Obamas Vermächtnis: Der geheime Cyberkrieg gegen Nordkorea

Obamas Vermächtnis: Der geheime Cyberkrieg gegen Nordkorea
Kim Jong-Un beobachtet den Start einer Langstreckenrakete; 7. Februar 2016.
Präsident Trump erbte von Obama einen Cyberkrieg gegen Nordkorea zur Zerstörung nordkoreanischer Raketen. Kim Jong-Un reagierte nach dessen Bekanntwerden mit Hinrichtungen von Beamten und neuen Raketentests. Diplomatische Lösungen sind außer Reichweite.

Im Jahr 2013 veröffentlichte Edward Snowden als ehemaliger Angestellter der National Security Agency (NSA) tausende klassifizierte Dokumente. Auf diese Weise legte er offen, dass die US-Regierung systematisch ihre Bürger ausspionierte. Darüber hinaus überwachte sie aber auch die Telefon- und E-Mail-Verbindungen von Politikern aus verbündeten Ländern. Das in Anbetracht dieser Enthüllungen von Obama einberufene Team hatte nicht die Aufgabe, Nachforschungen anzustellen, sondern sollte den Skandal legalisieren.

Artillerieeinheit der Koreanischen Volksarmee bei einer Militärübung

Deutschland spielte im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal eine besondere Rolle. Die Bundesregierung zeigte sich überrascht angesichts der Machenschaften der amerikanischen NSA auf deutschem Boden. Tatsächlich war aber auch der BND selbst involviert. Man lernte in Deutschland vom amerikanischen Partner die Spionage. Aber die passiven Lauschangriffe sind längst Schnee von gestern.

Ein Blick in das ferne Asien offenbart einen neuen Schauplatz des modernen Cyberkriegs der Amerikaner zum Schutz vor sich selbst. In den vergangenen Wochen traten Südkorea, China und Nordkorea in das Zentrum der Medienberichterstattung. Ein ungleiches Trio, das sich zwischen den Fronten wähnt.

Zwischen Südkorea und China entbrannte etwa die Debatte um die Aufstellung des US-amerikanischen THAAD-Systems. Der südkoreanische Konzern Lotte hatte sich bereit erklärt, für das US-Raketenabwehrsystem einen seiner Golfplätze als Standort zur Verfügung zu stellen. Umgehend musste das Unternehmen den Ärger Chinas zur Kenntnis nehmen: China stoppte ein gemeinsames Bauvorhaben, Hacker griffen die Duty-Free-Webseite Lottes an. Zu guter Letzt gab China auch noch bekannt, dass es ab Mitte März keinerlei Pauschalreisen nach Südkorea mehr geben werde.

Doch all dies scheint irrelevant angesichts dessen, was nun an die Öffentlichkeit trat. Die Regierung Obama sah sich als reales Ziel Nordkoreas und führte seit 2014 einen Cyberkrieg gegen das abgeschottete Land. Die New York Times hatte einen guten Riecher und begann nach zahlreichen Fehlstarts nordkoreanischer Raketen mit Recherchen über einen möglichen US-amerikanischen Beitrag zu diesen Misserfolgen. Im vergangenen Herbst hatte Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un selbst Investigationen in Auftrag gegeben. 

Die Journalisten der New York Times wurden nicht enttäuscht. Alles deutete auf die Handschrift des Pentagons hin. Allerdings baten offizielle Stellen das Nachrichtenhaus, mit der Veröffentlichung zuzuwarten. Die Cyberangriffe sollen den feindlichen Raketenstart verhindern. Die wenig erfreulichen Ergebnisse für den nordkoreanischen Führer beantwortete dieser, indem er in der vergangenen Woche hochrangige Offizieller hinrichten ließ. Die Strategie des Pentagons mit dem Namen Left of Launch basiert auf präventiven Attacken auf der Basis modernster kinetischer Technologien. Zu diesen gehört es, elektromagnetische Wellen und Angriffe im Netz zu entsenden, um nukleare Raketengeschosse noch vor deren Start zu zerstören.

Schiffe der US-amerikanischen und der südkoreanischen Marine während eines Foal-Eagle-Manövers in Südkorea, 24. März 2016.

Die jüngst wiedergekehrten Erfolge nordkoreanischer Raketenstarts neueren Datums geben Skeptikern der neuen Pentagon-Strategie Recht. Die USA planen dennoch, weiter in diese Technologie zu investieren, um sich gegen die unzähligen Gefahren außerhalb ihrer Grenzen zu wappnen.

Der größte Gefahrenherd für die derzeitige Regierung Washingtons ist neben Nordkorea der Iran. Stuxnet, ein Computerwurm aus dem Jahr 2010, war ein außerordentlich wirkungsvolles Programm, dass vor allem iranische Computer infizierte. Seine Urheber hatten Stuxnet speziell zum Zweck der Sabotage von Industrieanlagen entwickelt. Der Wurm hatte das Atomprogramm der Iraner im Visier. Die Angriffe richteten sich gegen das Kernkraftwerk in Buschehr und eine Urananreicherungsanlage.

Auch das Programm namens Student, kreiert für den Krieg im Netz, war nie für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Justiz ermittelte gegen den General James E. Cartwright, nachdem Kunde davon an die Öffentlichkeit getreten war. Er soll, so die Anklagebehörde, Informationen darüber an die New York Times weitergegeben haben.

Die USA sehen sich verwundbar durch militärische Angriffe von außen, durch Netzangriffe und Desinformationskampagnen. Die mögliche Opferrolle der USA als Angriffsziel feindlicher Parteien ist ein Verkaufsschlager, der von hauseigenen Lauschangriffen und dem Verlust von Privatsphäre ablenkt.

Nach der Wahl Trumps machten die unterlegenen Demokraten und liberale Medien russische Hacker für dessen Sieg verantwortlich. Ein Sündenbock war gefunden, der die amerikanische Gesellschaft angriff und entzweite. Dass die Probleme im Land von eigener Misswirtschaft herrührten, blieb ausgeklammert.

Doch im Bezug auf Nordkorea gestaltet sich der Verkauf der eigenen Strategie an die Öffentlichkeit als schwieriger. Welche Optionen bleiben Trump zum Handeln und wie soll er die Akzeptanz der Öffentlichkeit für eine mögliche Kriegsführung im fernen Asien erlangen? Gerade probt die südkoreanische Armee gemeinsam mit US-Soldaten den Krieg auf der koreanischen Halbinsel. Eine Eskalation des Konflikts könnte jedoch verheerende Folgen über die Region hinaus haben.

U.S. Army Panzer vom Typ M1A2 überqueren eine Pontonbrücke im Rahmen eines gemeinsamen 
Manövers mit südkoreanischen Soldaten in der Nähe des demilitarisierten Grenzgebietes Yeoncheon.

Eine diplomatische Lösung, um Nordkorea von seinen Atomwaffenplänen abzuhalten und zur Abrüstung zu bewegen, scheint in weite Ferne gerückt. Nach dem Mord an Kim Jong-Nam, Kim Jong-Uns Halbbruder, hat Malaysia den nordkoreanischen Botschafter zu einer Persona non grata erklärt. Am Montag hat er auf Forderung der Regierung in Kuala Lumpur hin die Botschaft verlassen. 

Auch eine Ausweitung der Cyberangriffe böte keine Garantie, dass alle Raketenstarts verhindert werden können. Auf China, den verbündeten Pjöngjangs, kann sich Trump nicht verlassen. Es ist ungewiss, ob Peking entschlossen ist, den notwendigen Druck auszuüben und seinen Handel mit der Führung um Kim Jong-Un zu kappen.

Einen vorsichtigen Schritt hat China aber bereits in Richtung Washington unternommen und einen Importstopp für Kohlelieferungen aus Nordkorea verhängt. Trump will unterdessen in die Aufrüstung investieren und zieht auch in Erwägung, Südkorea den Weg zur Atommacht zu ebnen. 

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