US-Soldaten weg von Okinawa: Der einsame Kampf eines Japaners in Washington

US-Soldaten weg von Okinawa: Der einsame Kampf eines Japaners in Washington
Proteste gegen den US-Stützpunkt vor dem Marine-Camp Schwab richten sich gegen die Erweiterung des Luftwaffenstützpunktes in Nago, Okinawa, 1. Februar 2017.
Der Gouverneur der Inselgruppe Okinawa wirbt in Washington für einen Abzug der US-Soldaten. Er erhofft sich von der Regierung Trump eine Kehrtwende in ihrer Besatzungspolitik. Die Zentralregierung in Tokio schmiedet unterdessen jedoch andere Pläne.

Das Inselparadies Japans, Okinawa, ist Lebensmittelpunkt von rund 50.000 US-Soldaten. Die in der japanischen Gesellschaft so wichtige Harmonie, genannt "Wa", ist seit dem jüngsten Mord an einer Japanerin durch einen US-Marinesoldaten jedoch aus den Fugen geraten. Auch kurzfristige Alkoholverbote und Ausgangssperren, die das US-Militär gegen seine Mitarbeiter verhängte, brachten keine Verbesserung der angespannten Lage zwischen Einheimischen und US-Soldaten. Forderungen nach einem Truppenabzug wurden immer lauter. 

Es kam unter zu Massendemonstrationen der Inselbewohner, die sich auch gegen die Verlegung des US-Stützpunktes Futenma in das Naturschutzgebiet Henoko richteten. Insgesamt sollen US-Soldaten seit 1972 für 5.800 Verbrechen auf Okinawa verantwortlich sein. Hierunter über 150 Vergewaltigungen und Fälle von Totschlag. Dabei sollte bereits das Jahr 1972 das offizielle Ende der Besatzung Japans durch die Amerikaner besiegeln. Für die Menschen auf Okinawa hat sich die Lage jedoch keineswegs verbessert.

Takeshi Onaga, dessen anti-amerikanische Politik ihn zum Gouverneuer der Inselgruppe machte, ist nun nach Washington gereist und erhofft sich von seinen Gesprächen eine Abkehr von der amerikanischen "Besatzerpolitik". In Gesprächen mit Demokraten und Republikanern forderte Onaga das Ende der Stationierung neuer US-Soldaten auf Okinawa und machte deutlich, wie sehr das Leben der Einheimischen durch die Militärpräsenz der Amerikaner gestört wird. Okinawa macht gerade mal 0,6 Prozent der Gesamtfläche Japans aus, ist aber Aufenthaltsort für 70 Prozent des gesamten amerikanischen Militärs innerhalb des Landes. 

Onaga stellt sich mit seinen Forderungen und seinem Gesuch in Washington allerdings auch gegen die eigene Regierung in Tokio. Während er einen einsamen Kampf für einen Neubeginn zu Gunsten der Einwohner seiner Insel in Washington führt, weilt der neue US-Verteidigungsminister James Mattis zu Gesprächen in Tokio. Dort beschwor Mattis erneut die ungebrochene amerikanische Allianz mit Japan. Es gab auch keine Anzeichen dafür, dass die Regierung Trumps wie angedroht eine Kostenübernahme für die Präsenz von US-Militär in Japan fordern wird. 

Japan will nicht mehr für US-Militärs zahlen

Die Wahl Onagas hat verdeutlicht, dass sich die Bewohner Okinawas nicht mehr von Abes ferner Regierungspolitik gängeln lassen wollen. Onaga forderte mit seinem Besuch auch den vollständigen Abzug der Basis Futenma. Die Amerikaner argumentieren aber für eine Verlegung der Basis, die weg aus dem Ballungsgebiet gebracht und so die Sicherheit der Insulaner bei Luftwaffenübung gewährleisten soll. Ein Abzug sei aufgrund der Spannungen mit China und Nordkorea nicht möglich. Onagas letzte Hoffnung ist, dass Trump seine Ankündigungen im Wahlkampf doch noch zur Realität werden lässt und Länder wie Japan für die Präsenz amerikanischer Soldaten zahlen müssen. Eine Kostenübernahme käme für Tokio nicht in Frage. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten für die Stationierung des US-Militärs in Japan auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Der japanische Anteil lag bei 1,5 Milliarden US-Dollar. 

Am 10. Februar wird der japanische Premierminister Abe auf Präsident Trump treffen und sich vor dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten tief verbeugen. Bereits jetzt hat Abe ein Programm versprochen, welches dem Credo Trumps, "Make America great again" entsprechen würde und 700.000 Arbeitsplätze im eigenen Land schaffen soll.