Der aussichtslose US-amerikanische Kampf gegen den IS: Waffen töten keinen Hass

Der aussichtslose US-amerikanische Kampf gegen den IS: Waffen töten keinen Hass
Ein Anwohner im Adhamiya-Distrikt von Bagdad zeigt auf einen US-Soldaten der zweiten Brigadeeinheit; Irak, 5. Januar 2008.
Auch nach einer Vertreibung des IS aus dem Irak wollen die USA weiter militärisch Präsenz zeigen. Ist der Blick in Richtung Afghanistan die Zukunft des Irak? Die dortigen Stabilisierungsbemühungen sollen ein Vorbild für die US-Einsätze in Syrien sein.

In Afghanistan haben sich die USA in diesem Jahr hohe Ziele gesetzt. Der so genannte Islamische Staat soll dort noch 2017 vollständig besiegt werden. Am 8. März übernahm der IS die Verantwortung für einen Anschlag in Kabul, dem 31 Menschen zum Opfer fielen. Die Hochburgen des IS liegen zwischen der afghanisch-pakistanischen Grenze in der Bergregion der Provinz Khorasan.

Der dortige Zweig des Islamischen Staates benennt sich nach dem Namen der Provinz als ISIS-K. Im vergangenen Jahr hatte ISIS-K 3.000 Kämpfer, durch den Einsatz von afghanischen Streitkräften und der NATO sei die Zahl auf 600 geschrumpft.

Rund 8.400 US-Truppen bekämpfen heute den IS in Afghanistan. Aber die Zahl der Kämpfer in der strategisch günstigen Grenzregion wächst ständig nach. Sie wird gespeist aus dem Hass, der den Schülern der illegalen Religionsschulen in Afghanistan und Pakistan eingetrichtert wird.

Der amerikanische Außenminister Rex Tillerson gab jüngst bekannt, dass die USA auch nach einem Sieg über den Islamischen Staat im Irak mit ihren Truppen weiterhin in dem Land bleiben werden. Der Fokus soll auf der Stabilisierung des Irak liegen. Die USA werden sich aber nicht an einem neuerlichen Versuch des Nation Buildings beteiligen.

Die Militärmacht der Koalition wird dort vor Ort bleiben, wo das schreckliche Kalifat existierte, um die Verhältnisse für eine komplette Genesung von der Tyrannei des IS günstig zu gestalten. [...] Regionale Führer und Regierungen werden den Prozess mittragen, ihre Gemeinschaften mit unserer Unterstützung wiederherzustellen.

In Afghanistan verfolgen die USA zwei Strategien im Kampf gegen den IS:

Die erste unter dem Titel Operation Frieden zielt ohne die Afghanen auf die Beseitigung des IS durch die USA ab, die zweite bezieht die afghanischen Streitkräfte mit ein. Aber es ist ein Kampf gegen Mühlen, denn der Hass in den Köpfen lässt sich nicht mit Waffengewalt bezwingen.

Vertriebene irakische Kinder warten auf ihren Transport in ein Flüchtlingslager; Irak, Mossul, 28. Februar 2017.

Der Krieg beginnt in den Köpfen

Tillerson erhofft sich, dass der Einsatz im Irak zu einem Modell für das benachbarte Syrien werden und dass andere Länder den kostspieligen Weg zur Stabilität finanziell unterstützen. Analysten sehen das Ziel der Amerikaner in Afghanistan hingegen - nicht zum ersten Mal - als zu optimistisch. Michael Kugelman, Südostasienexperte des Woodrow Wilson Zentrums in Washington, lobt die Fortschritte gegen den Islamischen Staat, mahnt aber, dass es die Ideologie ist, die den Kampf erschwert:

Das größere Problem ist die Ideologie des Hasses, die dem IS die Stärke erhält. Auf den ideologischen Antrieb des IS abzuzielen, wird sehr schwierig.

In einigen Gegenden Afghanistans hat der IS Dörfer angegriffen. Die öffentlichen Schulen wurden geschlossen und der IS eröffnete seine eigenen Schulen, um dort die Kämpfer von morgen heranzuziehen. Während der IS auf diese Weise in die "Bildung" der Jugend investiert, zielen die USA nur mit Waffen auf die derzeitigen Kämpfer - ungeachtet des stetigen Nachwuchs.

Pakistan hat zudem lange das Problem mit dem Islamischen Staat in seinem Land ignoriert. Viele der IS-Mitglieder in Afghanistan und in Pakistan gehören dem pakistanischen Stamm der Orakzai an. Afghanistan macht Pakistan für sein neues Problem mit dem Islamischen Staat verantwortlich. 

Niemand weiß, was passiert, wenn der IS aus dem Irak verschwindet. Der Kampf um Mossul ist symbolisch mit Blick auf den Rest des Irak. Die sechs Ethnien und Glaubensgemeinschaften, die in Mossul beheimatet waren, werden dort um die Vorherrschaft kämpfen. Die Kurden werden ihren kurdischen Staat einfordern, die irakische Regierung geht davon aus, dass es Rachemorde geben wird - gegen die sie aber dann nicht intervenieren wird. Die IS-Kämpfer, die überleben, werden sich nach Syrien zurückziehen.

Am Montag wird der irakische Premierminister Abadi auf US-Präsident Donald Trump treffen. Trump hatte den Irak wieder von seiner Liste für einen Einreisestopp genommen, nachdem irakische Regierungsmitglieder bereits mit einem Einreisverbot für Amerikaner gedroht hatten.

Die Baathisten im Irak und in Syrien unterwarfen die christlichen Gemeinden den gleichen Restriktionen wie alle anderen religiösen Gruppen. Wo sie an Einfluss verloren, hatten islamische Extremisten freie Bahn, Christen zu töten und zu vertreiben.

© Sputnik/Waleri Melnikow

Während eines Treffens in Washington am 22. und 23. März wurde auch über den Kampf gegen den IS diskutiert. Dabei bekräftigten die Amerikaner ihren ungebrochenen Rückhalt für den Irak und applaudierten den irakischen Streitkräften für deren Erfolge. In Syrien halten die USA daran fest, einen pluralistischen und nicht konfessionsgebundenen Staat zu errichten, der alle Syrer repräsentiert, ohne den amtierenden Präsidenten Baschar al-Assad als Lösung zu diesem Weg zu sehen. 

Donald Trump hat dem Pentagon eine höhere Flexibilität gewährt und mehr Marinesoldaten nach Syrien verlegen lassen, die dort gegen den Islamischen Staat anzukämpfen. Gleichzeitig wird die Verlegung hunderter Truppen nach Kuwait veranlasst, um auch von dort aus im Notfall den IS bekämpfen zu können.

Aber was wird aus all dem militärischen Aufgebot, wenn es keinen Feind mehr gibt? Der neue auserkorene Gegner ist der Iran. Den Iranern wird von der US-Regierung, Israel und der neuen arabischen Allianz vorgeworfen, den Terrorismus zu finanzieren und im Jemen einen Stellvertreterkrieg zu führen. Auch das Südchinesische Meer droht zum Schauplatz neuer Auseinandersetzungen zu werden, in denen die Amerikaner Stellung zu Gunsten der Japaner und gegen China beziehen. 

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