Letzte Rettung oder Wiedergutmachung? Briten trainieren Iraker für die Rettung ihrer Kulturschätze

Letzte Rettung oder Wiedergutmachung? Briten trainieren Iraker für die Rettung ihrer Kulturschätze
Ein US-Soldat sieht zu, wie Mitarbeiter des archäologischen Museums Bagdad wiedergefundene gestohlene Kunstschätze nach der US-Invasion zurück ins Museum tragen; 24. April 2003.
Briten trainieren Iraker zur Bewahrung ihrer kulturellen Identität. Die Zerstörung von Kulturgütern wurde von der UNESCO viel zu spät als Kriegsverbrechen erkannt. Nun gilt: Retten, was zu retten ist. Aber was war die größte Bedrohung für die Kultur des Irak?

Der Kampf um Mossul hält an. Es ist die zweitgrößte Stadt des Irak, liegt am Ufer des Tigris und erlangte traurige Berühmtheit als die größte Stadt in den Händen des IS. So wie das syrische Aleppo war Mossul eine Stadt mit einer reichen Historie, in der zahlreiche ethnische und religiöse Gruppen nebeneinander lebten. Hier weilten Araber, Syrer, Armenier, Kurden, Turkmenen, Christen und Jesiden Tür an Tür.

Die meisten Christen, die in der Lage waren, dem Terror zu entfliehen, haben einstweilen ihre Stadt verlassen, in der sie auf eine 1.600 Jahre alte Tradition zurückblicken konnten. Der Raub und die Zerstörung von Kulturschätzen durch den "Islamischen Staat" löschen auch die Gedächtnisse der Einwohner der Stadt.

Aber war es nur die Terrormiliz, die den Ausverkauf des Irak vorantrieb? Das London Museum ist führend in seinen archäologischen Studien zur irakischen Geschichte und will nun die verbliebene kulturelle Vielfalt von Mossul retten. Ein Versuch der Wiedergutmachung?

Zerstörung des romanischen Tempels in Palmyra durch den

Im Jahr 2003 wurde das Museum von Mossul geplündert. Aber damals war es nicht der IS, der für die Plünderung verantwortlich war. Der Einmarsch der Amerikaner und Briten brachte damals das Unheil über die Altertümer. Nur zehn Minuten soll es damals gedauert haben, um aus dem Museum Kulturschätze im Wert von mehreren Millionen Dollar zu erbeuten.

Das Pentagon hatte damals versprochen, die Stadt Mossul und deren Kulturschätze zu schützen. Stattdessen regierten in der Stadt das Chaos und die Anarchie, nachdem die ausländischen Truppen ein Macht-Vakuum hinterlassen hatten. Es wurde gestohlen, was zu stehlen war. Aber als der Museumsdirektor nach der Befreiung seiner Stadt wieder die heiligen Hallen seines Museums betrat, waren wertvolle Skulpturen der Vergangenheit verschwunden. Was in den Tagen des Chaos unangetastet blieb, waren die Zeugnisse der Ära Saddam Husseins, die wie ein Mahnmal der vergangenen Tage, in denen mehr Ordnung herrschte, aus dem Chaos ragten. Das wertvolle Diebesgut fand sich auf Kunstmärkten im Ausland wieder.

Nach dem Sturz Saddam Husseins begann die Geschichte der kulturellen Ausbeutung des Irak. Insgesamt 170.000 Gegenstände sollen damals aus irakischen Museen gestohlen worden sein - der größte Raub in der Geschichte der Museumskunst. Offiziell tauchten 700 davon später auf amerikanischen und britischen Antikmärkten auf. Die Dunkelziffer ist jedoch noch höher. Umdokumentierte Kunstschätze und fehlende Listen lassen den tatsächlich entstandenen Schaden nur erahnen. Alle Antiquitäten aus dem Irak stehen auf der US-Sanktionsliste, geregelt durch die Iraq Stabilization and Insurgency Sanction Regulations (31 CFR, Abschnitt 576). Käufer der sogenannten Blutantiken machen sich der Terrorismusfinanzierung strafbar. 

Sebastian Rey vom irakischen Emergency Heritage Management Training Scheme erklärt dazu:

Sobald die Stadt befreit worden ist, wird ein umfassender Plan zur Rekonstruktion des Museums von Mossul umgesetzt. Das sechsmonatige Training umfasst drei Monate Training in als sicher geltenden Orten im Irak und drei in London. 

In einem Gespräch mit dem irakischen Archäologen und Architekten Ihsan Fethis brachte dieser gegenüber Russia Today am 9. April 2013 seine Frustration über den Ausverkauf seines Landes durch die Besatzer zum Ausdruck. Ein Interesse der Amerikaner am Schutz der irakischen Kultur war, so sagte er, nicht vorhanden. Schutz gab es allein für die strategisch wichtigen Orten aus Sicht der Amerikaner, wie jene der Öl-Industrie.

Sie ließen deshalb Plünderungen vor ihren Augen geschehen. Historische Dokumente von unschätzbarem Wert verschwanden für immer. Einige davon sollen an amerikanische Universitäten verkauft worden sein, ohne die Zustimmung der Iraker. Die irakisch-jüdische Gemeinde wurde der antiken Kopie einer Thora beraubt, die nach Israel gebracht wurde. Für Fethis stellte dieses Handeln eine Verletzung der internationalen Regularien durch die Besatzungsmächte dar. Diese verbieten es, regionale Kulturgüter und monetäre Besitztümer außer Landes zu bringen.