Debatte über US-Außenpolitik: New York Times-Kommentator Friedmann ruft nach Invasion in Syrien

Debatte über US-Außenpolitik: New York Times-Kommentator Friedmann ruft nach Invasion in Syrien
Syrisches Flüchtlingskind erhält Polioimpfung im Bekaa Tal; Libanon, Zahle, 16. Oktober 2014.
Syrien könne nur durch eine Teilung Frieden finden, indem US-Truppen, NATO und die Arabische Liga gewaltsam eingreifen. So stellt sich ein NY-Times Journalist eine Lösung für Syrien vor. Professor Stephen Walt sieht hierin die verklärte Ansicht des Mainstreams, der bis heute nichts dazugelernt habe.

Der Kolumnist der New York Times Thomas Friedman sprach sich in seinem Artikel "Präsident Trumps Reale Welt - Syrien Lektionen“ vom 5. April 2017 für eine Teilung Syriens aus. Der in der amerikanische-außenpolitischen Szene bekannte Professor Stephen Walt veröffentlichte daraufhin eine Antwort im Magazin “Foreign Policy“.

Walt ist Professor für internationale Angelegenheiten an der Harvard Universität. Er gilt als wichtiger Vertreter der sogenannten "Realisten" in außenpolitischen Beziehungen. In dieser Herangehensweise an die Außenpolitik spielen Fragen der Stabilität und Konfliktherde eine zentrale Rolle in der Weltpolitik.

Wladimir Putin: Vorfall in Idlib war False-Flag-Operation, weitere werden vorbereitet

Friedman, ein typischer liberaler Interventionist, ist für Stephen Walt ein blinder Verfolger der weit verbreiteten, amerikanischen und auch internationalen Ansicht, dass all jenes, was auch immer in der Weltgeschichte passierte, die Amerikaner etwas anginge und für welches sie "Blut und Schätze" verschwenden sollten.

Wie viele Amerikaner denkt er, dass unser Land immer aus den nobelsten Motiven handelt, auch wenn die Ergebnisse (wiederholter Weise) nicht nobel sind.

Laut Walt spricht Friedman korrekterweise aus, dass die Geschehnisse um den angeblichen Chemiegasangriff Trumps Naivität im Syrien-Konflikt widerspiegelt. Walt sieht die Angriffe auf die syrische Militärbasis kritisch, von der aus angeblich der Chemiewaffen-Angriff gestartet ist.

Denn diese zeigten keineswegs die Flexibilität Trumps, sondern dieser Angriff hätte rein symbolische Bedeutung. Er zieht einen Vergleich zu Bill Clintons Raketenangriffen auf den Sudan und Afghanistan. Diese hätten nur Schall und Rauch mit sich geführt, blieben aber wirkungslos. Ähnliches gelte auch für Syrien, denn diese Angriffe verhelfen der syrischen Bevölkerung keineswegs zu mehr Sicherheit.

“Typischerweise“ merkt Walt an, habe Friedman auch schon einen Sündenbock gefunden: Russland. Auch hier bediene er sich des gleichen "Strategiebuchs“, wie der Rest:

Die am wenigsten schlechte Lösung ist eine Teilung Syriens und die Schaffung einer primär sunnitisch-geschützten Region – geschützt durch die internationalen Streitkräfte, US-Truppen - wenn notwendig -  mit eingeschlossen. Das sollte zumindest die Tötungen aufhalten und den Flüchtlingsstrom, der eine populistisch-nationalistische Gegenreaktionen quer durch die Europäische Union nach sich zieht. Es wird nicht einfach sein.

Die einzige Lösung, die Friedman aufweise, sei eine Invasion von US-Truppen in Syrien. Was Friedman nicht beachtet, ist der Grund dafür, dass die USA daran interessiert sein könnten, in Syrien eine Lösung herbeizuführen:

Aber im Kalten Krieg, hatten wir 400.000 Truppen in Europa, die den Frieden erhielten und Europa auf dem Pfad der Demokratie beließen. Die NATO und die Arabische Liga eine Sicherheitszone in Syrien zum gleichen Ziel aufstellen zu lassen, ist einen Versuch wert.

Stephen Walt zweifelt an, dass die USA Unterstützer in der NATO fänden, um eine Invasion Syriens zu fördern. Dies hätte nach Meinung des Autors lediglich eine Verstärkung der ohnehin schon herrschenden Anarchie in Syrien zur Folge. Friedman beginnt und schließt seinen Artikel damit, den Krieg in Syrien mit dem Problem "Obamacares“ zu vergleichen:

Wie ich erwähnte ist das Problem wie Obamacare. Es ist nie so einfach, wie man es glaubt lösen zu können.

ForumVostok