Saudi-Arabien weist 40.000 Pakistanis wegen Terrorismus-Verdacht aus und baut Mauer zum Irak

Saudi-Arabien weist 40.000 Pakistanis wegen Terrorismus-Verdacht aus und baut Mauer zum Irak
Ausländische Arbeiter in einer Unterkunft in Saudi-Arabien, 18. August 2016.
Saudi-Arabien hat in den letzten Monaten tausende pakistanische Arbeiter unter dem Verdacht des Terrorismus ausgewiesen. Eine Mauer an der irakischen Grenze soll die Golfmonarchie nun vor den eigenen wahhabitischen Gesinnungsbrüdern schützen.

Pakistan war eines jener Länder auf der Liste des US-Präsidenten Donald Trump, die von seinem mittlerweile von Gerichten aufgehobenen, temporären Einreiseverbot betroffen waren. Unterdessen scheint das Land aber auch von anderen Ländern wie Saudi-Arabien als potenzielle Gefahrenquelle identifiziert worden zu sein.

Die Massenabschiebung rund 40.000 pakistanischer Arbeiter in den letzten vier Monaten, von denen viele in Verbindung mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" stehen sollen, wirft auf dem internationalen Parkett einmal mehr ein beschämendes Licht auf Pakistan.

Kann sich auf Washington verlassen: Salman ibn Abd al-Aziz, König von Saudi-Arabien.

Das Land fühlt sich auch selbst zunehmend isoliert und sieht sich selbst als ohnmächtig dem Terror gegenüber. Nach außen hin macht Pakistan die Nähe zu Afghanistan für den Terror im eigenen Land verantwortlich und weist seinerseits massenhaft Afghanen aus. Aber es sind nicht zuletzt unzählige illegale religiöse Kaderschmieden, die quer über das eigene Land verstreut sind, in denen Prediger Schülern ein Leben für den Gotteskrieg einimpfen. 

Denjenigen abgeschobenen Arbeitern, die keine Verbindungen zum Terror haben, wirft die saudische Regierung kriminelle Delikte wie Drogenschmuggel, Diebstahl, Körperverletzung und Dokumentenfälschung vor. Für Pakistaner ist Saudi-Arabien der größte Arbeitsmarkt außerhalb ihrer Landesgrenzen. Zwischen 2011 und 2015 nahmen mehr als 1,6 Millionen den Weg nach Saudi-Arabien auf sich - in der Hoffnung auf Arbeit, die ihre zurückgebliebenen Familien ernährt. Das zweitbeliebteste Arbeitsmarktziel im Ausland sind für Pakistaner die Emirate, gefolgt von Oman. Es handelt sich bei den Arbeitern um ungelernte Arbeitskräfte, die zum Großteil auch illiterat sind. Ihr Schicksal legen sie in die Hände moderner Sklavenhändler, die sie auf dem Arbeitsmarkt unterbringen sollen.

Saudi-Arabien war eines der letzten Länder, welches die Sklaverei offiziell im Jahr 1974 abgeschafft hat. Die Gastarbeiter aus den asiatischen Ländern Pakistan, Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Philippinen und Indonesien werden als "Miskeen" bezeichnet, was soviel wie arme Schlucker bedeutet. Ein deklassifizierender Ausdruck, der sie zu Menschen zweiter Klasse macht und das Leben am Rande der Gesellschaft Saudi-Arabiens kennzeichnet. Heute steht das Land im internationalen Vergleich an dritter Stelle mit 10,4 Millionen ausländischen Arbeitern, bei einer Bevölkerungszahl von 30,8 Millionen im Jahre 2016. Die USA nimmt den ersten Platz ein mit 45,8 Millionen Menschen, die ausländische Arbeitskraft einbringen, gefolgt von Russland mit elf Millionen Gastarbeitern. 

Unterricht für Jungen in einem afghanischen Flüchtlingslager bei Kachi Abad in der Nähe von Rawalpindi in Pakistan.

Die Ölindustrie mit ihren Gastarbeitern liegt schwerpunktmäßig im Osten Saudi-Arabiens. Die Arbeiter leben unter harschen Bedingungen und sehen sich mit unvorhergesehenen Kosten konfrontiert. Das Durchschnittseinkommen eines saudischen Staatsbürgers lag dem saudischen Arbeitsministerium zufolge 2012 bei 1.280 US-Dollar, das eines Nicht-Saudis bei 250 US-Dollar. Eine Ausweiskarte kostet derzeit zwischen 1.066 bis 1.600 US-Dollar. Zuvor waren dies höchstens 320 US-Dollar.

Im vergangenen Sommer drohte unter drückender Hitze eine humanitäre Katastrophe für tausende Arbeiter, denen zudem seit Monaten der Lohn verweigert worden war. Die Öl-Konzerne gaben an, aufgrund der Öl-Krise nicht zahlungsfähig zu sein, die Arbeiter konnten ihre Familien in der Heimat nicht unterstützen. Die Presse wurde auf die Misere aufmerksam, nachdem der Selbstmord eines Arbeiters publikgeworden war.

Arbeiter berichteten, dass allein die Moscheen ihnen Mittel zum Überleben bereitstellten. Die pakistanische Regierung unterstützte sie nicht. Doch auch nach der Deportation in ihre Heimat müssen die Arbeiter nun fürchten, von Lohneintreibern gejagt zu werden, die von ihnen Geld für ihre einstige Rekrutierung fordern. Diejenigen, die Saudi-Arabien verlassen wollen, können dies jedoch auch nicht aus eigenem Antrieb tun. Sie werden wie Sklaven gefangengehalten von modernen Sklavenhändlern, die von ihnen ebenfalls Zahlungen fordern, um sich freizukaufen. 

Auch Saudi-Arabien hat die Abschottung nach dem Vorbild Trumps für sich entdeckt. Grenzzäune sollen künftig die Auswirkungen des Chaos im Irak von der Golfmonarchie fernhalten. Und so bauen die als arme Schlucker Bezeichneten diese Befestigung für ihre Herren an der Grenze zum Nachbarland. Insgesamt 40 Wachttürme und zwei einander gegenüberstehende Zäune werden mit modernster Überwachungstechnik ausgestattet. Es gilt die 814 Kilometer lange Grenze gegen IS-Terroristen abzuschirmen. Denn so sehr Saudi-Arabien und den IS die gemeinsame Liebe zum Wahhabismus verbindet, bedeutet der "Islamische Staat" eine Gefahr für das Königshaus Saudi-Arabiens. Den Zuschlag für den Bau des ersten Grenzzaunes erhielt 2009 die Airbus-Gruppe.

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