden sollen. Die Fotos stammen von den umstrittenen syrischen Weißhelmen, einer vom Westen finanzierten radikal-islamischen und mit Al-Kaida verbündeten Hilfsorganisation.

Laienanalyse plus Milchmädchenrechnung

Human Rights Watch verglich die ihr vorliegenden Aufnahmen mit jener eines Modells der KhAB-250-Bombe, das in einem Moskauer Museum ausgestellt und auf Kyrillisch mit "Sarin" beschriftet ist. Dieser Bombentyp sei spezifisch für den Einsatz von Sarin produziert worden.

Das russische Verteidigungsministerium widerspricht der Darstellung von HRW. Munition dieses Typs wurde demnach zu keiner Zeit in Länder außerhalb der Sowjetunion exportiert. Sämtliche Exemplare der KhAB-250 wurden bereits in den 1960er Jahren entsorgt, erklärte am Dienstag der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Der Generalmajor kritisierte dabei auch die methodischen Mängel der HRW-Untersuchung. Ein Foto aus einem Museum sei kaum beweiskräftig. Zudem bemängelte er, dass HRW - wie in dem Bericht auch selbst eingestanden - keine Untersuchung vor Ort durchgeführt hat.

Aus dem HRW-Bericht: Beweisführung mittels Bildervergleich

Konaschenkow wies außerdem darauf hin, dass Bomben wie die KhAB-250 "in der Luft explodieren, in einer Höhe zwischen 30 und 70 Metern, und somit keinen Einschlagkrater hinterlassen".

Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch den Umgang mit Beweismitteln aufseiten der Aufständischen. Diese hätten den Einschlagkrater mittlerweile zubetoniert, nachdem Damaskus Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) dazu aufgefordert hatte, den Ort zu untersuchen. 

Ein Monat ist seit dem Vorfall in Chan Scheichun vergangen, im Zuge dessen mutmaßlich Chemiewaffen zum Einsatz kamen. Doch weder die Vertreter der USA noch jene Großbritanniens oder Frankreichs, die mit Vorwürfen eines chemischen Angriffs um sich warfen, haben irgendeinen konkreten Beweis gegenüber der Öffentlichkeit oder der OPCW vorgelegt", so Konaschenkow, der Russlands Forderung nach einer unabhängigen Vor-Ort-Untersuchung erneuerte.

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