Fake News gegen Donald Trump: Angebliches Trump-Dossier ist ein 4chan-Hoax

Fake News gegen Donald Trump: Angebliches Trump-Dossier ist ein 4chan-Hoax
Erfolgreicher Hoax: Die Spaßvögel von 4chan trollten Trump, die CIA und den gesamten Mainstream.
Neun Tage vor der Amtseinführung Donald Trumps sollen Geheimdienste vor kompromittierendem Material über ihn in russischen Händen gewarnt haben. Die Presse tobt. Unterdessen verdichten sich Hinweise, dass die ganze Geschichte ein Fake aus dem Troll-Forum 4chan ist.

Nachdem US-Geheimdienste bereits in den vergangenen Wochen viel Engagement gezeigt hatten, um Russland der Beeinflussung der Präsidentschaftswahl im November zu beschuldigen, warteten diese nun angeblich mit einer neuen Warnung auf. So berichteten jedenfalls Medien rund um den Erdball, meist als Headline-News. Moskau verfüge über kompromittierendes Material, mittels dessen der Kreml den künftigen US-Präsidenten Donald Trump erpressen könne. Zu diesen Schlussfolgerungen seien Geheimdienste gekommen und beriefen sich dabei auf eine namentlich nicht näher genannte britische Quelle.

Glaubt man den Berichten, dann hat die Geschichte in Washington offenbar Eindruck gemacht: Neben Trump informierten die Dienste auch den Noch-Präsidenten Barack Obama und hochrangige Kongress-Mitglieder über die neue "explosiven Informationen", heißt es. Von Videoaufnahmen "sexueller Perversionen" und "persönlichen Obsessionen" Trumps soll die Rede sein. Entsprechende sexuelle Praktiken werden anschließend in anschaulicher Weise beschrieben. Eine Sprache, in der sich Geheimdienste über ihren zukünftigen Präsidenten äußern?

Dem Newswebsite Buzzfeed kam das alles sehr glaubwürdig vor. Sie veröffentlichte jenes Dossier, in dem die US-Dienste angeblich ihre Erkenntnisse zu dem vermeintlichen Skandal zusammengetragen haben. Doch spätestens ab diesem Punkt wird die ganze Geschichte vollends skurril. Wie die Internetseite Gateway Pundit herausgefunden haben will, handelt es sich bei ebendiesem Dossier um einen Fake der berüchtigten Spaßvögel aus dem Forum 4chan. Die Ursuppe der Anonymous-Bewegung gilt mittlerweile auch als Hochburg der so genannten Alt-Right, der "alternativen Rechten", die zu den vehementesten Multiplikatoren von Pro-Trump-Botschaften im Wahlkampf gehört hatte.

Die Trolle wollen das Papier – inklusive aller darin enthaltener Schreibfehler und nicht authentischer Formalitäten – in Umlauf gebracht haben. Buzzfeed, CNN und auch Spiegel Online präsentierten die Seiten als vermeintlichen Beleg und begannen über die mutmaßliche Geheimdienstwarnung und das vermeintliche Trump-Kompromat in Kremlhänden zu berichten.

Unterdessen verdichteten sich jedoch Hinweise die Runde, wonach an der Story irgendetwas faul sein könnte. Auch WikiLeaks weist schnell auf den Fake-Charakter des Berichtes hin:

Obwohl das angebliche Russland-Dossier seinen Ursprung offenkundig auf 4chan hat, will CNN bestätigt bekommen haben, dass die US-Geheimdienste bei ihrem Treffen mit Donald Trump am vergangenen Wochenende diesem genau diese Analyse überreicht hätten.

Möglicherweise stimmt dies sogar. Auffällig ist jedoch, dass in keinem der Medienberichte ein konkreter Dienst oder gar ein Beamter aus den Reihen von FBI, CIA und Co. zitiert wurde, der die neuerliche Warnung über angebliches russisches Trump-Kompromat bestätigen wollte. Als Quelle der auch in deutschen Medien rollenden Lawine wird meist ebenfalls CNN genannt und das 4chan-Dossier als Aufhänger der Story genutzt.

Der Blog Zerohedge zeichnet den Weg des offenkundigen Hoaxes hingegen wie folgt nach:

Zunächst haben die Trolle des 4chan-Forums das Dossier erstellt und dem namhaften republikanischen Trump-Gegner Rick Wilson zugespielt. Dieser wiederum habe es an die CIA weitergeleitet, die das Papier ohne große Umschweife in den Anhang des geheimen Geheimdienstberichts zur US-Wahl aufnahm. Es scheint, jedwedes Material, das die von den Diensten proklamierte russische Einflussnahme auf die US-Politik bezeugen könnte, sei ihnen hoch willkommen gewesen. Die 4chan-Trolle haben mit ihrem Hoax am Ende also nicht nur die Medien getrollt, sondern auch die Geheimdienste, die den erfundenen Bericht aus dem Forum im Folgenden sogar Präsident Obama und dem Protagonisten des ganzen Spaßes, Donald Trump, vorlegten. Offenbar sollte die Aktion den Zweck verfolgen, die Glaubwürdigkeit Trump-kritischer Medien in aller Welt und der Geheimdienste, auf die diese ihre jüngsten Berichte stützten, in ihren Grundfesten zu erschüttern - was dann auch gelungen wäre.

In seiner ersten Reaktion auf den heute einsetzenden Medienhype bezeichnete der künftige US-Präsident Donald Trump die Berichte entsprechend umgehend als Fake News:

Ungeachtet des anscheinend frei erfundenen Ursprungs der ganzen Geschichte hat die neuerliche Debatte über angebliche russische Einflussnahme auf die USA reale politische Konsequenzen. Während einige Kommentatoren warnen, US-Geheimdienste wollen gezielt Trumps Bemühungen um eine Annäherung mit Russland sabotieren, fordern hochrangige Vertreter der Demokraten Trump bereits zum Amtsverzicht auf.

Die russische Regierung, die in der ganzen Posse als Nebendarstellerin ebenfalls vorkommt, kam nicht umhin, mittels eines offiziellen Statements zu erklären, dass die Geschichte "totaler Nonsens" ist. Der Bericht habe keinerlei Bezug zur Realität und Russland besitze auch kein belastendes Material über Trump. Es handelt sich um pure Fiktion, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Des Weiteren lägen der russischen Regierung gute Beziehungen zu anderen Staaten am Herzen. Vom Imageboard 4chan aus schallt indes lautet Gelächter durchs Netz.

Trump selbst wird heute um 17 Uhr deutscher Zeit seine erste Pressekonferenz seit der gewonnenen Wahl geben. Nach seiner Siegesrede hatte sich der künftige US-Präsident vor allem über den Kurznachrichtendienst Twitter an die Öffentlichkeit gewandt.