CIA friert Unterstützung für FSA-Rebellen in Syrien ein

CIA friert Unterstützung für FSA-Rebellen in Syrien ein
Ein Kämpfer der syrischen FSA mit einer Panzer-Abwehrrakete.
Reuters zufolge wurde die CIA-koordinierte Hilfe für Rebellen in Nordwest-Syrien eingefroren. Als Begründung wird angegeben, dass sich die FSA starker Angriffe dschihadistischer Milizen erwehren muss. Gelieferte Waffen könnten so den Besitzer wechseln.

Nicht näher spezifizierte Rebellen-Vertreter zeigen sich laut Reuters besorgt, da die Militärhilfe für sie unverzichtbar im Kampf gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad sei. Zudem habe es keine offizielle Erklärung für den Stopp der Unterstützung im letzten Monat gegeben.

Die Rebellen gehen jedoch davon aus, dass es einen Zusammenhang mit den Angriffen vom Westen nicht unterstützter dschihadistischer Milizen wie der Nusra-Front und Jund Al Aqsa gibt. Offenbar soll verhindert werden, dass Waffen und Bargeld in die Hände von Kämpfern fallen, die ihre Agenda nicht mit dem Westen abstimmen.

Das Einfrieren der Unterstützung betrifft Gehälter, Ausbildung, Munition und in einigen Fällen auch gelenkte Panzerabwehr-Raketen. Laut inoffiziellen Angaben von US-Beamten, die mit der CIA-Operation vertraut sind, hätte das Einfrieren keinen Zusammenhang mit der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Es sei lediglich eine Reaktion auf die anhaltenden Angriffe gegen die FSA. 

Ein Offizieller der FSA wird von Reuters mit den Worten zitiert: 

Die Realität ist, dass es Veränderungen in der Gegend gegeben hat, und diese Veränderungen haben unweigerlich Rückwirkungen. 

Keine militärische Hilfe könne im Moment wirklich helfen, es bedürfe vielmehr einer Neuorganisation im Rahmen der Angelegenheit. Es gäbe zwar ein neues Arrangement, es habe sich bis jetzt aber noch nichts Konkretes herauskristallisiert. Die FSA-Rebellen werden unter anderem von den USA, der Türkei, Katar und Saudi-Arabien unterstützt. Die CIA lehnte laut Reuters eine offizielle Stellungnahme zu den Meldungen über das Einfrieren der Hilfsmittel ab.

Ein Beamter aus Katar sagte, seine Regierung habe nichts zu der Angelegenheit zu sagen. Türkische Beamte sagten nur, sie könnten nicht über, wie sie es nennen, operative Details sprechen. Aus Saudi-Arabien gibt es ebenfalls keinen Kommentar. 

Reuters ließ sich offenbar das Einfrieren der Hilfen auch von Führungspersönlichkeiten der fünf FSA-Gruppen bestätigen, die Empfänger finanzieller und militärischer Unterstützung aus dem so genannten MOM Operations Room sind. Zudem soll der Vorgang zusätzlich auch von zwei langjährigen FSA-Angehörigen bestätigt worden sein. Die Erklärungen erfolgten laut Reuters unter der Bedingung der Anonymität. 

Kämpfer der IS-Organisation Chalid ibn Walid.

Die Rebellen der FSA gehen davon aus, dass der Stopp nur vorübergehend ist, und erwarten neue Vereinbarungen. Offenbar möchten die Unterstützer-Länder die Hilfe in Zukunft nur noch einer einzelnen, geeinten Kraft zukommen lassen. Bisher war es im Verlauf des Konfliktes nicht gelungen, eine solche Vereinigung der Kampfverbände zu erreichen. Die von Reuters erwähnten anonymen FSA-Quellen gehen aber nach wie vor davon aus, dass sie die einzige Hoffnung in der Region gegen den zunehmenden Einfluss noch radikalerer sunnitischer Dschihadisten und des Iran sind. 

Die heftigsten Angriffe auf die FSA-Rebellen führte im letzten Monat eine Gruppe aus, die einen Ableger des Al-Kaida-Netzwerks in Syrien darstellt. Sie nannte sich ursprünglich Al-Nusra-Front sowie Dschabhat Fateh al-Sham und hat sich mittlerweile mit anderen extremistischen Gruppen wie Dschund al-Aksa oder der Nureddin-Zingi-Bewegung zur Schirmorganisation Tahrir al-Scham zusammengeschlossen.  

Der Angriff der Terrormilizen hatte zur Folge, dass mehrere FSA-Gruppen mittlerweile mit der mächtigen islamistischen Fraktion Ahrar al-Sham kooperieren. Auch dies könnte die ausländischen Geldgeber in ihrem Zögern bestätigen. Ahrar al-Sham pflegt ebenfalls eine sunnitische islamistische Ideologie und hat bereits mehrfach zusammen mit Al-Nusra gekämpft, wenn dies als taktisch opportun erschien. 

Auch Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump von vor der Wahl nähren Befürchtungen aufseiten der FSA-Rebellen. Dieser sprach davon, die Unterstützung für die FSA zu beenden und sich ganz auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren. Doch zurzeit ist noch keine klare Linie in der Nahost-Politik Washingtons erkennbar und alles läuft offenbar "wie gehabt", wie ein US-Beamter gegenüber Reuters erklärte. 

Was den Rebellen dagegen Hoffnung macht, ist die mehrfach geäußerte Abneigung Trumps gegenüber der Rolle des Iran in der Region. Sie spekulieren darauf, im Fall einer Eskalation noch gebraucht zu werden. Die durch den MOM Operations Room unterstützten Rebellen hatten im Dezember einen schweren Schlag erlitten, als syrische Regierungskräfte sie mithilfe der russischen Luftwaffe und iranisch unterstützter Milizen aus dem östlichen Aleppo verdrängen konnten. Ost-Aleppo galt bis dahin als FSA-Festung. 

"Ich erwarte eine Reorganisation", sagte ein führender FSA-Funktionär gegenüber Reuters und wies darauf hin, dass es im Nordwesten Syriens noch rund 15.000 Kämpfer von FSA-Gruppen gibt. Einige der FSA-Gruppen, die bis jetzt durch die MOM im Norden unterstützt wurden, erhalten weiterhin türkische Unterstützung. Der Grund dafür ist, dass sie an der durch die Türkei geführten Euphratschild-Offensive gegen den IS und kurdische Gruppen im Nordosten von Aleppo teilnehmen.

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