Jetzt hat auch Renault seine Abgasaffäre: Betrugsermittler sprechen von Manipulationen seit 1990

Jetzt hat auch Renault seine Abgasaffäre: Betrugsermittler sprechen von Manipulationen seit 1990
Hat er oder hat er nicht? Carlos Ghosn, Chef der Renault-Nissan Gruppe, soll verantwortlich sein für Software-Manipulationen im Vorfeld von Abgastests.
Die französische Anti-Betrugs-Behörde unterstellt Renault "betrügerische Strategien" bei Abgastests. Einige Praktiken sollen seit 27 Jahren angewendet worden sein. Die Behörde macht den Chef des Konzerns, Carlos Ghosn, für die Manipulationen verantwortlich.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, droht Renault eine Strafe von bis zu 3,5 Milliarden Euro. Die französische Antibetrugsbehörde DGCCRF wirft dem Hersteller vor, mithilfe einer illegalen Software die Ergebnisse von Abgastests manipuliert zu haben. Die von Renault eingebaute Software soll die Arbeitsweise des Motors bei offiziellen Abgastests verändert haben. Die Folge soll ein verringerter Ausstoß von Stickoxiden (NOx) gewesen sein.

Diese niedrigere Schadstoffbelastung beschränkte sich jedoch auf den Teststand. Im Straßenverkehr selbst stiegen die Emissionen wieder deutlich an. Nachdem 2015 die VW-Abgasaffäre in Deutschland ins Rollen gekommen war, begann die DGCCRF auf Betreiben der Regierung in Paris, auch die französischen Hersteller unter die Lupe zu nehmen. Die Tageszeitung Libération hat am Mittwoch Auszüge aus dem 39-seitigen Bericht der Behörde veröffentlicht.

Ob die Staatsanwälte heute bei der Razzia in Audi-Limousinen vorgefahren sind, ist nicht bekannt.

Laut dem französischen Wirtschaftsministerium könnte das Unternehmen bis zu 900.000 Fahrzeuge im Gesamtwert von 16,8 Milliarden Euro mit der Betrugssoftware ausgestattet haben. Renault soll mit den Manipulationen schon 1990 begonnen haben. Im Gegensatz zu der Diesel-Affäre bei VW sollen bei Renault auch Benziner betroffen sein.

Bei den von Libération genannten Modellen handelt es sich um den Mini-SUV Captur und um den Clio. Die Stickstoffwerte dieser Modelle übertreffen die zulässigen Werte um 377 und 305 Prozent.

Diese Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickoxid-Emissionen unter den spezifischen Bedingungen von Zulassungstests zu reduzieren und so die ordnungsgemäßen Grenzwerte einzuhalten", zitiert Libération aus dem Bericht.

Laut Justizkreisen hat die Anti-Betrugs-Behörde Renault-Chef Carlos Ghosn die Verantwortung für die mutmaßlichen Manipulationen bei Dieselemissionen zugewiesen. Das gehe aus dem Dossier der DGCCRF hervor, das im November der Staatsanwaltschaft vorgelegt worden sei, sagte eine Quelle aus der Justiz am Mittwoch. Ghosn sei direkt verantwortlich, weil er die Genehmigung von Strategien zur Motorenkontrolle zu keiner Zeit delegiert habe.

Renault lehnt die Vorwürfe entschieden ab. Der Vorstandsvorsitzende Carlos Ghosn wird mit den Worten "Es gibt keinen Schmu" zitiert. Keine der Abteilungen bei Renault habe gegen nationale oder internationale Regeln verstoßen.