Nach Trumps Pro-Israel-Politik: Welle von Antisemitismus erfasst die USA

Nach Trumps Pro-Israel-Politik: Welle von Antisemitismus erfasst die USA
Ein ultra-orthodoxer jüdischer Mann nimmt an einer Protestaktion gegen ein Treffen Obamas mit Netanjahu teil; 9. November 2015.
Donald Trump gilt als Sympathisant Israels, aber schützt er auch die jüdischen Gemeinden seines Landes ausreichend? Schon zu Wahlkampfzeiten stieg der Antisemitismus in den USA an. Heute sind Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen zur Normalität geworden.

Am Montag gingen insgesamt zehn Bombendrohungen bei jüdischen Gemeindezentren in sechs US-Bundesstaaten ein. Betroffen waren Zentren in New York, Wisconsin, Minnesota, New Mexico, Texas und Alabama. Die Drohungen fielen zeitlich mit dem "Tag des Präsidenten" zusammen, an dem in mehreren Staaten der USA wieder Proteste stattgefunden hatten. Es war das fünfte Mal innerhalb der letzten fünf Wochen, dass es Bombendrohungen gab. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Birmingham, Barry Leff, erklärte gegenüber der israelischen Zeitung Haaretz:    

Rassismus und Antisemitismus sind nun sozial akzeptabel. Es gibt einen Spruch: Erkenntnis ist die Realität. Die Menschen sind verängstigt, [...] sie sind außer sich und stehen unter immensem Stress.

Benjamin Netanjahu besucht den neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Antisemitismus ist kein neues Phänomen in den USA. Aber seit den 1930er Jahren gab es keine so große, wellenartige Aufwallung des Antisemitismus mehr in den USA. Während Trumps Treffen mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu brachte ein jüdisch-orthodoxer Journalist den wachsenden Antisemitismus auf amerikanischem Boden zur Sprache.

Eine wahre Antwort erhielt er jedoch nicht. Antisemiten versuchten indes, die Pressekonferenz für ihre Ideologie einzunehmen. Trump wies wiederholt auf seine enge familiäre Verbundenheit zum Judentum durch seine konvertierte Tochter und seinen jüdischen Enkelsohn hin. Die jüdischen Gemeinden hatten jedoch auch kritisiert, dass Trump am Gedenktag der Holocaust-Opfer kein explizites Bedauern über die Millionen Juden ausgesprochen hat, die durch das Nazi-Regime umgebracht wurden, sondern nur allgemein die Opfer erwähnte. 

Schon vor Trumps Wahl zeichnete sich ein Anstieg des Antisemitismus ab. Im November 2016 wurden während einer Versammlung der jüdischen Bürgerrechtsgruppe Anti-Defamation League (ADL) die Ängste und Sorgen jüdisch-gläubiger Amerikaner diskutiert. Israelische Politiker hatten sich in den vergangenen Jahren auf den steigenden Antisemitismus in Europa konzentriert und hatten die Entwicklungen in den die Vereinigten Staaten unbeachtet gelassen.   

Palästinensische Demonstranten gegen die israelische Siedlungspolitik in der Nähe von Ramallah rangeln mit israelischem Soldaten, 28. August 2015

Obwohl Trump als Freund Israels gefeiert wurde, trug er selbst während seines Wahlkampfes zum Antisemitismus in den sozialen Medien bei. In einem Tweet stellte er Hillary Clinton mit einem Davidstern dar, auf dem zu lesen stand: "Korrupteste Kandidatin aller Zeiten".

Nachdem Trump sein befristetes Einreiseverbot gegen mehrere mehrheitlich muslimische Länder erlassen hatte, mehrten sich auch Medienberichte über Hassverbrechen gegen Muslime in den USA. Von diesen stellten sich mehrere später als unzutreffend heraus. Dennoch entstand in den sozialen Medien infolge der Entwicklung ein regelrechter Kampf, in welchem sich jede ethnisch-religiöse Gruppe des Landes in der Opferrolle sehen wollte. 

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