Washington lernt Russisch und erfindet neuen Nachrichtensender gegen "Fake News“ aus Moskau

Washington lernt Russisch und erfindet neuen Nachrichtensender gegen "Fake News“ aus Moskau
Die Reflektion Vladimir Putins in der Brille eines Kadetten während einer jährlichen Nachrichtenkonferenz im Fernsehen, Rostov-on-Don, 20. Dezember 2012.
Als Schlag gegen die russischen Falschnachrichten ruft die US-Regierung einen russischsprachigen Sender ins Leben, der nur wahre Informationen in die Welt hinaustragen soll. Mit entschleunigten Alltagsgeschichten gegen die Propaganda des Kreml.

Der US-amerikanische Initiator gegen die Kreml-Propaganda "Broadcasting Board of Governers“ (BBG) will informieren, sich engagieren und Menschen in der Welt verbinden, um den amerikanischen Frieden und die Demokratie zu verbreiten. Mit einem neuen russischsprachigen Sender will die Regierungsinstitution regierungsunabhängige Informationen liefern. "Nastoyashcheye Vremya" ist der russische Name des amerikanischen Senders, der im Englischen als “Current Time“ bezeichnet und rund um die Uhr wahre Informationen auf Russisch in die Welt tragen will. (#CurrentTimeTV)

Der Sender wird in zehn Ländern zu empfangen sein und die Initiatoren peilen eine Zuschauerschaft von über 240 Millionen an. Darüber hinaus werden 160 Millionen die soziale Medienpräsenz des Senders miterleben dürfen. "Radio Free Europe“, "Radio Liberty“ und "Voice of America“ sind ebenfalls Teil des neuen Grossprojekts im Informationskrieg.

Der Generaldirektor der BBG John Lensing begann seine Ansprache zur Initiierung des Senders am 7. Februar mit einer aktuellen Nachricht aus Afghanistan. Bei einem Selbstmordanschlag vor dem Obersten Gericht Kabuls kamen 22 Menschen zu Tode. Einer der Verletzten war ein afghanischer Journalist. Der Journalist als Märtyrer? Er fuhr fort:

Journalismus sei eine noble Aufgabe, welches uns zu der Initiierung des Senders bringt. Es ist eine Möglichkeit für Russischsprecher endlich Zugang zu professionellen, objektiven, vertrauenswürdigen Nachrichten zu haben.

Als Ressourcen des Übels folgte die Nennung Russlands, Irans und Kubas. “Current Time“ sei im Vergleich zu anderen russischsprachigen Nachrichtensendern keine Propaganda, aber auch keine Kontra-Propaganda. "Current Time" sei unabhängig und hier stolpert der CEO über seine eigenen Worte: 

So wie unsere übrigen Medien. 

Der Schriftzug des BND am Eingang der Zentrale in Berlin.

Teil der Anti-Kremlin Maschinerie sollen mehr als 100 Journalisten sein. Der Hauptsitz des regierungsnahen Senders aber bleibt in Washington mit zahlreichen virtuellen Büros über die USA verteilt. In einem Sizzle-Reel wirbt der Sender mit wenig eindrucksvollen Bildern. Die Bilder wirken wie aus dem Alltag von Menschen gegriffen  und nicht wie die eines Nachrichtensenders mit hohem Anspruch. Vielleicht sind die wahren Nachrichten solche, die keine sind? Geschichten aus dem Alltag? Die Vorstellung endet mit dem Slogan: "Wahre Nachrichten mit und von echten Menschen“.

Anschließend kommt dann doch noch etwas mit mehr Handlung: Ein Video, welches die Korruption innerhalb der russischen Polizei darlegen soll unterlegt mit viel Geschrei, einer Wackelkamera und schlechten Darstellern. Das Ganze mündet schließlich in reinen Tonaufnahmen. Als Betrachter muss man sich fragen, ob es sich hierbei um ein Studentenprojekt handelt. Oder geht der Sender von einer eher minderbemittelten Zuschauerschaft aus? 

Nein, in einer Diskussionsrunde weisen die Repräsentanten daraufhin, dass es durchaus weltoffene Russen gäbe. Immerhin! Der Sender ziele vornehmlich auf junge, weltoffene Menschen ab. Viel Sendezeit soll Live-Übertragungen gewidmet werden. Hierunter werden auch Lives direkt aus der ukrainischen Kampfzone versprochen. Russische Nachrichten würden den Zuschauern Nachrichten schier einhämmern. "Current Times“ hingegen nähme sich Zeit, ist behutsamer und entschleunigt. Zusammengefasst: "Current Times" die entschleunigte Informationsquelle aus dem Alltag. 

 

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