Mord an Botschafter Karlow in Ankara: Neuer Verdacht fällt auf russische Staatsbürgerin

Der russischen Botschafter Andrej Karlow im Dezember vergangenen Jahres bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara kurz vor seiner Erschießung. Im Hintergrund der spätere Attentäter und Mörder des Botschafters, Mevlüt Mert Altıntaş.
Der russischen Botschafter Andrej Karlow im Dezember vergangenen Jahres bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara kurz vor seiner Erschießung. Im Hintergrund der spätere Attentäter und Mörder des Botschafters, Mevlüt Mert Altıntaş.
Im Zusammenhang mit dem Mord am russischen Botschafter Andrej Karlow im Dezember vergangenen Jahres bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara wurde jetzt eine russische Staatsbürgerin in Gewahrsam genommen. Sie soll in Kontakt zum Attentäter gestanden haben.

Noch am Tatort war der mutmaßliche Mörder des Botschafters, Mevlüt Mert Altıntaş, ein 22-jähriger ehemaliger türkischer Polizist, erschossen worden. Er hatte den russischen Botschafter während der Einweihung einer russischen Fotoausstellung in Ankara mit mehreren Schüssen getötet. Dabei hatte er unter anderem "Allah ist groß", "Rache" und "Vergesst nicht Aleppo" gerufen. Wenige Tage vor dem Attentat hatten mehrere tausend radikale Islamisten vor dem russischen Generalkonsulat in Istanbul demonstriert.

Der Innenminister der Türkei, Süleyman Soylu, hatte kurz darauf betont, dass der Angriff auf den russischen Botschafter keine Tat eines Einzelgängers gewesen war. Altıntaş und seinen in diesem Zusammenhang festgenommenen Familienmitgliedern wurden Verbindungen zur Gülen-Bewegung nachgesagt. Altintaş selbst war zuvor nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei am 15. Juli freigelassen worden. 

Vor allem für Russland war das Ereignis eine Tragödie. Der letzte Mord an einem Botschafter des Landes wurde 1923 verübt. Auch in deutschen Medien wurden Parallelen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs gezogen.

Das Attentat geschah inmitten eines Prozesses der Normalisierung im Verhältnis zwischen der Türkei und Russland. Infolge des Abschusses eines russischen Kampfflugzeugs im syrischen Grenzgebiet 2015 und kritische Aussagen Erdoğans in Bezug auf Syriens Präsidenten Bashar al-Assad hatte es zuvor bilaterale Irritationen gegeben. 

Diese gefährdeten auch Großprojekte wie die Gaspipeline Turkish Stream, die russisches Gas über die Türkei nach Europa transportieren soll, und den Bau eines türkischen Atomkraftwerks mit russischer Beteiligung.

Das im Dezember seitens Russlands initiierte neue Format von Syrien-Gesprächen unter Teilnahme der Türkei und des Irans half, diplomatische Schwierigkeiten beizulegen. Der Mord geschah im Vorfeld eines Treffens der Außenminister der drei Länder.

Die Bluttat änderte aber nichts an der Entschlossenheit aller Beteiligter, regionale Akteure zu einer Beilegung des Bürgerkriegs in Syrien zu bewegen und die Bedrohung durch den IS zu beseitigen. Bereits im Dezember vereinbarte die Regierung in Ankara mit der Russischen Föderation den Abzug der Rebellen aus Ost-Aleppo.

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Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan betonten kurz nach dem Attentat, dass sie ihre Zusammenarbeit in Syrien fortsetzen würden. Russische und türkische Experten sollen gemeinsam an der Aufklärung des Attentats arbeiten. Die Staatschefs sahen das Attentat als eine Provokation, die das Verhältnis zwischen den beiden Ländern stören sollte. Karlow hatte sich stark dafür eingesetzt, die Krise zwischen beiden Ländern zu überwinden.

Die jetzt festgenommene Russin, Jekaterina B., soll bis Ende November mit dem Täter in Kontakt gestanden haben. Die beiden haben regelmäßig telefoniert und über soziale Netzwerken kommuniziert. Zudem hatte sie das russische Kulturzentrum in Ankara telefonisch kontaktiert, in dem das Attentat stattfand. Sie gestand bei einer Befragung, dass sie Kontakt zu dem Attentäter hatte. Sie habe ihn jedoch nicht persönlich getroffen, wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtete.

Die russische Botschaft in Ankara hat derweil um weitere Informationen über die Inhaftierung der Frau gebeten.

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