Pekings Energiewende: China will seinen CO2-Ausstoß drastisch senken

Pekings Energiewende: China will seinen CO2-Ausstoß drastisch senken
Der Bau eines Atomreaktors
Die chinesische Regierung will den Anteil von Kohle beim Energieverbrauch ihres Landes um einen Viertel kürzen. Dies soll vor allem durch Investitionen in alternative Energiequellen passieren. Die meisten Mittel bekommt jedoch der Bereich der Atomenergie. Bis zum Jahr 2026 wollen die Chinesen 176 neue Atomkraftwerke bauen.

China hat es sich zum Ziel gemacht, zum größten Hersteller von Atomenergie zu werden. Zu dieser Schlussfolgerung sind die Wirtschaftswissenschaftler des Forschungsunternehmens BMI Research gekommen. Die Experten merken an, dass die Regierung in Peking gewillt ist, in den nächsten fünf Jahren die Leistung der Atomenergie von den bestehenden 32 Gigawatt auf bis zu 100 Gigawatt aufzustocken. Dies wird 10 bis 15 Prozent des Energiebedarfs des ganzen Landes decken. Im Jahr 2016 hat China 20 neue Atomkraftwerke in Betrieb genommen. Zurzeit prüften die chinesischen Beamten weitere 176 Investitionsprojekte im Bereich der Atomenergie, unterstreichen die Strategen von BMI Research.

Im letzten Jahr hat die chinesische Regierung, laut den Daten der World Nuclear Association, 52 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung der eigenen Atomenergie ausgegeben. Dieser massive Zufluss an Geldmittel in die Atomenergiebranche ist mit dem Wunsch der chinesischen Führung verbunden, die Industrie des Landes weniger abhängig von CO2-intensiven Energiequellen wie Kohle zu machen. Den Daten des Energieministeriums Chinas zufolge erzeugte Kohle etwa 70 Prozent der gesamten Energie des Landes, was einen absoluten Rekord zwischen den sich entwickelnden Wirtschaften ausmacht. Das Ziel der Behörden ist es, die "Kohle-Abhängigkeit" bis Mitte 2026 auf 40 bis 45 Prozent zu senken. 

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Ewgenij Nadorshin, der Hauptökonom der Unternehmensberatungsfirma "PF Kapital" erklärte in einem Gespräch mit RT:

Kohle ist eine Schlüsselressource für die chinesische Wirtschaft, auf die das Land in den nächsten Jahren nicht so schnell verzichten wird und kann. Hemmungen im Wirtschaftswachstum und ein hohes Niveau der internen Verschuldung erlauben es nicht, den Kohleanteil am Energiehaushalt Chinas zu kürzen. Im Übrigen haben die Chinesen in der letzten Zeit aktiv in die Entwicklung von erneuerbaren Energien investiert, was es ihnen erlauben wird, ihr Energieportfolio deutlich zu diversifizieren.

China investiert zielstrebig in alternative Energiequellen. Insbesondere haben die Investoren im Jahr 2016 über 80 Milliarden US-Dollar für den Kauf und Aufbau neuer Windkraftanlagen ausgegeben, wodurch die Volksrepublik China die global führende Rolle in dieser Branche eingenommen hat: Im Jahr 2015 wurde mit der Aufstellung von Windrädern eine Gesamtmenge an rekordverdächtigen 145.362 Megawatt erreicht.

Unterdessen hat Taiwan im Januar 2017 ein Gesetz verabschiedet, das bis zum Jahr 2025 einen etappenhaften Ausstieg aus der Atomenergie vorsieht. Diese machte 2016 einen Anteil von 18 Prozent vom gesamten Energiehaushalt des Insel aus.

Das atomare Europa

Atomenergie wird auch in einigen EU-Staaten aktiv ausgeweitet. Die führende Rolle dabei nimmt eindeutig Frankreich ein, wo 58 Atomreaktoren in Betrieb sind. Dadurch werden 73 Prozent des Energiebedarfs des Landes gedeckt. Danach folgt Großbritannien, dessen Energieportfolio 23 Prozent an Atomenergie beinhaltet. Das kann den Daten der International Atomic Energy Agency entnommen werden.

Europa war einer der Ersten, die begonnen haben, Atomenergie für friedliche Zwecke zu nutzen: die erste Atomkraftanlage wurde 1962 in Großbritannien gebaut. Heute haben die europäischen Staaten jedoch begonnen, den Anteil der Atomenergie stufenweise abzubauen, indem sie die alternativen Energiequellen immer weiter entwickeln. Vor allem konzentriert man sich dabei auf Wind- und Sonnenenergie. Im Übrigen wird der Anteil an Atomenergie in den nächsten Jahrzehnten trotzdem ungefähr 20 Prozent des gesamten Energiehaushalts in Europa betragen", erklärte Dr. rer. oec. Jean-Baptiste Attale, Professor an der Universität in Lyon.

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