Vorschusslorbeeren für General McMaster: Wer ist der Nachfolger von Flynn im Trump-Kabinett?

Vorschusslorbeeren für General McMaster: Wer ist der Nachfolger von Flynn im Trump-Kabinett?
US-Präsident Donald Trump schüttelt seinem neuen Sicherheitsberater General H.R. McMaster auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach am 20. Februar 2017 die Hand.
Der US-Präsident Donald Trump hat am Montag den 54-jährigen General der United States Army, Herbert Raymond McMaster, zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Trump zufolge sei er ein "Mann von riesigem Talent und immenser Erfahrung".

Präsident Donald Trump hat am Montag Generalleutnant Herbert Raymond (H.R.) McMaster zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Dies verkündete der Präsident genau eine Woche, nachdem er das Rücktrittsgesuch von Michael T. Flynn angenommen hatte. McMaster ist ein erfahrener Militärbeamter. Er ist bekannt für seinen Einsatz im Irak und in Afghanistan, versiert in Sachen Aufstandsbekämpfung und gilt als intellektueller Querdenker.

Während Trumps Wahl in Washington auf durchwegs positive Resonanz stieß und selbst schärfste Trump-Kritiker seine jüngste Personalentscheidung lobten, bleibt unklar, ob der Präsident seinem Sicherheitsberater tatsächlich freie Hand geben wird, um Ordnung und Disziplin in das Weiße Haus zu bringen.

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McMaster verfasste 1997 eine Ph.D.-Dissertation über den Vietnam-Krieg, welche später unter dem Titel "Dereliction of Duty" als Buch veröffentlicht wurde und zahlreiche Auszeichnungen gewann. In diesem Buch geht der Historiker und - zu diesem Zeitpunkt noch - Major hart mit den Versäumnissen ranghöherer US-Militärführer ins Gericht. Diese wären der politischen Agenda des Weißen Hauses nicht entschieden entgegengetreten und hätten damit bereits in den frühen Kriegsjahren die Weichen für die spätere Niederlage gestellte. In seinem Buch beschrieb er die Vietnam-Befehlshaber verächtlich als die "fünf stillen Männer".

H.R. McMasters Ruf als Kämpfer gegen eingerostete Konventionen leitet sich aus diesem Werk und Aussagen ehemaliger Kollegen ab, welche bezeugten, dass McMaster auch im Irak niemals davor zurückschreckte, seinen Mund aufzumachen und "Hard Truths" auszusprechen. Bittere und nicht erwünschte Wahrheiten sowie unpopuläre Meinungen gegenüber seinen Vorgesetzten zu äußern, das war sein Metier.

McMaster wird auch für seine Erfolge auf dem Schlachtfeld verehrt, vor allem für seine Lehrbuchkampagne gegen Al-Kaida in der nordirakischen Stadt Tal Afar im Jahr 2005. Experten und ehemalige Beamte hoffen, dass McMasters Stimme als Kontrapunkt in der politischen Debatte dienen könnte. McMaster wird auch ein inzwischen geflügeltes Zitat zugeschrieben, welches er gegenüber den von ihm im Irak befehligten Soldaten geäußert haben soll:

Jedes Mal, wenn Ihr einen Iraker respektlos behandelt, arbeitet Ihr für den Feind.

Doch McMaster wird Teil einer Regierung, die von einem Präsidenten mit einer Vorliebe für Improvisation geführt wird. Trump verlässt sich stark auf Stephen Bannon und andere Helfer, welche ihn schon während seines Wahlkampfes beraten hatten. Ob McMasters strategische Ratio tatsächlich Gehör findet, bleibt abzuwarten.

Trump verkündete seine Entscheidung zur Ernennung McMasters von seinem Mar-a-Lago Resort in Florida aus, nachdem sein vorheriger Favorit, der im Ruhestand befindliche Vizeadmiral Robert Harward, abgelehnt hatte. Er nahm daran Anstoß, dass er nicht sein eigenes Team im National Security Council wählen durfte. Insbesondere Trumps festhalten an dem ehemaligen Fox-News-Analysten K.T. McFarland als stellvertretendem US-Sicherheitsberater soll ein Hauptgrund für Harwards Ablehnung gewesen sein.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel trafen bereits vor der Sicherheitskonferenz in München zusammen, auf dem G20-Treffen in Bonn, 16. Februar 2017.

Im Gegensatz zu Harward und den anderen beiden nicht zum Zug gekommenen Jobanwärtern bleibt McMaster ein aktives Mitglied des Militärs. Damit hat er keine Möglichkeit, den Oberbefehlshaber zurückzudrängen oder ihm Bedingungen aufzuerlegen, bevor er den Job annimmt.

Ein enger Freund McMasters, Peter Mansoor, äußerte Foreign Policy gegenüber die Vermutung, dass dieser die Stelle wahrscheinlich ohne Vorbedingungen antrat: "Wenn du die Uniform der Nation trägst, und wenn der Präsident dich bittet, etwas zu tun, ist die Antwort: Ja, Herr Präsident", so Mansoor. Der General darf auch sein eigenes Team zusammenstellen. "Der Präsident gab McMaster volle Autorität, geeignetes Personal einzustellen", verlautete Sarah Huckabee Sanders, eine Sprecherin des Weißen Hauses.

Während die US-Regierung ihre Position zum Krieg gegen IS neu justiert, dürfte McMasters neue Position einen ganz persönlichen Führungs- und Gewissenstest bedeuten. Der Präsident hat versprochen, im Irak einen raschen und entscheidenden Sieg gegen die sich bereits im Rückzug befindenden Extremisten zu liefern. McMaster ist mit den Schwierigkeiten und Gefahren der sektiererischen und ethnischen Politik in der Region gut vertraut und weiß aus erster Hand, wie islamistische Extremisten im Irak Wurzeln geschlagen haben.

Im Jahr 2005 führte McMaster das 3. Panzer-Kavallerie-Regiment in der Wüste Nordwest-Iraks und arrangierte für viele seiner Soldaten im Vorfeld arabischsprachige Unterweisungen. Zudem verordnete er ihnen Lektüre zur arabischen und irakischen Geschichte.

Als McMaster kurz davor stand, die nördliche Stadt Tal Afar von al-Qaida im Irak zurückzuerobern, schloss der damalige Oberst, dass er zusätzliche Truppen benötigte, um Erfolg zu haben. Diese Idee wurde von seinem Kommandanten abgelehnt. H.R. entschied schließlich über den Kopf seines Vorgesetzten hinweg und gewann große Anerkennung für seinen Plan vonseiten dienstälterer Offiziere in Bagdad.

McMasters Plan ging auf und wurde zu einem Musterbeispiel für die Gegenangriffstaktik im Irak. Anschließend unterstützte H.R. General David Petraeus, den damaligen Kommandeur der US-amerikanischen Streitkräfte im Irak dabei, die Irak-Kampagne umzugestalten und somit eine Kriegsanstrengung zu retten, die kurz vor dem Scheitern stand.

Seine Handlungen im Irak und anderswo brachten ihn in Opposition zu einigen der konservativeren Generäle, die die Armee führten: McMaster wurde in den Jahren 2006 und 2007 zweimal hinsichtlich der Beförderung zum Brigadegeneral übergangen. Als einer der innovativsten Offiziere kurz vor dem erzwungenen Ruhestand stand, kehrte General Petraeus aus dem Irak zurück und stellte sicher, dass der umstrittene Oberst im Jahr 2008 seinen ersten Stern erhielt.

Im Jahr 2010 wurde McMaster nach Afghanistan geschickt, um eine Task Force zu leiten, welche die undankbare Aufgabe, hatte das afghanische Militär zu reformieren und die Korruption in den eigenen Reihen auszurotten. Die berüchtigte Institution hat seitdem auch einige Fortschritte gemacht, macht allerdings auch weiterhin durch anhaltende Disziplinlosigkeit, Bestechlichkeit und Missbrauchsvorwürfe vonseiten zahlreicher Zivilisten von sich Reden.

McMaster wurde im Gegensatz zu Trumps erster Wahl, Generalleutnant Michael Flynn, mit breitem Applaus begrüßt. Senator John McCain, der das Weiße Haus der dysfunktionalen nationalen Sicherheitspolitik beschuldigt hat, veröffentlichte ein Statement, in welchem er McMaster als "eine hervorragende Wahl" lobt.

Auch Verteidigungsminister James Mattis, CIA-Direktor Mike Pompeo und der Minister für Innere Sicherheit, John Kelly, wurden von McCain und anderen Gesetzgebern begrüßt. Aber wie weit ihr Einfluss tatsächlich reicht, bleibt abzuwarten. Trump hat in seinen ersten Wochen für Kontroversen gesorgt und langjährige Bündnisse infrage gestellt. Und McMaster steht vor einer schwierigen Herausforderung, in Trumps inneren Kreis durchzudringen.

Das Problem ist, dass es ein anderes, konkurrierendes Zentrum der Macht im Weißen Haus gibt", erklärte Mansoor, langjähriger Vertrauter von McMaster und Professor für Militärgeschichte an der Ohio State University, gegenüber FP. Aber "wenn jemand es schaffen kann, ist H.R. der Mann".