Cyber-Experten zu RT über WikiLeaks zu CIA Vault 7: "Wir sehen George Orwells 1984"

Cyber-Experten zu RT über WikiLeaks zu CIA Vault 7: "Wir sehen George Orwells 1984"
Die Lobby des CIA-Hauptquartiers in Langley
Die WikiLeaks-Enthüllungen über die CIA und deren Aktivitäten sind nicht nur eine Sicherheitsfrage. Sie beeinträchtigen potenziell die Wirtschaft und wecken Angst um die Privatsphäre. Gegenüber RT sprechen Experten von einer sehr gefährlichen Entwicklung.

Die Whistleblower-Webseite WikiLeaks veröffentlichte am Dienstag einen Teil eines Bestandes vertraulicher Dokumente zum US-Geheimdienst CIA. Es handelt sich nach Angaben der Plattform um interne Unterlagen. Quellen aus dem Dienst selbst sollen ihr diese zugespielt haben. 

WikiLeaks äußerte, die bisherige Auswahl an CIA-Dokumenten, die man veröffentlicht habe und die sich mit den Hacking-Fähigkeiten des Dienstes befassen, mache "weniger als ein Prozent der Vault-7-Serie aus".

Die in Rede stehenden Dokumente enthalten auch Darstellungen, denen zufolge die CIA anscheinend fähig ist, eigene Spionageattacken als solche anderer Länder erscheinen zu lassen.

RT sprach über die jüngsten Enthüllungen mit ehemaligen CIA-Agenten, Whistleblowern und IT-Experten.

Moderner Aspekt von Cyber-Krieg                      

Dr. Binoy Kampmark, Senior Lecturer von der RMIT University in Melbourne, sagte gegenüber RT, die Veröffentlichung sei möglicherweise sehr wichtig, denn sie zeige, sollte sie sich als authentisch erweisen, ein anschauliches Schema der Hacking-Techniken der CIA.

Das ist besonders wertvoll und besonders erhellend. Es könnte sein, dass diese spezielle Enthüllung einen sehr modernen Aspekt des Cyberkrieges zeigen wird", fuhr er fort.

Die Leaks illustrieren, was auch der Präsident der USA mehr oder weniger gesagt hat; nämlich dass die USA sich auf den nächsten Cyberkonflikt vorbereiten müssen, dass dies grundsätzlich die Zeit der Cyberkriege sei.

"All dies demonstriert die schiere Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit des Verstehens solcher Möglichkeiten, aber auch, natürlich, das Wettrennen zwischen verschiedenen Diensten, die besten oder effektivsten Mittel zum Hacken von Systemen zu entdecken", erklärte Kampmark weiter.

"Schlaglicht auf dunkles Gebiet"

Larry Johnson, ein pensionierter Mitarbeiter der CIA und des State Department, hielt das Material insofern für signifikant, als es zeigt, wie robust und organisiert der Versuch der CIA ist, zumindest in Übersee, sich in Cyber-Aktivitäten zu engagieren.

Ehrlich gesagt, ich denke, das sollten sie tun, aber wir bemerken auch, dass andere wichtige Kräfte dasselbe tun. Es wirft sozusagen Licht auf ein dunkles Gebiet, welches normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist", fügte er hinzu.

"Nicht nur eine Sicherheitsfrage, es trifft auch das Geschäft"

Als er gefragt wurde ob es wirklich russische Hacker seien, über die die Leute sich sorgen müssten, antwortete John Safa, der Gründer von Pushfor, gegenüber RT, dass es seiner Erfahrung nach Hacker überall auf der Welt gebe.

Safas Ansicht nach handelt es sich um eine recht schädliche Information, die diese Dokumente offenbaren. Besonders, weil vieles davon von echtem Source-Code bestätigt werde, der sich darin befindet. Im Cyberspace herrsche reges Treiben, auch auf geheimdienstlicher Ebene.

Ich glaube überhaupt nicht, dass es nur die Russen sind, es gibt sehr clevere Sicherheits-Experten etwa in Großbritannien, unter anderem hier in London. und auch in den USA.

Safa erzählte, dass seine größte Sorge die Mitteilungsdienste seien.

Dieser Teil der Dokumente hat demonstriert dass eine Menge unserer gewöhnlichen Werkzeuge, wie WhatsApp und Telegram, gehackt wurden. Und offensichtlich beginnt sich dies auch in Europa zu zeigen. Die Deutsche Bank hat WhatsApp verboten. Offensichtlich müssen sie gewusst haben, dass irgendetwas im Busch ist.

Safa geht davon aus, dass die Enthüllungen auch im Geschäftsleben ihre Spuren hinterlassen werden. 

Es wird Auswirkungen in eine Menge verschiedener Richtungen und einer Menge verschiedener Industrien haben. Denn offensichtlich beeinträchtigt das ihr Geschäft. Es ist nicht nur eine Sicherheitsfrage, sondern trifft auch das Geschäft. Welche Information könnte durchgestochen werden, was passiert, wenn sie in die falschen Hände gerät? Also hat dies wirklich ernsthafte Konsequenzen.

Die Zentrale der CIA in Langley, Virginia, aus der Vogelperspektive.

"Wir sehen 1984"

Annie Machon, eine ehemalige MI5-Geheimagentin, erinnert sich, dass es im Vorjahr die größte Botnet-Attacke aller Zeiten gegeben habe. Diese ließ das Internet erst im Westen Amerikas, dann im Osten und schließlich in manchen Teilen Westeuropas crashen.

Und dieses Botnet bestand aus Smart-Geräten in den Häusern einfacher Leute. Nicht ihre Computer, nicht ihre Telefone, aber Dinge wie Smart-Kühlschränke, Smart-Computer, diese Sachen und Smart-TVs ebenso. Es ist absolut möglich, dass all diese Geräte bereits gehackt wurden und dazu benutzt werden, uns auszuspionieren.

Machon zufolge handelt es sich dabei nicht einmal um eine neue oder revolutionäre Entwicklung. Der Siegeszug der IT und des Internets sei von Beginn an auch von der Forschung nach Möglichkeiten begleitet worden, diese nachrichtendienstlich zu nutzen.

Wir sehen George Orwells 1984, in welchem es Bildschirme in den Häusern gibt, die die Leute beobachten. Ich erinnere mich, wie damals in den 1990ern die Möglichkeit bestand, Software auf primitive Mobiltelefone zu laden, auf primitive Computer, sodass diese angeschaltet werden konnten, um uns aufzunehmen, uns zu filmen und unsere Schriftzeichen aufzuzeichnen.

Zu jener spielte jedoch der Ansatz der Aufsicht noch eine bedeutende Rolle, sowie der Ansatz der gezielten Überwachung, welcher es bedarf, um zu verhindern, "dass die bösen Jungs uns etwas Böses tun". Und es sei arbeitsintensiv gewesen.

Wegen der massiven Ausbreitung des Internets und der Technologie sei die Umsetzung komplexer Überwachungsmechanismen jedoch auf industrieller Größe möglich. Dies bedeute aber, dass "niemand von uns eine inhärente Privatsphäre hat, es sei denn, wir ergreifen extreme Maßnahmen, um unsere Privatsphäre sogar in unseren Heimen zu verteidigen".

Machon warnte, dass die neue technologische Realität sehr gefährlich sei für eine vollkommen funktionierende Demokratie.

Denn sobald man einmal das Gefühl verliert, dass man keine Privatsphäre mehr hat in dem, was man sagt, schreibt, sieht, liest, dann könnte man plötzlich beginnen, sich selbst zu zensieren in dem Sinne, dass man aufhört, etwas zu tun. Also kann man sich nicht vollständig informieren, nicht ein vollständig informierter partizipierender Bürger einer Demokratie sein. Es ist ein sehr gefährlicher Weg.