Südkoreaner verzögern Genehmigung für US-amerikanisches THAAD-Raketensystem

Südkoreaner verzögern Genehmigung für US-amerikanisches THAAD-Raketensystem
Die Aufstellung des amerikanischen THAAD-Raketenabwehrsystems verzögert sich aufgrund der politischen Wirren Südkoreas und der ungewissen Zukunft der amerikanisch-südkoreanischen Beziehungen nach der Wahl Trumps.

von Olga Banach

Der südkoreanische Konzern „Lotte“ hatte sich im November vergangenen Jahres dazu bereit erklärt, einen seiner Golfplätze für die Aufstellung eines amerikanischen THAAD-Raketenabwehrsystems zur Verfügung zu stellen, um die Bevölkerung gegen einen Angriff aus Nordkorea zu schützen. Washington hatte auf eine schnelle Übergabe des malerischen „Lotte Skyhill Country Club“, in der südkoreanischen Bergregion Seongju gelegen, gedrängt.

Unterstützer der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye tragen ein Transparent mit ihrem Bild und dem ihres Vaters, dem ehemaligen Diktator Park Chung-hee in Seoul, 17. Dezember 2016.

Aber nun zögert „Lotte“ mit der finalen Übergabe angesichts der nationalen und internationalen politischen Unsicherheit. Nach Korruptionsskandalen um die ehemalige Präsidentin Park wird Südkorea nun von einer Übergangsregierung geleitet. Trump hatte in seinem Wahlkampf angedeutet, dass Länder wie Südkorea für amerikanische Militärunterstützung zahlen müssten. Südkorea versucht, sich auf alle Eventualitäten unter Trump vorzubereiten.

Derzeit befinden sich 28.000 US-Soldaten im Land. Das „Blaue Haus“ (koreanische Parlament) fürchtet, dass das geltende Abkommen zur Kostenteilung zwischen der südkoreanischen und der amerikanischen Regierung zur Stationierung von US-Militärs und Kriegsgerät bald für nichtig erklärt werden könnte. Zuletzt hatte Nordkorea einen Angriff auf das „Blaue Haus“ simuliert.

Die Aufstellung von THAAD-Systemen hatte in Südkorea zu Demonstrationen geführt. Diese soll die Bevölkerung vor dem nordkoreanischen Aggressor schützen.

Seoul sieht sich jedoch in einem Dilemma, denn China hatte Südkorea bereits spüren lassen, was es von der amerikanischen Präsenz im Süden hält. Touristen wurden angewiesen, nicht mehr nach Südkorea zu reisen, koreanische Popmusik verboten und hochrangige chinesische Diplomaten blieben Konferenzen fern. China versucht die Gunst der Stunde zu nutzen und Südkorea für sich zu gewinnen. China hofft darauf, dass Trump das transpazifische Handelsabkommen, von dem China selbst ausgeschlossen ist, aufkündigt. Dann kann China mit seinem Gegenkonzept „RCEP“ (Regional Comprehensive Economic Partnership) punkten und Südkorea zu seinem Alliierten machen.