US-Angriff auf syrische Militärbasis: Was bisher bekannt ist

US-Angriff auf syrische Militärbasis: Was bisher bekannt ist
Das Shayrat-Flugfeld in Homs, Syrien, aus der Sicht eines Digital-Globe-Satelliten.
Nach dem mutmaßlichen Einsatz von Giftgas im syrischen Khan Scheikhoun entschied sich US-Präsident Trump zu einem Vergeltungsschlag. In der Nacht zu Freitag griffen die USA eine Basis der syrischen Armee an. RT fasst die bisherigen Ereignisse zusammen.

Wie verlief der Angriff?

Kurz vor 3 Uhr MEZ begann der Angriff der US-Amerikaner. Laut dem Pentagon wurden mehrere Dutzend Raketen vom Typ Tomahawk mit rund 500 Kilogramm Sprengstoff von den Kriegsschiffen USS Porter und USS Ross auf die Luftwaffenbasis Al-Schairat abgeschossen worden.

Wer sind die Opfer?

Nach syrischen Regierungsangaben kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Bei den Toten handele es sich um drei Armeeangehörige und zwei Zivilisten, sagte der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barasi. Weitere Menschen hätten Verbrennungen erlitten. In Gebieten nahe der angegriffenen Luftwaffenbasis seien neun Zivilisten getötet worden, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur. Darunter seien vier Kinder. Feuerwehr und Rettungshelfer seien im Einsatz, um einen Brand auf dem Flugplatz unter Kontrolle zu bringen und die Opfer zu bergen, teilte Barasi mit.

Warum wurde gerade diese Militärbasis angegriffen?

Trump begründete den Angriff auf die Militärbasis damit, dass von diesem Flugplatz aus vor wenigen Tagen ein Giftgasangriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun ausgegangen sei. Diese Attacke sei ein "barbarischer Akt" gewesen.

Was wurde bei dem Angriff zerstört?

Der Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat wurde nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast vollständig zerstört. Start- und Landebahn, die Treibstofftanks und die Luftabwehr seien "in Stücke gerissen" worden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten vor Ort.

Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. Nach Angaben des russischen Staatsfernsehens ist die Startbahn jedoch weitgehend intakt. Es seien jedoch neun Flugzeuge zerstört worden.

War die Bundeswehr beteiligt?

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums verneinte eine Beteiligung der Bundeswehr: "Die Bundeswehr war an dem Luftschlag nicht beteiligt."

Wie begründete Trump den Angriff?

Er habe den Luftschlag in einem Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen angeordnet, sagte der US-Präsident. Es liege im "vitalen nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten", die Verbreitung von chemischen Waffen zu verhindern. Alle "zivilisierten Nationen" müssten das Blutvergießen und "Schlachten" in Syrien stoppen, forderte er.

Wurde Russland vorher unterrichtet?

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Washington wurden russische Militärs über den bevorstehenden Militärschlag auf den Luftwaffenstützpunkt informiert. Damit habe man ausschließen wollen, dass russische Soldaten Opfer des Raketenangriffs werden.

Wie reagierte Russland auf den Angriff?

Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete den US-Angriff als Aggression gegen eine souveräne Nation. Die Luftangriffe verletzten internationales Recht und seien ein ernsthaftes Hindernis für die Bildung einer internationalen Koalition im Kampf gegen Terrorismus.

Etwa 60 Tomahawk-Raketen soll das US-Militär auf den syrischen Stützpunkt abgeschossen haben. Linke-Politikerin Sevim Dagdelen befürchtet nun einen Weltkrieg.

Moskau hat eine mit den USA geschlossene Vereinbarung über die Vermeidung von Zusammenstößen im syrischen Luftraum bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Russland setze das Memorandum mit den USA über die Vermeidung von Zwischenfällen bei Flügen während Militäreinsätzen in Syrien aus, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag. Bislang hatten beide Länder Daten über Flugbewegungen ausgetauscht, um Kollisionen zu verhindern.

Ist der Angriff völkerrechtswidrig?

Mit dem Luftangriff in Syrien haben die USA nach Expertenansicht gegen das Völkerrecht verstoßen. "Hier haben die USA mehr oder weniger als Ankläger, Richter und Vollstrecker gehandelt, was völkerrechtlich natürlich nicht in Ordnung ist", sagte Stefan Talmon, Professor für Völkerrecht an der Universität Bonn, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Für die Bombardierung habe keine Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat vorgelegen.

"Es handelt sich hier um eine Strafaktion, um eine Vergeltungsmaßnahme", sagte Talmon. Militärmaßnahmen als Antwort auf eine Verletzung der Menschenrechte seien aber im internationalen Recht nicht vorgesehen. Es hätte nur dann rechtmäßig Gewalt angewendet werden dürfen, wenn damit ein bevorstehender Chemiewaffeneinsatz hätte verhindert werden sollen - das wäre dann aber zu beweisen gewesen, sagte Talmon.

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