Spanien: Rap-Star wegen "Verunglimpfung der Monarchie" zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Spanien: Rap-Star wegen "Verunglimpfung der Monarchie" zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt
Rappt gerne und oft Klartext: Josep Miquel Arenas alias Valtonyc.
Der spanische Rapper Josep Miquel Arenas, der unter dem Künstlernamen Valtonyc bekannt ist, wurde wegen Verunglimpfung des spanischen Königshauses und Verherrlichung des Terrorismus zu einer Haftstrafe verurteilt. Er soll zudem auch zu Gewalt aufgerufen haben.

Für Verunglimpfung der Monarchie droht in Spanien bis heute eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren. In dem Fall von Valtonyc kam erschwerend hinzu, dass der Rapper auch zu Gewalt aufgerufen haben soll. Valtonyc hatte in einem seiner Lieder die Besetzung des Marivent-Palastes in Palma „mit einer Kalaschnikow“ gefordert. Der Palast dient der spanischen Königsfamilie regelmäßig als Urlaubsdomizil.

Außerdem rappt Valtonyc in seinem Lied „Ciro Balear“ das Jorge Campos, Präsident der konservativen Vereinigung Circulo Balear "eine Atombombe verdient" habe. Campos ist ein entschiedener Gegner der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen und hat vor allem der katalanischen Sprache auf den Balearen-Inseln den Kampf angesagt.

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Dies obwohl auf den Balearen schon sehr lange Katalanisch gesprochen wird. Genau genommen seit der aragonesische König und Graf von Barcelona, Jakob der Eroberer, im 13. Jahrhundert die damals dort herrschenden Mauren von Mallorca vertrieb. Das Königreich Aragón und damit die Balearen gingen in der frühen Neuzeit im spanischen Reich auf, doch die Menschen sprachen neben dem dominierenden kastilischen Spanisch weiter Katalanisch.

Obwohl Katalanisch zweite Amtssprache ist, kam es immer wieder zu Unterdrückungsversuchen. Zuletzt während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1975. Campos selbst hatte den Rapper wegen des Inhaltes seines Lieds "Circo Balear" angezeigt. Für Valtonyc war Anfang Februar in Artà ein Solidaritätskonzert organisiert worden.

Der Musiker selbst verteidigte sich und schrieb in einem Communiqué, dass der Inhalt seines Liedes nachträglich verschärft und manipuliert worden sei, um ihm vorsätzlich zu schaden. Zudem habe er das Lied auch geschrieben, um die linke Podemos-Bewegung von Pablo Iglesias zu unterstützen, so Valtonyc. Iglesias verteidigte Valtonyc in einem Tweet:

Straffreiheit für die Korrupten, und Gefängnis für einen Song. Ein Rap über den König darf kein Verbrechen sein.

Valtonyc sagte nach der Verurteilung gegenüber der spanischen Zeitung „El Español“, dass Kunst provokativ sein müsse. Er betonte außerdem, dass er eigentlich nichts Neues gesagt habe:

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Alles was ich über den König gesagt habe, stand schon in den Medien: die Tatsache, dass er seinen Bruder getötet hat, dass er Affären hatte, dass er einen Elefanten getötet hat. Also von welchen Beleidigungen sprechen wir hier, wenn schon alles in der Presse stand?

Er werde auch weiterhin die Bourbonen als Mafiosi bezeichnen, so Valtonyc. Die Bourbonen sind ein altes französisches Adelsgeschlecht, das acht französische Könige und weitere Monarchen in Europa stellte. Der aktuelle Großherzog von Luxemburg, Henri von Nassau und König Felipe von Spanien stammen von dem Adelsgeschlecht ab.

Die innenpolitische Lage in Spanien ist momentan sehr angespannt. Politische Kräfte in Katalonien, die sich für die Unabhängigkeit von Spanien einsetzen, drängen gegen den Willen der spanischen Zentralregierung auf ein Referendum.  

Wir können das Diktat von Madrid nicht mehr akzeptieren, Spanien lehnt es ab, dass wir allein über unser Schicksal entscheiden.

hatte der katalanische Oppositionspolitiker Artur Mas von der Convergència de Catalunya (CDC) Ende Januar erklärt. Mittlerweile steht auch er vor Gericht. Wegen zivilen Ungehorsams und Amtsmissbrauch. Er erhält jedoch Unterstützung durch den katalanischen Regierungschef Carles Puigdemont, der ebenfalls auf einem Referendum besteht:

Die Zentralregierung kann Hindernisse aufbauen, wir werden sie überwinden. Wir müssen ein Referendum ohne die Erlaubnis des Staates organisieren.

Die spanische Zentralregierung und das Königshaus reagieren in der Regel nicht zimperlich, wenn sie sich herausgefordert fühlen. Vor zwei Jahren kam es im spanischen Fußball zu dem Pokalfinale FC Barcelona gegen den baskischen Vertreter Atletico Bilbao. Das Spiel fand in Barcelona unter der Anwesenheit des Ehrengastes, Felipe von Spanien statt, der auch Namensgeber des spanischen Pokals „Copa de Rey“ ist.

Der Ehrengast wurde während des Spiels mit Pfiffen und Schmähungen überzogen. Das staatliche Sportgericht beschloss, dass der FC Barcelona 66.000 Euro und Bilbao 18.000 Euro als Strafe zahlen müssen. Der spanische Fußballverband wurde als Ausrichter der Begegnung gar mit 123.000 Euro bestraft.