Trump und Pentagon verbreiten Fake-News über Entsendung einer US-Armada - China zeigt sich verärgert

Trump und Pentagon verbreiten Fake-News über Entsendung einer US-Armada - China zeigt sich verärgert
Die USS Carl Vinson, gefolgt von der Arleigh-Burke-Klasse: Zerstörer USS Michael Murphy und USS Lake Champlain; Indischer Ozean, 14. April 2017.
Nach Raketentests Nordkoreas hatte die US-Regierung bekanntgegeben, ein weiterer Flugzeugträger wäre auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel. Dies aber war eine Falschmeldung. Das Kriegsschiff nahm stattdessen Kurs auf Australien. China ist verärgert, das Pentagon in Erklärungsnot.

Nach dem Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit dem chinesischen Premierminister Xi Jinping sprach Trump vom Beginn einer Freundschaft. Nun ist China jedoch verärgert über eine gravierende Fehlinformation der Amerikaner bezüglich der Verlegung ihrer Kriegsflotte.

Der Flugzeugträger USS Carl Vinson hätte offiziellen Ankündigungen zufolge auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel sein sollen. Stattdessen nahm die Carl Vinson aber Kurs auf Australien, um dort an Manövern teilzunehmen. Erst gegen Ende des Monats werden die Schiffe vor Korea eintreffen. Die chinesische Presse nahm das Thema auf und fühlte sich von dem neuen Freund im Westen betrogen.

Die chinesische Global Times schrieb:

Böse ausgetrickst. Keiner der amerikanischen Flugzeugträger, auf die Südkorea so sehnlichst wartete, ist eingetroffen.

Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump bei einem gemeinsamen Abendessen mit den First Ladies Melania Trump und Peng Liyuan; USA, Florida, Mar-a-Lago 6. April 2017

Trump hatte nach nordkoreanischen Raketentests angekündigt, dass er eine "Armada" an Kriegsschiffen schicken würde. Gemeint waren damit die USS Carl Vinson und weitere Kriegsschiffe, die US-amerikanische und südkoreanische Truppen im Fall eines möglichen Schlages gegen Nordkorea unterstützen sollen.

Am Samstag beging Nordkorea den "Tag der Sonne", der den Geburtstag seines Gründers Kim Il-sung markiert. Experten befürchteten, dass damit erneute Aggressionen in Form von Raketentests einhergehen würden. Und tatsächlich drohte Kim Jong-un im Vorfeld, dass es ein "großes Ereignis" geben würde. 

Am Sonntag, dem 16. April, fast zeitgleich mit der Ankunft des US-amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence in Südkorea, fand ein erneuter Raketentest statt, dieser schlug jedoch fehl. Kurz nach ihrem Start explodierte die Rakete. Sie bestätigte Pence aber in der Linie seiner Regierung, wonach die "Ära der Toleranz" und Geduld beendet ist. Die Regierung Trump ist der Ansicht, dass die vergangenen zwanzig Jahre der Diplomatie mit Nordkorea vertane Zeit gewesen seien, die zu keinen Ergebnissen geführt habe.

In einem Interview mit Fox Business News fragte die Moderatorin Maria Bartiromo den Präsidenten Donald Trump:

Sie haben Schiffe der Marine zur koreanischen Halbinsel umgeleitet. Was werden wir nun in Bezug auf Nordkorea unternehmen?

Trump antwortete:

Man weiß es nicht, wissen Sie es? Man kann es nie wissen.

Die USS Carl Vinson, 9. April 2017.

Im Netz tauchten dann Bilder der USS Carl Vinson, gefolgt von dem USS Zerstörer Michael Murphy und der USS Lake Champlain auf. Die Kriegsschiffe, so lauteten die Bildbeschreibungen, seien nahe Indonesiens gesichtet worden und nehmen Kurs entgegen der Richtung Koreas. Die Bilder hatte ausgerechnet die US-Marine selbst veröffentlicht und machte so unwillentlich auf die Falschmeldung des Weißen Hauses aufmerksam. 

China sah sich gezwungen, eigene Aufklärungsschiffe zu entsenden, um das Eintreffen der Carl Vinson zu beobachten. Diesbezüglich hat Peking auch Moskau um Hilfe gebeten. Wie seine politischen Vorgänger will Trump die Chinesen in die Pflicht nehmen, um Nordkorea wirtschaftlich zusammenbrechen zu lassen und einen Regierungswechsel herbeizuführen. Mit der Ermordung Kim Jong-nams, dem Halbbruder Kim Jong-uns, hat China seinen Joker verloren, der einen für Peking akzeptablen Machtwechsel in Pjöngjang ermöglichen würde.

Regierungssprecher des Weißen Hauses sagten am Dienstag, dass sie sich in Bezug auf die Verlautbarungen über die Entsendung der Kriegsschiffe auf Weisungen des Verteidigungsministeriums verließen. Der Fehler sei auf eine Reihe von Ereignissen zurückzuführen. Es begann mit einer vorschnellen Bekanntgabe der Verlegung der Kriegsschiffe, gefolgt von einer fehlerhaften Erklärung des Verteidigungsministers James Mattis. All dies hätte zu einem unzutreffenden Narrativ geführt, wonach eine Armada an Kriegsschiffen auf dem Weg nach Korea sei.

Allein Trumps Name bereitet unterdessen den Chinesen bereits Kopfzerbrechen. Innerhalb der staatlichen Nachrichtenbehörde Xinhua ist eine Abteilung nur damit beauftragt, ausländische Namen ins Chinesische zu übersetzen. Trumps offizieller chinesischer Name ist "Te Lang Pu". Die Wahl der chinesischen Schriftzeichen zur Schreibweise für "Te Lang Pu" kann unterdessen schmeichelnd, aber auch beleidigend sein. Ist man ihm wohl gesonnen, mag man Schriftzeichen wählen, die ihn als "außergewöhnlich, populär und klug" bezeichnen. Aber bei einem schlechten Image lässt sich "Te Lang Pu" auch als "ungewöhnlich, laut und ordinär" wiedergeben.

Friedenstauben und Raketenattrappen während einer Militärparade in Pjöngjang, Nordkorea, 15. April 2017.

Daoistische Mönche haben bereits gesagt, dass es besser wäre für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen, wenn Trump seinen Namen ändern würde. "Te" sei ein extremes Symbol, welches man in China meidet, da es mit Feuer in Verbindung steht. Daher haben Hong Kong und Taiwan die Übersetzung "Chuan Pu" gewählt. "Chuan" bedeutet Fluss und würde den hitzigen Charakter Trumps wieder in Harmonie bringen. Aber auch "Chuan Pu" hat bereits zu Verunglimpfungen in China geführt. Der Ausdruck kann auch als "kaputtes Bett" verstanden werden und ist als solcher schon im Volksmund gebräuchlich. 

Die Fehlermeldung über die Entsendung der USS Carl Vinson ist ein weiterer Rückschritt in den von der US-Regierung erhofften Beziehungen zwischen China und den USA. Während seines Wahlkampfes wetterte Trump gegen China, welches er für die wirtschaftliche Misere seines Landes in die Verantwortung nahm. Nach Übernahme seiner Präsidentschaft wurden die Töne gegenüber China weicher. In China gilt das Credo: "Frühe Vögel werden erschossen." (qiang da chu tou niao) Dies bezieht sich auch auf ein vorschnelles Vertrauen in den neuen, unbekannten Partner Donald Trump.

Kritiker umschreiben die Regierungsweise Trumps bereits mit dem Ausspruch: "Fake it 'til you make it".

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