US-Luftwaffe bombardiert Stellungen in Libyen: Angeblich Kontaktmänner von Anis Amri im Visier

US-Luftwaffe bombardiert Stellungen in Libyen: Angeblich Kontaktmänner von Anis Amri im Visier
Ein B-2-Bomber der US-Luftwaffe
Der mutmaßliche Attentäter von Berlin, Anis Amri, hatte geheimdienstlichen Erkenntnissen zufolge auch Kontakt nach Libyen. Einem Medienbericht zufolge flogen US-Luftstreitkräfte nun Angriffe gegen IS-Stellungen, die offensichtlich Kontaktmännern Amris galten.

Wie nun bekannt wurde, führten US-geheimdienstliche Erkenntnisse zu der Entscheidung, zwei Lager des so genannten Islamischen Staates in der Nähe der libyschen Stadt Sirte zu bombardieren. Den Ermittlungsergebnissen zufolge sollen sich dort Terroristen mit Verbindungen zum Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz aufgehalten haben. Der Angriff gegen die Positionen der Terroristen fand in der Nacht vom 18. zum 19. Januar statt und wurde von zwei B-2-Bombern ausgeführt. Gestartet waren diese von der Luftwaffenbasis "Whiteman" im US-Bundesstaat Missouri.

US-Kampfflugzeuge greifen IS-Stellungen in Libyen an

Nach Angaben des Pentagon wurden bei dem Bombardement 80 IS-Kämpfer getötet und über 100 Bomben und Raketen eingesetzt. Aktuell wird nun von US-Seite untersucht, ob auch die Komplizen des mutmaßlichen Berliner Attentäters bei dem Luftangriff ums Leben kamen.

In einer Pressekonferenz am 19. Januar hatte Verteidigungsminister a.D. Ashton Carter dazu noch vage erklärt:

Die Angriffe richteten sich gegen einige IS-Strategen, die Operationen gegen unsere Verbündeten in Europa planten und die möglicherweise auch in Verbindung standen mit einigen Anschlägen, die bereits in Europa passierten.

Den Quellen zufolge wurde derweil jedoch noch nicht erklärt, in welcher Beziehung die mutmaßlichen Kontaktpersonen, die ins Visier der Angriffe geraten waren, zu Anis Amri standen. Es sei jedoch möglich, dass eine oder mehrere Personen, die sich in den Lagern aufhielten, Kommunikation mit Amri gepflegt hatten.

Zum Luftangriff äußerte sich Pentagon-Sprecher Peter Cook wie folgt:

Wir haben sie bereits seit längerem beobachtet. Es handelte sich um Gruppen von Kämpfern, die in Bewegung und nie länger an einem Ort waren. Dies war eine Gelegenheit für uns, die sich anbot und wir wollten sie nutzen.

Angaben des Pentagon zufolge handelte es sich bei den IS-Kämpfern der bombardierten Lager um Terroristen, die zuvor aus Sirte geflohen waren, um sich neu zu organisieren und Trainings zu durchlaufen.

Weiter heißt es, dass laut Bundesinnenministerium der Bundesnachrichtendienst im Zusammenhang mit dem Berliner Anschlag zwei libysche Telefonnummern für weitere Untersuchungen vorgesehen hatte. Demnach wurde in einer Chronologie der Vorgeschichte zum tragischen Anschlag im Dezember 2016 ebenfalls festgestellt, dass Amri die Absicht hatte, sich dem "Islamischen Staat" in Syrien, dem Irak oder Libyen anzuschließen.

Die Ungereimtheiten rund um den Fall Anis Amri werden nicht weniger. Mittlerweile schließen auch innenpolitische Experten mehrerer politischer Parteien nicht aus, dass Amri sogar als V-Mann eines Nachrichtendienstes tätig gewesen sein könnte.

Dies deckt sich mit Erkenntnissen, denen zufolge sowohl der tunesische als auch der marokkanische Geheimdienst die deutschen Sicherheitsbehörden darüber informiert hatten, dass Anis Amri Sympathisant des IS sei und sich diesem in einem der genannten Ländern anschließen wolle. Die Nachrichtendienste der nordafrikanischen Staaten informierten das Landeskriminalamt in NRW zudem darüber, dass Amri Kontakt zu "in Libyen aufhältigen Tunesiern mit möglichem terroristischem Bezug" habe und in Deutschland ein "Projekt ausführen" wolle.

Vor Vertretern der internationalen Presse hatte Verfassungsschutzpräsident Dr. Georg Maaßen in diesem Zusammenhang vor kurzem erklärt:

Es gab keine Informationen, dass diese Person einen Terroranschlag in Deutschland plant oder Käufe durchführt, was die Kalaschnikow angeht. Oder dass die Person Bezüge hat zum IS. Dann wäre es ein Leichtes gewesen, nach Paragraph 129a Strafgesetzbuch, nämlich der Unterstützung einer Terrororganisation, diese Person festzunehmen. […] Von daher sehe ich keine Versäumnisse, die aufgetreten wären.

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