Anonymous-Aktivist zu RT: US-Geheimdienste haben keine Ahnung vom Hacken

Anonymous-Aktivist zu RT: US-Geheimdienste haben keine Ahnung vom Hacken
Ein Aktivist des Hackerkollektivs Anonymous geht im Gespräch mit RT Deutsch auf die technische Seite des US-Geheimdienstberichts über angebliche russische Cyberangriffe auf sensible US-Server ein. Er hegt erhebliche Zweifel am amtlichen Narrativ.
Ein Mitglied des Anonymous-Kollektivs äußert sich gegenüber RT zum Bericht der US-Geheimdienste über angebliche russischer Hacker-Attacken gegen das DNC. Sein Fazit: Der Bericht belegt vor allem die Unkenntnis der Dienste über die Arbeitsweise von Hackern.

"Die Analyse des Direktors der nationalen Nachrichtendienste will den Leser glauben machen, russische Hacker seien in die Systeme des Democratic National Committees eingedrungen", beschreibt der Videojournalist und Anonymous-Aktivist Alex Poucher gegenüber RT den Erklärungsansatz. Damit mache er sich die Sache zu einfach:

Die Aussage basiert auf der Erkenntnis, die Methoden der Angriffe ähneln jener von russischen Hackern. Aber so funktioniert Hacking nicht im Geringsten.

Der IT-Fachmann fügte hinzu: "Hacker können entweder ihre eigenen Werkzeuge programmieren oder vorgefertigte Skripte downloaden, die leicht verfügbar sind. Wenn zwei Akteure identische Skripte downloaden und diese für Angriffe nutzen, dann erscheinen auch die Muster der Angriffe in exakt der gleichen Weise."

Poucher führte zudem aus, dass eine Person, die sich in den USA aufhält, mit Leichtigkeit einen VPN-Tunnel verwenden kann, der nach Russland führt, um so den Eindruck zu erwecken, die Attacke komme von dort.

Doch im aktuellen Geheimdienstbericht über die vermuteten Cyberangriffe aus Russland werden selbst solche Details nicht genannt, was laut Poucher zeige, dass die Dienste letztendlich keine Ahnung haben, wie die Daten von den DNC-Servern zu WikiLeaks gelangt waren. Am Ende des Tages müsse man sagen, dass der Bericht nicht die geringsten Beweise liefert.

Jenen Akteur, der sich Guccifer 2.0 nennt und für sich reklamiert, das Material erbeutet und an die Leakingplattform weitergegeben zu haben, bezeichnet Anonymous-Aktivist Poucher als "verdächtige Figur".

Poucher selbst habe anhand des verfügbaren Materials die Attacke rekonstruiert und kam zu dem Schluss, dass diese nicht besonders anspruchsvoll gewesen sein kann. Ein 14-Jähriger, der unter Zuhilfenahme von Software aus dem Internet agiert hätte, könnte dafür verantwortlich sein.

Mit ähnlichen Worten kommentierte vergangene Woche auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem Exklusiv-Interview mit Fox News die Erbeutung der persönlichen E-Mails von Hillary Clintons Kampagnenchef John Podesta. Dieser nutzte einen webbasierten Gmail-Account und schützte seine Korrespondenz lediglich mit dem Passwort "p@ssw0rd". Selbst einfachste Skripte seien in der Lage, in solch ein Postfach einzudringen.

Russland soll es gewesen sein - James Clapper, der Nationale Geheimdienstdirektor der Vereinigten Staaten beschuldigt Moskau der Wahlmanipuliation

Der Anonymous-Aktivist Poucher vermutet einen ganz anderen Hintergrund hinter den Hacking-Vorwürfen. Er sieht diese als Teil einer groß angelegten antirussischen Stimmungsmache unter der Präsidentschaft von Barack Obama, die an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Mit der Amtsübernahme Donald Trumps könnte hier jedoch eine deutliche Kursänderung eintreten.

Derweil ist weiterhin ungeklärt, ob die skandalisierten Hackingangriffe, die Russland zur Last gelegt werden, überhaupt stattgefunden haben. Sowohl Julian Assange als auch dessen Vertrauter Craig Murray sagten aus, es handele sich bei den preisgegebenen Daten vielmehr um ein Leak als um einen Hack. Murray präzisierte die Quelle der Daten dann auch als "enttäuschten Insider" aus dem Kreise der Demokratischen Partei. Auch dass WikiLeaks die Daten von staatlichen Akteuren erhalten habe, dementierte Assange ausdrücklich.

Des Weiteren gestanden die US-Geheimdienste jüngst ein, die Server des DNC überhaupt nicht selbst untersucht, sondern lediglich ein Dienstleistungsunternehmen damit beauftragt zu haben. Ungeachtet der dünnen Faktenlage wird der Narrativ mutmaßlicher russischer Cyberattacken und deren Einflussnahme auf die US-Wahlen massiv von den Mainstreammedien transportiert. Sollte Trump in seiner Amtszeit wirklich einen Aussöhnungskurs mit Moskau anstreben, wird dies so manchen Washingtoner Machteliten missfallen. In der Tat sind die Hintergründe der Anschuldigungen wohl eher politischer als technischer Natur.

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