TV-Debatte in den Niederlanden: Kein eindeutiger Sieger zwischen Rutte und Wilders

TV-Debatte in den Niederlanden: Kein eindeutiger Sieger zwischen Rutte und Wilders
Der Schlagabtausch zwischen den beiden Favoriten für die Parlamentswahlen in den Niederlanden brachte keine Überraschungen. Ministerpräsident Mark Rutte präsentierte sich als Staatsmann. Sein Herausforderer Geert Wilders als angriffslustiger Herausforderer.
Die aktuellsten Umfragen bestätigen, was die TV-Debatte zwischen dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte und seinem größten Herausforderer Geert Wilders zeigte: Bei den Parlamentswahlen morgen könnte es zu einem äußerst engen Ergebnis kommen.

Die Niederländer wissen, wie man erfolgreich Fernsehen macht. Die zweitgrößte Fernsehproduktionsfirma der Welt, Endemol, hat ihren Sitz in Duivendrecht bei Amsterdam. Die Welt verdankt Endemol unter anderem Meilensteine der anspruchsvollen Fernsehunterhaltung wie „Big Brother“, „Nur die Liebe zählt“ oder auch „Wer wird Millionär?“ Gestern Abend ging es im niederländischen Fernsehen allerdings um etwas Anderes. Auf dem Programm stand: „Wer wird Ministerpräsident?“

Doch die Inszenierung der TV-Debatte zwischen Rutten und Wilders hätten die Medienprofis von Endemol nicht besser hinbekommen können. Zu Beginn war man sich nicht sicher, ob es hier um die politische Zukunft der Niederlande geht, oder ob gerade die Titelverteidigung eines Schwergewichtsboxers in Las Vegas angekündigt wird. Die beiden politischen Kontrahenten Rutte und Wilders wurden angekündigt wie Gladiatoren, die, kaum in der Arena, blutrünstig übereinander herfallen würden. Zum Glück machten die beiden Politiker der Inszenierung einen Strich durch die Rechnung: sie diskutierten über Politik.

Die Auftrittsverbote für türkische Politiker und das gewaltsame Vorgehen der niederländischen Polizei in Rotterdam könnten dauerhaften Schaden in den bilateralen Beziehungen nach sich ziehen.

Die Rollenverteilung zwischen den beiden Konkurrenten wurde schnell klar: Rutten präsentierte sich als der verantwortungsvolle Staatsmann mit Führungsqualitäten, während Wilders den angriffslustigen Herausforderer gab. Ministerpräsident Rutte warf dem Chef der islamkritischen Partei für die Freiheit (PVV) während der Debatte vor, mit „radikalisierten“ und „extremen“ Parolen auf Stimmenfang zu gehen.

Es ist etwas anderes, ob man auf dem Sofa sitzt und twittert oder ob man ein Land regiert,

sagte Rutte und spielte damit auf den intensiven Twitter-Gebrauch von Wilders an. Dass er damit auch eine Parallele zwischen Wilders und US-Präsident Donald Trump zog, war sicher beabsichtigt. Und Rutte legte nach:

Wenn man Verantwortung für ein Land hat, muss man überlegte Maßnahmen ergreifen.

Rutte wiederholte sein Wahlversprechen, dass er „niemals“ mit Wilders' Partei koalieren werde. Sein Herausforderer Wilders versuchte hingegen, die aktuelle Krise im Verhältnis mit der Türkei für sich auszuschlachten. Das war erwartet worden:

Sie lassen sich von Erdogan als Geisel nehmen,

Reklametafel mit den Kandidaten für die Wahlen am 15. März

warf er Rutte vor. Der Vorsitzende der PVV forderte eine Ausweisung des türkischen Botschafters wegen des Streits um die verhinderten Redeauftritte türkischer Minister und wiederholte seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime.

Zudem stilisierte sich Wilders in dem 30-minütigen Schlagabtausch als Kämpfer gegen das politische Establishment. Er trete an gegen „Lügner“ in der Politik, sagte der langjährige Abgeordnete. Den Wählern er mit Blick auf Rutte zu:

Wenn ihr die Niederlande für euch zurückgewinnen wollt, dann verjagt diesen Mann und wählt mich ins Amt des Ministerpräsidenten.

Auf Twitter ging Wilders nach der Debatte gleich wieder in den Angriffsmodus über. Er kritisierte Rutte indirekt, in dem er vor der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte. Es sei klar, dass Merkel „lieber Rutte und somit offene Grenzen, mehr EU und Massenimmigration wolle.“

Rutte hingegen pflegte auch nach der Debatte sein Image als kämpferischer Ministerpräsident. Er sei voller Energie um sein Amt fortführen zu können. Damit die Niederlande sicher und stabil in einer unsicheren Welt blieben.

Bei der Wahl am morgigen Mittwoch in den Niederlanden wird ein knappes Ergebnis erwartet. Die neuste Umfrage von LISS sieht zurzeit einen Vorsprung von 2,4 Prozent der Regierungspartei VVD von Rutte gegenüber Wilders PVV. Eine Regierungsbildung unter Mitwirkung Wilders gilt als sehr unwahrscheinlich, da ihm im stark zersplitterten niederländischen Parlament die benötigten Koalitionspartner fehlen.