Hybride Kriegsführung auf Japanisch? Tokio soll Denkfabrik für antichinesische Propaganda bezahlen

Hybride Kriegsführung auf Japanisch? Tokio soll Denkfabrik für antichinesische Propaganda bezahlen
Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und Chinas Präsident Xi Jinping im September 2016 während des G20-Treffens.
Eine Denkfabrik ließ sich von der japanischen Regierung für eine Propagandakampagne gegen China bezahlen. Dabei spannte sie die Autorität namhafter Ex-Politiker und Militärs vor. Diese wussten ihrerseits nichts von den eigentlichen Auftraggebern.

Die japanische Botschaft in London hat monatlich 10.000 britische Pfund an die Henry Jackson Society (HJS) überwiesen, berichtet die Sunday Times. Im Gegenzug habe die Denkfabrik eine antichinesische Propagandakampagne organisiert. Die HJS habe dafür mehrere ehemalige britische Militärs und Politiker rekrutiert, ohne diesen ihre Geldquelle zu nennen.

Unter den Betroffenen befinden sich auch ein pensionierter Kommandeur der britischen Kriegsmarine, ein bekannter Ex-Offizier sowie ein früherer Außenminister. Die Denkfabrik habe den Politikern und Offizieren angeboten, China-kritische Artikel unter ihrem Namen zu veröffentlichen. Dabei verschwieg sie der Sunday Times zufolge aber, wer der wirkliche Auftraggeber hinter der Kampagne ist - nämlich die japanische Regierung. Die HSJ ist im Vereinigten Königreich als gemeinnütziger Verein eingetragen.

Die britische Zeitung hatte bereits Ende Januar berichtet, dass die japanische Botschaft in Tokio monatlich 10.000 Pfund (etwa 11.600 Euro) an die HJS gezahlt habe. Im Gegenzug organisierte die neokonservative, transatlantische Denkfabrik eine Propagandakampagne gegen China. Unter anderem griffen die Artikel Chinas Ansprüche im Südchinesischen Meer an. 

Proteste gegen den US-Stützpunkt vor dem Marine-Camp Schwab richten sich gegen die Erweiterung des Luftwaffenstützpunktes in Nago, Okinawa, 1. Februar 2017.

Admiral Alan West, Erster Seelord der Royal Navy von 2002 bis 2006 sowie Minister für Sicherheit und Terrorismusbekämpfung unter dem ehemaligen Labour-Ministerpräsidenten Gordon Brown von 2007 bis 2010, zeigte sich empört über die Vorwürfe und kritisierte die HSJ. Wären ihm die wirklichen Auftraggeber bekannt gewesen, wäre er nicht auf deren Angebot eingegangen, erklärte der britische Ex-Offizier. Brisant dabei ist, dass West angeblich selbst Mitglied des Aufsichtsgremiums von HSJ sein soll. 

Mir war [...] nicht bekannt, dass die HJS von den Japanern finanziert wurde", zitierte ihn die Sunday Times.

Auch andere ihrer Kooperationspartner habe die Denkfabrik nicht über ihre finanziellen Quellen informiert. Der pensionierte Oberst Bob Stewart, ein Abgeordneter der Konservativen, willigte ein, seinen Namen unter einen China-kritischen Artikel der Denkfabrik zu setzen, ohne dass ihn die HSJ darüber informiert hätte, für wen sie die Kampagne durchführt. Stewart war in den 1990er Jahren Kommandeur der UN-Truppe in Bosnien-Herzegowina.

Letzte Woche sah sich die HSJ sogar gezwungen, sich bei dem ehemaligen britischen Außenminister Sir Malcolm Rifkind öffentlich zu entschuldigen. Auch ihn hatte die rechte Denkfabrik in ihre antichinesische Propagandakampagne involviert, ohne mit offenen Karten zu spielen. Die Denkfabrik habe Rifkind gefragt, ob er einen kritischen Kommentar zu der chinesischen Beteiligung am Bau eines Atomreaktors unterzeichnen würde. Rifkind erklärte der Sunday Times zufolge, dass er es bevorzugt hätte, im Vorfeld über die finanziellen Verstrickungen der Denkfabrik informiert gewesen zu sein. 

Die japanische Regierung hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert. Auch die umstrittene Denkfabrik wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob sie Zahlungen von der japanischen Regierung erhält.

ForumVostok
MAKS 2017