Russischer Botschafter in Großbritannien: Beziehung zwischen Moskau und London auf Tiefstand

Russischer Botschafter in Großbritannien: Beziehung zwischen Moskau und London auf Tiefstand
Die britisch-russischen Beziehungen sind auf einem historischen Tiefstand angelangt, so Russlands Botschafter in London. Er kritisiert den Einsatz britischer Truppen in Estland. London hingegen beschuldigt Moskau, sich im Syrienkonflikt auf der "falschen Seite" zu befinden.

Der russische Botschafter Alexander Jakowenko gab der Zeitung Daily Mail ein Interview. Auf eine Frage, die sich auf die Behauptung der britischen Premierministerin Theresa May bezog, dass Russland auf der "falschen Seite im Streit" um Syrien stehe, entgegnete er, dass eher das Gegenteil der Wahrheit entspreche.

Weiter hob er hervor, dass es keine alternative gemäßigte Opposition zur derzeitigen Regierung in Syrien gäbe und berief sich dabei auf eine ähnliche Aussage von Peter Ford, einem ehemaligen britischen Botschafter im Nahen Osten.

Deshalb gäbe es eine "dringende Notwendigkeit einer dauerhaften Waffenruhe und eines politischen Prozesses unter den Syrern selbst, damit sie für sich selbst entscheiden können."

Es scheint, dass unseren westlichen Partnern dieser Ansatz nicht gefällt und sie selbst für die Syrer entscheiden wollen, wer am politischen Prozess teilnehmen wird und wer nicht", sagte Jakowenko der Daily Mail.

Als im Interview der Vorwurf des britischen Verteidigungsministers Michael Fallon angesprochen wurde, der Russland vorwarf, stellvertretend für die angeblichen syrischen Chemieangriffe verantwortlich zu sein, sagte Jakowenko, dass Moskau es bedauere, dass diese "feindselige Rhetorik nicht durch Beweise untermauert" werde.

Nach den Ereignissen mit dem Austritt von chemischen Kampfstoffen im syrischen Idlib und Washingtons Angriff auf einen syrischen Militärflugplatz brach der britische Außenminister Boris Johnson einen geplanten Besuch in Moskau ab. Dieses Vorgehen bezeichnete Jakowenko als "unglücklich."

Das ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass es keine substanziellen bilateralen Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen gibt, die über bloße Diplomatie hinausgehen," sagte er weiter.

Jakowenko fuhr fort und beschuldigte das Vereinigte Königreich, Spannungen in Europa anzuheizen durch seine Entscheidung, 800 Soldaten nach Estland und in die Nähe der russischen Grenze zu schicken.

Wir bedauern, dass diese Stationierung für Spannungen in Europa entlang der Grenze zwischen der NATO und Russland sorgt. Russland stellt weder für Estland, noch für irgendeinen anderen NATO-Mitgliedstaat eine Bedrohung dar," betonte der Diplomat.

Als die Daily Mail ihn plump fragte, ob die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland die schlechtesten seien, die es bisher gab, zögerte Jakowenko nicht mit der Antwort und sagte direkt: "Ja, so ist es".

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