NATO-Bataillone auf der Suche nach russischen Aggressionen ins Baltikum entsandt

NATO-Bataillone auf der Suche nach russischen Aggressionen ins Baltikum entsandt
Britische Soldaten, die Teil eines Abschreckungskommandos der NATO gegen Russland sind, erreichen den Luftwaffenstützpunkt Amari in Estland, 17. März 2017.
Die NATO sucht weiterhin nach der russischen Gefahr. Sie verlegt US-geführte Truppen nach Polen und Bataillone unter britischer Führung nach Estland. Die unsichtbare Bedrohung darf schließlich nicht aus den Augen gelassen werden.

Das NATO-Bündnis bringt die sonst wenig beachteten baltischen Staaten in die internationale Presse und verlegt immer mehr Truppen an die Grenzen zu Russland. Im vergangenen Jahr entschloss sich die NATO dazu, vier multinationale Truppen in Lettland, Estland und Litauen zu positionieren.

Über 1.100 Mann stark ist zudem das Bataillon, welches Anfang April nach Polen verlegt werden soll, um sich an die vermeintliche russische Aggression heranzupirschen. Die NATO-Truppen sollen in der polnischen Kleinstadt Orzysz stationiert werden. Der Name Orzysz stammt aus dem Altpreußischen und lässt sich mit Luft oder Witterung übersetzen.

U.S. Senator Rand Paul bei einer Pressekonferenz in Washington D.C., März 2017

Insgesamt 900 US-Truppen, 150 britische Soldaten und 120 Rumänen sollen dann die Witterung der "aggressiven Russen" aufnehmen. Der US-Oberst Leutnant Steven Gventer bestätigte die Dringlichkeit der Mission:

Dies ist eine Mission, kein Zyklus von Trainingseinheiten. Der Zweck ist, Aggressionen im Baltikum und in Polen aufzuspüren. Wir sind bereit, tödlich zu werden. 

Der estnische Verteidigungsminister Margus Tsahkna meint, es handle sich bei dem Aufmarsch um

eine angemessene Verteidigungs- und kampfbereite Truppe, um unsere Nato-Verbündeten zu verteidigen und jede Form von feindlicher Aktivität gegen die Allianz aufzuspüren.

Die drei anderen multinationalen NATO-Truppen werden von Deutschland, Kanada und Großbritannien dirigiert. Auch die Verlegung britisch geführter Truppen auf NATO-Mission in Estland hat bereits begonnen. Das fünfte Bataillon The Rifles landete am vergangenen Freitag mit 120 Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Amari nahe der estnischen Hauptstadt Tallinn. Der estnische Verteidigungsminister hieß die Truppen willkommen.

Drastische Einsparungen im Militäretat der Russischen Föderation. 

© Sputnik/Witali Ankow

Weitere Soldaten sollen dem fünften Bataillon folgen, bis am Ende 800 Soldaten Estland vor einer Gefahr "schützen", die nach Meinung von Kritikern allein in der Fantasie derer besteht, die sie beschwören. Zu der Ausrüstung der Truppen gehören britische so genannte Challenger Tanker, 300 Fahrzeuge und Teile des Bestandes an AS90-Panzerhaubitzen. 

Sir Michael Fallon, der britische Verteidigungsminister, erklärt:

Angesichts eines durchsetzungsfähigeren Russlands erhöht die NATO ihre Anstrengungen zur gemeinsamen Verteidigung. Britische Truppen werden eine führende Rolle in Estland spielen und unsere US-Verbündeten in Polen, jeweils als Teil eines erweiterten Versuchs, die NATO zu verteidigen. Unser erhöhtes Verteidigungsbudget ermöglicht es uns, diesen Aufmarsch langfristig zu finanzieren und unser Bekenntnis zur europäischen Sicherheit zu vertiefen.

Der "Aggressor" Russland hat unterdessen angekündigt, seinen Militäretat um 25 Prozent zu kürzen und bis 2019 weitere Mittel einzusparen. Nach einem ersten Treffen zwischen Donald Trump und Angela Merkel schrieb Trump zudem auf Twitter, dass die Bundesrepublik der NATO viel Geld schulde. Noch unter Bundeskanzler Gerhard Schröder verpflichtete sich Deutschland zu Ausgaben für die Sicherheit in Höhe von zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wies darauf hin, dass die NATO kein Schuldenkonto führe. Von der Leyen will das Zwei-Prozent-Ziel zur Modernisierung der Bundeswehr nutzen.

Für Russland ist das Aufgebot der NATO-Truppen an seinen Grenzen eine Provokation. Schweden und Finnland, die einst als neutral galten, haben sich der NATO angenähert und ein Gastlandabkommen unterzeichnet. Die vermeintliche russische Bedrohung wird immer wieder zum Thema in der angeblich unabhängigen Presse beider Länder, ganz im Sinne der Doktrin des selbsternannten Verteidigungsbündnisses. Der Gastlandstatus erscheint den wenigen kritischen Stimmen, die öffentlich zu Wort kommen, als ein Deckmantel. In Wirklichkeit hätten Schweden und Finnland längst den Status von NATO-Partnern erreicht.

Am 15. März verhinderte der US-Senator Rand Paul den Beitritt Montenegros zur NATO. Für ihn sollten sich die USA mit weiteren Militärkosten zurückhalten, denn die amerikanischen Staatsschulden liegen bei 20 Billionen US-Dollar. Im Senat wurde Paul von seinem Kollegen John McCain deshalb als Helfer Putins beschimpft.

Der russische Präsident Wladimir Putin machte die NATO für die Gefährdung des globalen Friedens verantwortlich. Der Bund beschwöre mit seinen Aktionen einen Konflikt mit Moskau herauf. Das neue amerikanische Raketenabwehrsystem in Osteuropa ist einer Verbesserung der Lage zwischen NATO-Mitgliedsstatten und Russland nicht zuträglich.