Neuer Drohnen-König: Trump überflügelt Barack Obama bei Luftangriffen

Neuer Drohnen-König: Trump überflügelt Barack Obama bei Luftangriffen
Drohnen-Graffitti in Sanaa, Jemen.
Noch während des Wahlkampfs präsentierte sich der neue US-Präsident Donald Trump als Gegner neuer militärischer US-Abenteuer. Selbst die NATO bezeichnete er als obsolet, auch wenn diese Bemerkung oft falsch interpretiert wurde. Zumindest beim militärischen Drohnen-Einsatz stößt er jedoch selbst den bisherigen Weltrekordhalter Barack Obama vom Thron.

Jüngst wurden durch die neue US-Administration 400 US-Spezialeinheiten nach Syrien entsandt, nebst einem erhöhten Budget für die Unterstützung vermeintlich moderater syrischer Rebellen. Aktuell werden darüber hinaus 2.500 Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division nach Kuwait verlegt, um in Syrien und dem Irak den Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat aufzunehmen.

Der US-Einsatz im Januar auf jemenitischem Boden löste heftige Proteste aus.

An einem Punkt wird die ambivalente Militär-Doktrin der Trump-Administration jedoch besonders deutlich. Geht es um die Autorisierung von Drohnen-Angriffen in Gebieten wie Pakistan, Jemen und Somalia, weist Trump selbst den bisherigen Spitzenreiter, Barack Obama, auf die Plätze.

Während Obamas achtjähriger Amtszeit autorisierte dieser 542 Drohnen-Schläge in 2.920 Tagen. Dies entspricht einem Angriff alle 5,4 Tage. Seit seiner Amtseinführung autorisierte Trump innerhalb von 45 Tagen 36 Drohnen-Angriffe. Dies kommt einem Angriff alle 1,25 Tage gleich. Konkret handelt es sich um drei Luftschläge im Jemen am 20. und 21. Januar. Des Weiteren einen Angriff der US-Navy-SEALs im Jemen am 28. Januar und einen Angriff in Pakistan am 1. März. Hinzu kommen mehr als 30 Drohnen-Schläge im Jemen am 2. und 3. März, sowie mindestens ein weiterer am 6. März.

Beim Einsatz der Navy-SEALs starben mindestens 30 Menschen, darunter auch neun Kinder unter 13 Jahren. Auch ein US-Elite-Soldat kam ums Leben. Dessen Vater, Bill Owens, kommentierte die Kommando-Aktion wie folgt:

Warum musste es genau zu dieser Zeit, als die neue Trump-Regierung kaum eine Woche im Amt war, diese dumme Mission geben?

Foreign Policy verweist darauf, dass durch die Trump-Regierung innerhalb einer Woche mehr Luftschläge im Jemen autorisiert wurden, als in einem beliebigen Jahr unter der Regierung Obama. Dem offiziellen Kampf gegen islamistische Terroristen wurde dadurch jedoch jeweils ein Bärendienst erwiesen. Nach Angaben der International Crisis Group ist der jemenitische Al-Kaida-Ableger nun „stärker als je zuvor“.

Ausgerechnet die Huthi-Rebellen die durch die von Saudi-Arabien geleitete Militär-Koalition bekämpft werden, zählen vor Ort zu den ärgsten Widersachern der islamistischen Terroristen. Nach Angaben des Pentagon-Sprechers Jeff Davis, liegt die Planung für die jüngsten Angriffe der USA bereits Monate zurück:

Dies geht auf einen Plan und Überlegungen zurück, die viele Monate und bis ins vergangene Jahr zurückreichen. Zu diesem Zeitpunkt begannen unsere Kommandeure vor Ort mit der Entwicklung dieses Vorhabens.

Das saudische Königshaus kann auch auf neue Präzisions-Munition aus US-amerikanischer Produktion hoffen. Demnach hat das US-Außenministerium dem Verkauf der Munition nach Riad zugestimmt. Der Waffen-Handel bedarf jedoch noch der endgültigen Genehmigung. Nach zunehmender Kritik aufgrund der steigenden Opferzahl unter der zivilen Bevölkerung durch die Bombardierung seitens der Militär-Koalition, hatte die Obama-Regierung das Geschäft auf Eis gelegt.

Während des US-Wahlkampfs hatte Trump die US-Interventionen etwa im Irak und Libyen heftig kritisiert und argumentiert, dass derlei militärische Abenteuer den sogenannten Islamischen Staat mehr gestärkt als geschwächt hätten. Den IS, so erklärte Trump, könne man auch in Syrien nur gemeinsam mit Russland in die Schranken weisen.

Der Jemen sieht sich aktuell mit einer humanitären Katastrophe konfrontiert. Nach UN-Angaben starben im Rahmen des Jemen-Konflikts bisher über 10.000 Menschen. Weitere sieben Millionen leiden an Hunger.