Jemen: Einsatz der US-Spezialeinheit Navy SEALs brachte offenbar keine verwertbaren Erkenntnisse

Jemen: Einsatz der US-Spezialeinheit Navy SEALs brachte offenbar keine verwertbaren Erkenntnisse
Der US-Einsatz im Januar auf jemenitischem Boden löste heftige Proteste aus.
Bei der Aktion im Januar starben mindestens 30 Menschen, darunter auch ein Navy SEAL. Laut einem Bericht von NBC News hat der Einsatz jedoch keine brauchbaren Informationen geliefert. Der Sender beruft sich auf offizielle Quellen aus dem US-Außenministerium.

Warum musste es genau zu dieser Zeit, als die neue Trump-Regierung kaum eine Woche im Amt war, diese dumme Mission geben?

Der Vater des getöteten US-Navy SEALs Ryan Owens zeigte sich in einem Interview mit dem Miami Herald verständnislos gegenüber dem Boden-Einsatz, der seinen jüngsten Sohn das Leben gekostet hat. Der Vater, Bill Owens, fügte hinzu:

Zwei Jahre lang ging alles in Jemen um Drohnen und Raketen. Und jetzt mussten wir plötzlich so dick auftragen?

Wachsender Druck: Auch nach seinem Amtsantritt muss sich Trump gegen mächtige Gegner behaupten.

Der erste US-Angriff im Jemen unter der Präsidentschaft Donald Trumps sorgt international und in den USA weiterhin für heftige Kontroversen. Bei dem Einsatz starben den Behörden vor Ort zufolge 30 Menschen, darunter auch neun Kinder unter 13 Jahren.

Neben dem getöteten US-Soldaten Ryan Owens gab es auch drei weitere US-Militärs, die Verletzungen erlitten. Die Kritik an der Mission richtet sich gegen die mögliche Unverhältnismäßigkeit der eingesetzten Gewalt und die mageren geheimdienstlichen Erkenntnisse, die der Einsatz offensichtlich geliefert hat.

In den USA herrscht darüber hinaus Uneinigkeit darüber, ob es sich bei der Mission um eine Aufklärungsmission oder eine Tötungsmission handelte. Laut NBC News deklarierte das US-Außenministerium den Einsatz als Aufklärungsmission, bei der es um das Sammeln von Informationen gegangen sei. Auch das US-Verteidigungsministerium hatte von einer Aufklärungsmission gesprochen.

Der republikanische Senator John McCain hingegen sprach von einem Einsatz, bei dem es vor allem um das Ausschalten oder die Gefangennahme von Al-Kaida-Kämpfern gegangen sei. Doch offizielle Stellen aus dem US-Kongress, die sich gegenüber NBC News äußerten, zeigten sich verwundert darüber, dass es überhaupt zu dem Einsatz gekommen ist. Es hätten keine Informationen über mögliche Bedrohungen durch Al-Kaida vorgelegen. Die US-Regierung unter Trump müsse den Einsatz von Bodentruppen noch rechtfertigen.

Laut offiziellen US-Angaben wurden bei dem Einsatz 14 Al-Kaida-Kämpfer getötet. Darunter soll sich auch Sheikh Abdel-Raouf al-Dhahab befunden haben, den das Pentagon als einen Al-Kaida-Führer einstuft, was die jemenitische Regierung jedoch bestreitet.

Als Reaktion auf den Einsatz der US-Navy SEALs entzog die jemenitische Regierung den USA die Erlaubnis, Terror-Einsätze auf jemenitischem Boden auszuführen. Ausgenommen bleiben weiterhin Drohnenangriffe.

Auch die geheimdienstlichen Erkenntnisse aus dem Einsatz sind offenbar nicht viel wert. Wie mehrere ungenannte Beamte aus dem US-Außenministerium gegenüber NBC News mitteilten, habe der Einsatz keine signifikanten Informationen zutage gefördert. Dem widersprach der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer:

Wir haben eine unglaubliche Menge an Informationen gesammelt, die zukünftige Angriffe und Tote in den USA verhindern werden.

Jemen ruft UNO auf, Huthi-Kämpfer als Terroristen einzustufen

Für das Weiße Haus bleibt der Einsatz eine Erfolgsgeschichte. Wer den Einsatz kritisiere, schulde dem Vater des gestorbenen Navy SEALs eine Entschuldigung, so Spicer. Er wandte sich auch direkt an den Vater von Ryan Owens:

Ich kann ihm im Namen des Präsidenten sagen, dass sein Sohn als Held gestorben ist. Und dass die Informationen, die wir gesammelt haben, dabei helfen werden, in der Zukunft amerikanische Leben zu retten.

Eine Darstellung, der die ungenannten offiziellen Stellen aus dem US-Außenministerium widersprachen. Bei dem Einsatz sei unter anderem auch ein 70 Millionen Dollar teures Spezialflugzeug zerstört worden. Das Pentagon hat drei Untersuchungen zu dem Einsatz in Auftrag gegeben.

Die Planungen für die Mission im Jemen hatten schon unter der Amtszeit von Barack Obama begonnen. Der Einsatz wurde jedoch von der damaligen Regierung auf Eis gelegt, da man dadurch eine signifikante Eskalation im Jemen-Konflikt befürchtete. 

ForumVostok
MAKS 2017