Alain Juppé sagt ab: Kandidatenchaos bei den französischen Konservativen

Alain Juppé sagt ab: Kandidatenchaos bei den französischen Konservativen
Will die heiße Kartoffel nicht überreicht bekommen: der ehemalige französische Premierminister Alain Juppé.
François Fillon, aktueller Kandidat der Konservativen, will trotz Skandalen und juristischen Ermittlungen weitermachen. Doch mittlerweile rebelliert seine eigene Partei gegen ihn. Der vermeintliche Hoffnungsträger, Alain Juppé, sollte übernehmen – doch der will nicht.

Für François Fillon wird es ernst. Nachdem ihm vorgeworfen wurde, seine Ehefrau und zwei seiner Kinder als parlamentarische Assistenten beschäftigt zu haben, eröffnete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung. Die Polizei durchsuchte vor wenigen Tagen erst seine Privatwohnung in Paris und später auch seinen Landsitz südwestlich der Hauptstadt.

Doch Fillon hält an seiner Kandidatur fest. Und das, obwohl immer mehr Politiker, auch aus dem eigenen Lager, seinen Rücktritt fordern. Der Parteikollege und frühere Premierminister Dominique de Villepin sagte gegenüber dem Sender Europe 1:

Er kann nicht mehr Kandidat sein, weil er keinen inhaltlichen Wahlkampf mehr führen kann.

Emmanuel Macron, François Fillon oder Marine Le Pen - wer lacht als letztes?

Die konservative Europa-Abgeordnete Nadine Morano warnte:

Wenn er trotz allem weiter macht, sind wir in einer Sackgasse.

Auch in seinem eigenen Wahlkampfteam läuft es nicht mehr rund. Sein Kampagnenchef, Thierry Solère, schmiss das Handtuch. Im Hintergrund wurden schon die Fäden für einen eventuellen Plan B gezogen. Der ehemalige Rivale, Allan Juppé, wurde in Postion gebracht. Fillon hatte den eigentlichen Favoriten Juppé in den konservativen Urwahlen überraschend deutlich geschlagen.

Aus dem Umfeld von Juppè war noch vor Kurzem zu hören, dass sich Juppé nicht vor der Verantwortung drücken würde, wenn er gebraucht werde. Doch nun scheint sich Juppè dagegen entschieden zu haben.

Er werde nicht als möglicher Ersatzkandidat zur Verfügung stehen. Das erklärte Alain Juppé auf einer Pressekonferenz. "Für mich ist es zu spät", sagte er. Eine denkbar schlechte Nachricht für die französischen Konservativen, die mit dem Kandidatenwechsel eine drohende Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen Ende April verhindern wollen.

Er sei nicht in der Lage, das Lager der bürgerlichen Rechten zu versammeln, erklärte Juppé in Bordeaux:

Deshalb bestätige ich ein für alle Mal, dass ich nicht Kandidat für die Präsidentschaft der Republik sein werde.

Fillon hatte am Sonntag noch einmal alle Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen zurückgewiesen. Er betonte, dass ihn niemand an seiner Kandidatur hindern könne. Selbst der ehemalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy brachte sich nun als Schlichter ins Spiel. Sarkozy war zu Beginn der Urwahlen bei den Konservativen ebenfalls einer der Kandidaten. Doch Sarkozy landete abgeschlagen auf Platz drei. Sarkozy schlug am Montag ein Treffen Fillons mit ihm und Juppé vor, um

einen Weg für einen würdigen und glaubwürdigen Ausweg aus einer Situation zu finden, die nicht weitergehen kann.

Sarkozy ergänzte:

Angesichts der Schwere der Lage der bürgerlichen Rechten und des Zentrums hat jeder die Pflicht, alles zu tun, um die Einheit zu bewahren, die die Bedingung für einen Machtwechsel ist.

Doch dafür scheint es mittlerweile zu spät. Zumal am Wochenende führende Konservative angekündigt hatten, die Chancen auf das Präsidentenamt notfalls mit einem Putsch gegen Fillon zu retten. In den Umfragen liegen derweil die Vorsitzende des Front National, Marine Le Pen, und der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron vorn. Sollten die beiden in die Stichwahl ziehen, wird ein deutlicher Sieg von Macron erwartet.