New York Times: USA sollten Kampf gegen IS einstellen und diesen gegen Assad kämpfen lassen

New York Times: USA sollten Kampf gegen IS einstellen und diesen gegen Assad kämpfen lassen
Ein Kämpfer des "Islamischen Staates" köpft einen angeblichen Spion in einem IS-Propagandavideo, 5. April 2016, Hama, Syrien.
Wenn es nach dem NYT-Kolumnisten Thomas Friedman ginge, sollte Trump die Terrormiliz Islamischer Staat nicht bekämpfen, sondern sie gegen Assad kämpfen lassen. In seinem Leitartikel verharmlost er zudem die Gräultaten des IS in Syrien.

Thomas J. Friedman versucht sich in seinem Meinungsartikel mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Trump den IS in Syrien überhaupt bekämpft. Dabei kritisiert er die Tatsache, dass das gesamte Team von Trump, das für die Außenpolitik zuständig ist, sich darüber einig sei, dass der IS in Syrien vernichtet werden sollte. Weiter stellt er dann folgende rhetorische Fragen:

Nun, lassen Sie mich nur eine Frage zu ihrer Verwirrung hinzufügen: Warum? Warum sollte es jetzt unser Ziel sein, den Islamischen Staat in Syrien zu besiegen? Natürlich, IS ist abscheulich und muss ausgerottet werden. Aber ist es wirklich in unserem Interesse, sich darauf zu konzentrieren, den IS in Syrien allein und gerade jetzt zu besiegen?

Syrisches Flüchtlingskind erhält Polioimpfung im Bekaa Tal; Libanon, Zahle, 16. Oktober 2014.

Es ist erstaunlich, dass ein Vertreter der westlichen Presse, die ständig auf die Einhaltung der Menschenrechte pocht und in der Lage ist, auch aus Kleinigkeiten eine Riesen-Story zu machen, sich im Fall des Krieges gegen den IS in Syrien derart zurückhält. Die vielfältigen, unmenschlichen Vergehen des sogenannten "Islamischen Staates" haben auch vor Frauen und Kindern keinen Halt gemacht. Aber das scheint für den Journalisten des New Yorker keine Rolle zu spielen.

Weiter erklärt Friedman seine Sicht der Dinge. Er teilt den IS in zwei Erscheinungsformen auf. Die erste ist der "virtuelle IS", der "satanisch, grausam und gestaltlos" sei und seine Ideologie über das Internet verbreite. Er sei eine reale Gefahr, weil er überall auf der Welt Anhänger habe.

Die zweite Erscheinungsform ist der "territoriale IS". Er kontrolliere nur einige Teile des westlichen Irak und größere Gebiete in Syrien. Sein Ziel sei es, Baschar al-Assad und seine Verbündeten, zu denen Russland, der Iran und die Hisbollah zählen, zu besiegen.

Als nächstes beschreibt er zwei Herausforderungen, vor denen die USA stünden. Die erste ist die Tatsache, dass der virtuelle IS nicht verschwinden wird, wenn der territoriale IS besiegt worden ist. Durch den Verlust von Territorien an seine Erzfeinde, wie zum Beispiel an die Hisbollah oder Assad, wird die virtuelle Erscheinungsform noch bösartiger, so der Kolumnist. Die andere Herausforderung ist die Einrichtung einer Flugverbotszone über der Provinz Idlib, in der sich viele regierungsfeindliche Rebellen verschanzt haben sollen. Doch die Führung der Vereinigten Staaten würde sich diesbezüglich zu vorsichtig verhalten, schreibt Friedman weiter. Er fährt fort:

Was also könnten wir tun? Wir könnten unsere militärische Hilfe an die Anti-Assad-Rebellen drastisch steigern und ihnen ausreichend Munition zur Panzer- und Flugabwehr zukommen lassen, um eine Gefahr für die Hisbollah sowie die russischen, iranischen und syrischen Hubschrauber und Kampfjets darzustellen und sie bluten zu lassen. Vielleicht bringt es sie dazu, mit den Verhandlungen zu beginnen. Mir wäre das recht.

Weiter schlägt er vor, sich völlig aus dem Kampf gegen den IS zurückzuziehen und dieses Problem Assad und seinen Verbündeten zu überlassen.

Lassen wir sie an zwei Fronten kämpfen: gegen die moderaten Rebellen auf der einen und den IS auf der anderen Seite. Wenn wir den territorialen IS in Syrien jetzt besiegen, werden wir bloß den Druck auf Assad, den Iran, Russland und die Hisbollah verringern und es ihnen ermöglichen, alle ihre Ressourcen gegen die moderaten Rebellen in Idlib einzusetzen", erklärt der The New York Times-Kolumnist.

Soldaten der russischen Armee auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien, April 2016.

Als nächstes geht Friedman auf die Kostenfrage ein und zieht Parallelen zur Geschichte der US-Außenpolitik: "Trump sollte den IS im Irak bekämpfen wollen. Aber in Syrien? Nicht umsonst und nicht jetzt. In Syrien sollte Trump den IS das Problem von Assad, dem Iran, der Hisbollah und Russland sein lassen, so wie wir es mit der Förderung der Mujaheddin-Kämpfer in Afghanistan gemacht haben, um Russland bluten zu lassen."

Syrien und der Irak brauchen moderate Sunniten, die in der Lage sind, den IS zu ersetzen, und sie werden nur entstehen, wenn Assad und seine Verbündeten sich dazu gezwungen sehen, Macht zu teilen.

Zum Schluss geht Friedman direkt auf den Charakter des US-Präsidenten ein:

Trump muss seinen globalen Twitter-Auftritt strategisch verwenden. Barack Obama spielte diese Karte nie aus. Trump sollte täglich zuschlagen. Das generiert Einfluss. Syrien ist keine Strickrunde. Jeder dort spielt schmutzig, verschlagen und ohne Gnade. Wo ist der Trump, wenn wir ihn brauchen?

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