Britischer Abgeordneter: Immer nur Russland für Ukrainekrise zu beschuldigen ist naiv und gefährlich

Britischer Abgeordneter: Immer nur Russland für Ukrainekrise zu beschuldigen ist naiv und gefährlich
Während Russland in Großbritannien von Seiten der Politik und den Medien intensiv beobachtet wird, geschehe dies gegenüber der Ukraine fast gar nicht, sagt der britische Unterhaus-Abgeordnete Daniel Kawczynski.  Er fordert ein Umdenken in Großbritannien.

Es ist kurzsichtig sich nicht mit Russland zu unterhalten – egal wie unangenehm ein solches Gespräch sein mag,

schreibt das britische Komitee für internationale Beziehungen in seinem Bericht. Die britischen Gesetzgeber nannten die Beziehungen zu Russland „die belastetsten seit Ende des Kalten Krieges.“

Der britische Abgeordnete Daniel Kawczynski teilte einige seiner Gedanken zu dem Bericht gegenüber RT mit. Kawczynski sitzt in dem Komitee und half mit, diesen Bericht zu erstellen.

Riesig und schrecklich. Für jedes historische Ereignis in und um Russland hat der Westen immer nur eine Erklärung parat: Moskaus Imperium will sich einfach nur alles unter den Nagel reißen. Screenshot aus dem ARTE-Film

Zuerst muss man sagen, dass es sehr unterschiedliche und polarisierende Ansichten unter den Mitgliedern des Komitees gab, gegenüber den Quellen die uns vorgelegt wurden. Schließlich ist der Bericht ein Kompromiss zwischen einigen dieser Sichtweisen.

Die passive Rolle Großbritanniens sieht Kawczynski dabei kritisch:

Was ich durch diese Erfahrung der Recherche zu Russland gelernt habe, über die letzten zwölf Monate, während ich diesen Bericht schrieb und mich in Moskau und St. Petersburg aufhielt, aber auch die Front in Donezk besuchte, ist, dass wie beunruhigend und ironisch es ist, dass die Sache die am meisten zwischen unseren Ländern steht, nämlich die Minsk II Vereinbarung, etwas ist, woran Großbritannien gar nicht teilhat.

Seiner Ansicht nach hat Großbritannien sich von der Verantwortung freigemacht und es den Franzosen und den Deutschen überlassen, mit den Ukrainern und Russen zu arbeiten und zu versuchen die Situation aufzulösen.

Kawczynski sagte, er hoffe, dass die neue Regierung unter Premierministerin May

mehr tun werde um die Minsk-Vereinbarung zu unterstützen, sodass eine wichtige europäische Macht wie wir – ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats – versuchen kann seine Unterstützung ins Spiel zu bringen um zu versuchen diesen größten Stolperstein in unseren Beziehungen zu entfernen, sodass sich letztere verbessern können.

Als man ihn zu der Position des britischen Komitees für internationale Beziehungen gegenüber Russland fragte, antwortete Kawczynski:

Ob es das Außenministerium oder die Abgeordneten des Parlamentes oder die Journalisten in Großbritannien sind, das Wichtigste welches ich herüberbringen will, ist, dass es eine Menge Beobachtung von Russland gibt und eine Menge Kritik, und eine Menge harter Bewertung.

Doch die Beobachtung beschränke sich allein auf Russland, denn:

Die Ukraine hingegen steht kaum unter Beobachtung, weder im Parlament, noch in den britischen Medien.

Ausschuss des House of Commons erstattet Bericht zur Gegenwirkung russischer Informationskampagne

Und er fügte hinzu:

Wenn man die britischen Medien ausführlich betrachtet, die BBC und die Zeitungen, gibt es sehr wenig Kritik an den Ukrainern.

Kawczynski argumentierte, die Russen für eine „tragische Entwicklung der Zustände“ zu beschuldigen, „ist nicht nur extrem naiv, sondern auch hochgefährlich.“ Seiner Ansicht nach, müsse mehr getan werden, „um die beiden Seiten an einen Tisch zu bekommen, um zu versuchen die Situation zu lösen.“

Kawczynski sagte gegenüber RT:

Es ist in niemandes Interesse die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland fortzusetzen wie sie sind. Und ich denke, dass die Politiker dieses Landes und auch in Russland die Pflicht und Verantwortung haben zusammenzuarbeiten um Minsk II zu lösen und zu normalen Verhältnissen zurückzukehren.