Der Kalte Krieg ist endgültig zurück: "Doomsday Clock" um 30 Sekunden vorgestellt

Der Kalte Krieg ist endgültig zurück: "Doomsday Clock" um 30 Sekunden vorgestellt
Lawrence Krauss (links), Herausgeber des "Bulletin of the Atomic Scientists", und Vorstandsmitglied Thomas Pickering (rechts) präsentieren die neue Uhrzeit auf der "Doomsday Clock". Washington, USA, 26. Januar 2017.
Die sogenannte "Doomsday Clock" wurde in Anlehnung an die Metapher "Fünf vor 12" im Jahr 1947 von US-amerikanischen Physikern ins Leben gerufen. Sie soll verdeutlichen, wie groß das Risiko eines Atomkrieges ist. Jetzt wurde die Uhr wieder um 30 Sekunden vorgestellt.

Zweieinhalb Minuten vor 12: Der Redaktion des Bulletin of the Atomic Scientist zufolge, einer Zeitschrift, die sich mit der globalen Sicherheit auseinandersetzt, war die Welt zuletzt 1953 so nah an der Selbstzerstörung. Die Wissenschaftler stellten die so genannte "Weltuntergangsuhr" am Donnerstag von drei Minuten vor 12 um 30 Sekunden vor – auf zweieinhalb Minuten vor 12.

Das die Uhr ausgerechnet jetzt vorgestellt wird, liegt laut den Wissenschaftlern zwar auch an der Amtsübernahme durch Donald Trump, doch nicht nur. Es gebe generell einen

Anstieg eines schrillen Nationalismus weltweit, die Äußerungen von Trump zu Atomwaffen und zum Klimawandel, eine verschlechterte weltweite Sicherheitslandschaft und eine zunehmende Missachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Erklärung der Wissenschaftler im Bulletin of the Atomic Scientist wurde von 15 Nobelpreisträgern unterzeichnet.  Die Wissenschaftler zeigen sich besorgt. Denn: 

[Nie zuvor hatten] die Worte und politischen Vorhaben von ein oder zwei Menschen so großen Einfluss auf unsere Einschätzung der existenziellen Bedrohungen, denen die Welt gegenübersteht.

Offenbar handelt es sich dabei um eine Anspielung auf den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Wissenschaftler ermahnten die beiden Staatsmänner zu einer Kooperation:

Putin und Trump können entweder als Staatsmänner zusammenarbeiten oder sich wie bockige Kinder aufführen, die unsere Zukunft gefährden.

Noch näher als heute stand die "Doomsday Clock" nur 1953 an Mitternacht. Damals hatte die Sowjetunion gerade die erste Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht, was den Wissenschaftlern zufolge den modernen Rüstungswettlauf ausgelöst hat.

Die Prioritäten in der Betrachtungsweise der Wissenschaftler wirken erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die US-Amerikaner schon seit 1945 über Kernwaffen verfügen und diese in Hiroshima und Nagasaki auch eingesetzt haben. Die Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientist ging übrigens aus Physikern des Manhattan-Projekts hervor.

Das Manhattan-Projekt war ein militärisches Forschungsprojekt, in dem Wissenschaftler ab 1942 unter der Leitung von General Leslie R. Groves an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet hatten. Die Arbeit der Wissenschaftler mündete am 16. Juli 1945 in die erste Kernwaffenexplosion, den so genannten "Trinity-Test".