Türkischer Angriff auf Kurden: Warum die USA ihre Verbündeten nicht kontrollieren können

Türkischer Angriff auf Kurden: Warum die USA ihre Verbündeten nicht kontrollieren können
Die Türkei kennt in ihrem Vorgehen gegen syrische und irakische Kurdenmilizen keine Verbündeten. Auf Dauer könnte sie damit aber auch deren Kampfkraft gegen den IS schwächen.
Ankaras Angriffe auf kurdisch gehaltene Gebiete im Irak und in Syrien ist nicht nur ein politischer Schachzug, sondern auch eine Missfallensbotschaft Erdogans an die USA. Martin Jay, ein in Beirut ansässiger, preisgekrönter Journalist, sprach mit RT.

Am Dienstag griff die türkische Luftwaffe zwei von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gehaltene Gebiete in Syrien und im Irak an. Aus den Reihen der Streitkräfte hieß es, die Bombardierungen seien gegen die PKK gerichtet gewesen. Die lokalen kurdischen Milizen - neben den YPG trafen die Angriffe auch Peschmerga - bestritten jede Präsenz der PKK in den betroffenen Regionen. Stattdessen hätten die Angriffe sie getroffen und zu Verlusten unter Kämpfern und Zivilisten geführt.

Recep Tayyip Erdoğan rechtfertigt Luftangriffe in Nordsyrien und Irak

Die Schritte Ankaras kommentierend sprach das US-Außenministerium davon, dass es "sehr besorgt" über diese Angriffe sei. Diese seien ohne ordnungsgemäße Koordination durchgeführt worden, weder mit den Vereinigten Staaten noch mit der breiteren "Globalen Koalition gegen den IS", welche seit Jahren in Syrien und Irak bombardiert .

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu entgegnete jedoch, dass Ankara den USA und der internationalen Koalition "Wochen im Voraus" ihre Pläne mitgeteilt habe, von Kurdenmilizen gehaltene Gebiete anzugreifen.

Angriffe auf Kurdenmilizen können Folgewirkungen auf Anti-IS-Kampf entfalten

RT fragte beim preisgekrönten Journalisten Martin Jay nach, welche Auswirkungen die türkischen Luftangriffe auf die gemeinsamen Anstrengungen zur Bekämpfung des IS haben könnten.

Seiner Ansicht nach sind diese Luftangriffe gegen Kurden eher ein politischer Schachzug der Türken.

Aber wenn es sich fortsetzt und wir ein regelmäßiges Muster erkennen, müssen wir uns daran erinnern, dass es die Kurden sind, die auf dem Boden die meisten der grausamen Kämpfe gegen den IS führen. Wenn man also anfängt, sie anzugreifen, dann beraubt man sie offensichtlich ihrer Kraft, die sie gegen die Extremisten einsetzen könnten. Das wird Auswirkungen auf der ganzen Linie haben", fuhr er fort.

Washington müsse beachten, worum es tatsächlich gehe. "Es ist eine Botschaft von Erdogan an die US-Amerikaner, dass er sich nicht wirklich über die Situation freut", fügte Jay hinzu.

Auf die Frage, warum die USA offenbar nicht in der Lage sind, ihre eigenen Verbündeten zu kontrollieren, antwortete Jay, dies sei nicht so einfach.

Links: US-Soldaten lassen sich von kurdischen Militärs die Schäden nach türkischen Luftangriffen zeigen. 
Rechts: Hunderte Kurden protestieren gegen türkische Luftangriffe.

Die Natur der Beziehungen zwischen den Verbündeten und den USA ist nicht sehr interaktiv, es ist eine ziemlich lockere Allianz von verschiedenen Partnern, die Anweisungen für viele Tage im Voraus bekommen. Es gibt jedoch keine stündliche Zuweisung von Anweisungen aus Washington darüber, wie diese Kräfte etwas angehen sollen und was sie tun müssen", sagte der Journalist und fuhr fort: "Derzeit sind 800 US-amerikanische Soldaten in Syrien, das geht nicht wirklich sehr weit. Außerdem sind Panzer natürlich nicht sehr wirksam gegen Luftangriffe."

Joshua Landis, der Direktor des Zentrums für Nahost-Studien an der Universität von Oklahoma, nannte die türkischen Angriffe einen "Schuss vor den Bug" der US-amerikanischen Koalitionskräfte.

Kurden gehen bei Befreiung Rakkas in Vorleistung

"Die Türken haben damit klar und deutlich gesagt, dass sie nicht wollen, dass die Kurden den Kampf um Rakka anführen", sagte Landis.

Die Kurden haben diese Mission angenommen, nicht weil sie Rakka, eine arabische Stadt, haben wollen, sondern weil sie den Schutz und die Unterstützung der USA für ihre Bemühungen um Autonomie und Quasi-Unabhängigkeit in Nordsyrien wollen", fuhr er fort.

Kurden in Syrien protestieren gegen türkische Luftangriffe.

Laut Landis will die türkische Regierung dies natürlich nicht, und das schaffe eine große Herausforderung für die USA. Werden sie ihre Klienten aber nun beschützen oder nicht?

Landis schlussfolgert:

Die USA, US-Außenminister Tillerson sowie Präsident Trump, werden gezwungen sein, die Türken sofort anzurufen und zu versuchen, alles zu klären. Ich bin mir sicher, dass die Kurden Antworten haben wollen und sie werden diese schnell haben wollen.

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