Der große Gatsby als Mann für Brüssel: Trumps streitbarer Kandidat für die Rolle des EU-Botschafters

Der große Gatsby als Mann für Brüssel: Trumps streitbarer Kandidat für die Rolle des EU-Botschafters
Trumps Botschafter für Brüssel stellt die eurpoäisch-amerikanischen Beziehungen auf dem Prüfstand.
Ted Malloch ist kein Freund Europas. Sein Lebenslauf soll Ungereimtheiten aufweisen. Er glaubt an den Zerfall der Eurozone. Er ist dennoch oder gerade deswegen der favorisierte Kandidat Trumps für Brüssel. Ein Albtraum für Europa.

Mit oder gegen die EU?Europaliebhaber in Brüssel rutschen dieser Tage unruhig auf ihren Parlamentsstühlen herum und sorgen sich vor dem Mann, den Washington bald entsenden könnte. Theodore Roosevelt Malloch,kurz Ted Malloch, steht für eine klare anti-europäische Haltung. Zudem rühmt er sich damit, das Ende der Sowjetunion mit herbeigeführt zu haben, als er für die Vereinten Nationen in einer Art Botschafterfunktion tätig war. Margaret Thatcher selbst soll ihn als ein Genie bezeichnet haben. Wird Europa sein nächstes Opfer? 

Malloch macht bereits jetzt deutlich:

Ob die Eurozone überlebt, das ist eine wichtige Frage auf der Agenda.

Malloch selbst sagte, dass die EU eine Zähmung bräuchte und dies würde ihn an einem Umzug nach Brüssel reizen. Sein Lebenslauf liest sich gut, zu gut und nahezu unglaublich für einen Normalsterblichen. Die Financial Times hakte nach und will Fehler entdeckt haben. 

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Ted Malloch unterrichtete bis zum letzten Jahr an der Wirtschaftshochschule der Universität Oxford. Doch die Financial Times zeigte mögliche Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf auf. Alle drei Oxford-Colleges - Wadham College, Wolfson College und Pembroke College -, an denen Malloch vorgab, tätig gewesen zu sein, haben seine von ihm angegebenen Positionen an den Universitäten bestritten.

Was das Wadham College betrifft, gab Ted Malloch bekannt, dass er dort die Position eines "Wadham Senior Common Room Fellow" innehatte. Aber eine derartige Position existiert an der Universität bis heute nicht. Seine Tätigkeit bei der UN auf Botschaftsebene zweifelte die Financial Times ebenfalls an. Auch die Würdigung als Genie durch Thatcher ließe sich nicht bestätigen.

Malloch konterte der Financial Times, dass Thatcher diesen Kommentar abseits eines CNN-Interviews 1992 abgegeben hätte, als die Kameras gerade nicht aufzeichneten. Neben seiner akademischen Karriere soll Malloch auch für die Washington Post und die New York Times geschrieben haben, aber auch dies ließ sich nicht bestätigen. Der Dokumentarfilm nach seinem gleichnamigen Buch "Doing Virtuous Business" hat offenbar auch nicht die Emmy-Nominierung erhalten, die Malloch ihm andichtete. Und das Märchen geht noch weiter. Die Königin selbst habe ihn zum Ritter geschlagen. 

Der italienische Vorsitzende der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Gianni Pittella, erklärte dazu gegenüber dem britischen Guardian:

Nach den letzten Aufdeckungen der Presse, erscheint der Charakter Mallochs kontroverser denn je – um es vorsichtig auszudrücken. Seine persönliche Glaubwürdigkeit ist sehr fragwürdig geworden. Ich schlage Trump vor, dies zu bedenken, bevor er eine Wahl trifft. [...] Im Sinne der künftigen Beziehungen zu der US-Regierung empfehlen wir dringlichst, dass Trump Herrn Malloch nicht zum nächsten US-Botschafter der EU nominieren. Wenn Präsident Trump aber sonst auf diese Weise die EU herausfordern will, dann denke ich, sollte die EU ihn [Herrn Malloch] zu einer Persona non grata erklären.

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Pittella hat gemeinsam mit drei anderen Parteivorsitzenden an die EU-Kommission und den EU-Rat geschrieben, um eine Ernennung Mallochs zu verhindern. 

Zwar hat Malloch nach eigener Aussage noch nicht die Situation Griechenlands besprochen, aber er hat hier bereits klare Vorstellungen über das, was geschehen muss: 

Jetzt wissen wir alle, dass der Hauptdruck von Deutschland kommt, das gegen einen EU-Austritt ist, also denke ich, Griechenland sollte diese Beziehung infragestellen, einen Grexit vornehmen und aus dem Euro-Raum austreten.

Die Anschuldigungen der Financial Times gegen ihn wertete Malloch als politisch motivierten Angriff gegen seine Person. Malloch sieht die USA außerdem in der Pflicht, den umstrittenen muslimischen Kleriker Fethullah Gülen in die Türkei auszuweisen. Dort solle ihm der Prozess wegen des Putschversuches in der Türkei gemacht werden. Dies sei alleine schon erforderlich, um die Beziehungen zum türkischen Handelspartner nicht zu gefährden. Dass dies noch nicht in Angriff genommen wurde, ist für ihn ein Versäumnis der Obama-Regierung. Bis Juni wird der neue Mann Washingtons für Brüssel feststehen.