Ex-CIA-Agent zu RT: US-Geheimdienst-Fail - Keine Beweise für Spuren von Hackern aus Russland

Ex-CIA-Agent zu RT: US-Geheimdienst-Fail - Keine Beweise für Spuren von Hackern aus Russland
Der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper
"Ich höre ständig von höheren gewählten Beamten in Washington, dass die Beweise gegen Russland erdrückend seien. Jedoch sind sie das nicht", sagte der ehemalige CIA-Analyst John Kiriakou zu RT. Auch Whistleblowerin Coleen Rawley spricht von Unstimmigkeiten.

Die Direktoren von vier US-Geheimdiensten - der CIA, des NSA, des FBI und der Nationalen Sicherheitsbehörde (DNI) - haben jüngst vor dem Senat zu ihrem Bericht ausgesagt. Dabei haben sie den Vorwurf erneuert, Moskau habe sich in die Präsidentschaftswahlen eingemischt.

Der Direktor des FBI, James Comey, behauptete, dass seiner Behörde während der Ermittlungen zum mutmaßlichen russischen Hacking der Zugang zu den Servern der Demokratischen Partei versagt wurde.

Ein Aktivist des Hackerkollektivs Anonymous geht im Gespräch mit RT Deutsch auf die technische Seite des US-Geheimdienstberichts über angebliche russische Cyberangriffe auf sensible US-Server ein. Er hegt erhebliche Zweifel am amtlichen Narrativ.

RT befragte den ehemaligen CIA-Analysten John Kiriakou dazu, was es mit diesen Darstellungen auf sich habe.

RT: Der Direktor des FBI sagt, dass seiner Behörde der Zugang zu den Servern der Demokratischen Partei versagt wurde. Sie waren die Ersten, die Russland vorwarfen, Hacking zu betreiben. Warum denken Sie, erlaubte man dem FBI nicht, zu ermitteln?

John Kiriakou: Das ist wirklich die 64.000-Dollar-Frage. Ich höre ständig, dass die Beweislast gegen Russland erdrückend sei. Sie benutzen ständig dieses Wort, ein halbes Dutzend verschiedener Amtsträger, alle sagen, dass die Beweislast erdrückend sei. Tatsächlich aber ist, wenn man sich den Bericht anschaut, den die Demokraten veröffentlicht haben, die Beweislast nicht erdrückend. Dies gepaart mit dem Fakt, dass die Demokraten dem FBI keinen Zugang zu ihren Servern gestatteten, lässt in mir den Gedanken aufkommen, dass am Ende vielleicht doch nicht so viel hinter dieser Geschichte stecken könnte.

RT: Das FBI sagt, dass es seine Datenbeweise von Privatfirmen hat. Wieso würden diese eher die Daten abgeben als die Demokratische Partei?

JK: Nun, das FBI benutzt etwas, das "Nationaler Sicherheitsbrief" genannt wird. Sie verwenden ihn bei Telekommunikationsfirmen, inklusive jenen, die E-Mails hosten. Statt also zu einem Richter zu gehen und eine Erlaubnis zu beantragen, schreibt das FBI diesen Brief der Nationalen Sicherheit, zeigt ihn den Telekommunikationsfirmen und es wirkt wie ein richterlicher Beschluss, sodass die Beamten jede Art von Information bekommen können, die sie wollen. E-Mails, ISP [Internet Service Provider] Informationen, alles und jedes, was sie brauchen für ihre Ermittlungen.

RT: Sie waren Teil der Geheimdienste. Kann man deren Anhörungen wirklich trauen? In der Vergangenheit gab es mindestens einen Vorfall wie jenen im Jahre 2013, als der Direktor der Nationalen Geheimdienste, James Clapper, eine inkorrekte Aussage vor dem Kongress traf. Er sagte damals, dass die USA keine Daten ihrer Bürger sammeln.

JK: In der Tat glaube ich nichts davon, was Geheimdienstkreise an die amerikanische Öffentlichkeit kommunizieren. Die Historie der CIA in dieser Angelegenheit, der Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern, ist schrecklich, wirklich. Wie [RT] richtigerweise betont hat, ist auch die Historie Clappers dazu schlecht. Außer wir sehen echte Beweise – und es muss echte Beweise geben. Falls es zu diesem Hack kam, muss es eine elektronische Spur zu dessen Ursprung geben. Wir haben aber keine elektronische Spur gesehen; wir haben nichts gehört vom Direktor der NSA, dass es einen erfolgreichen Hack gegeben hätte. Es lässt mich einfach glauben, dass keine Beweise existieren.

Eine Menge zu ermitteln

Auch Coleen Rowley, eine ehemalige FBI-Agentin und Whistleblowerin, hat gegenüber RT zu den Auffälligkeiten während der Ermittlungen Stellung genommen.

RT: Das FBI sagt, ihm wurde Zugang zu den Servern des Democratic National Committee (DNC) verwehrt. Ist das eine übliche Praxis in Geheimdienstkreisen?

Coleen Rawley: Ich denke nicht, dass irgendetwas davon normal ist. Die Beamten beschreiten Pfade, die sie nie zuvor beschritten haben. Unglücklicherweise mussten sie auf den Anbieter des DNC zurückgreifen, weil Letzteres selbst keinen Zugang gewährte. Und natürlich wird der Anbieter vom DNC bezahlt. Dies scheint unglücklicherweise die Qualität der Ermittlungsergebnisse zu beeinträchtigen, da ihnen der Zugang verwehrt wurde. Vielleicht wurde er ihnen verwehrt, weil das Ganze nicht so ernst genommen wurde. Es gibt viele Fakten hier, die zeigen, dass die erste Entdeckung, dass es Hacks gab, nicht wirklich ernst genommen wurde. Dass das FBI nicht einmal persönlich das Gespräch mit dem DNC suchte. Sie riefen an, und das DNC glaubte nicht einmal, dass der Anruf vom FBI kam. Daher gibt es eine Menge zu ermitteln.

RT: Warum würde das DNC einer Privatfirma eher Zugang gewähren als dem FBI?

CR: Offensichtlich war ihnen wohl bekannt, dass Ermittlungen gegen Hillary Clinton laufen, vielleicht wurde auch gegen die Clinton Foundation ermittelt. Ich stimme mit John Kiriakou überein, dass es offensichtlich einen Mangel an Vertrauen gab. Das DNC hatte nicht einmal viel Security. Durch das Engagieren eines Subunternehmers wollten sie die Sache selbst in die Hand nehmen. Offensichtlich haben sie nicht das FBI gerufen – das FBI rief sie an, aber es entstand keine richtige Verbindung.

FBI: Hackerattacken wurden auch auf Server der Republikanischen Partei verübt

Ich sollte auch erwähnen, dass Hillary Clinton James Comey beschuldigt, Schuld an ihrer Wahlniederlage zu haben. Dies wird mittlerweile vergessen, aber das tat sie für eine gewisse Weile, erst später beschuldigte sie Russland. Es schien, dass die erste Maßnahme Hillary Clintons war, ihn für die Niederlage verantwortlich zu machen durch seine eine Woche vor der Wahl erfolgte Ankündigung, die Ermittlungen wegen Hillary Clintons privatem E-Mail-Server wiederaufzunehmen.

RT: Das DNC gehörte zu den ersten Stellen, die Russland Hacking vorwarfen. Sollten sie deswegen nicht bereit sein, zu kooperieren, wenn es um die Beweisfindung geht?

CR: Das Timing ist total durcheinander in dieser Sache. Meiner Meinung nach wurden diese Vorwürfe nachträglich aufgeblasen. Es ging ssehr langsam los. Ich denke, was wir jetzt wissen, ist: Wir haben die Demokraten – und es gab eine Pressekonferenz am 10. Januar mit Adam Schiff. Er und neun Kongressmitglieder der Demokraten gaben an, sie wollten ermitteln. Sie verglichen es mit dem 11. September, was sehr problematisch und wirklich beunruhigend ist, denn im Fall von 9/11 zogen das FBI oder die USA in den Krieg. Also wenn Schiff diese Ermittlungen mit denen zu 9/11 vergleicht, sollte dies viele Leute beunruhigen. Denn man erkennt die Motivation der Demokraten, die Wahlniederlage Russland zur Last zu legen, und das Ziel, Trumps Präsidentschaft zu delegitimieren.

Auf der anderen Seite hat man Kriegsfalken der Republikaner wie John McCain und Lindsey Graham, die dies auf sehr opportunistische Weise benutzen, um Öl ins Feuer des Krieges zu kippen. Es ist beängstigend, wirklich nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Ich denke, ich spreche für viele Amerikaner, die besorgt sind über die Situation, in der wir uns befinden.

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